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    MontabaurWochenende unter freiem Himmel: Abenteuer im heimischen Wald erlebt

    Die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen, das ermöglichten am Wochenende Philipp Schiefenhövel von der „Will und Liselott Masgeik“-Stiftung und Ute Hindorff vom Forstrevier Wallmerod einer 13-köpfigen Gruppe. Zur Exkursion durch Wald und Flur gehörte auch eine Übernachtung unter freiem Himmel, nur „behütet“ durch einen selbst gebauten Unterstand. Durch Wanderungen zu spannenden Orten sollten die Teilnehmer ein kleines Stück Wildnis im heimischen Wald erfahren und ein Wochenende im direkten Einklang mit der Natur erleben. Um es gleich vorwegzunehmen: Von diesem Naturerlebnis der besonderen Art werden die „Robinsons aus dem Westerwald“ noch lange zehren.

    Die Teilnehmer entdeckten die Natur mit allen Sinnen. Und dazu gehört auch der Geruchssinn.  Fotos: Hans-Peter Metternich
    Die Teilnehmer entdeckten die Natur mit allen Sinnen. Und dazu gehört auch der Geruchssinn. Fotos: Hans-Peter Metternich

    Ute Hindorff und Philipp Schiefenhövel hatten bei der Planung und Vorbereitung des Streifzuges durch Wald und Flur nichts dem Zufall überlassen, und dennoch bargen die Aktionen jede Menge Überraschungen. Nicht zuletzt stand die Frage im Raum: Was werden wir in Gottes freier Natur finden, womit wir uns heute ein schmackhaftes Essen bereiten können? Die Teilnehmer mussten an sechs Stationen verschiedene Aufgaben erfüllen, um so den Weg zum Übernachtungsstandort ausfindig zu machen.

    „Wir müssen heute bei allem, was auf uns zukommt, als Team agieren, denn nur gemeinsam ist das Überleben in der Wildnis möglich. Das lehrt uns schon die Tierwelt in freier Natur“, machte Philipp Schiefenhövel vor dem Aufbruch in ein ungewöhnliches Abenteuer deutlich, wobei das „Überleben“ natürlich nicht wörtlich zu nehmen war.

    „Warum macht ihr das hier eigentlich mit?“ wollte Schiefenhövel wissen. Ralf will sich im Pfadfinderleben für Erwachsene üben, Florian würde gern bei Nacht einem Wildschwein begegnen und dabei lernen, wie man mit so einem Treffen umgehen muss. Natalie freut sich darauf zu erfahren, was der Wald an natürlichen Leckerbissen zu bieten hat, und Carla möchte einfach die Nähe zur Natur erleben. Die Erwartungen gingen fast alle in Erfüllung, nur Wildschweine haben sich nachts am Zelt nicht blicken lassen. Frischlinge hatten den Lagerplatz aber, wie eine Tierbeobachtungskamera belegte, einen Tag vorher inspiziert. Die drei acht- und neunjährigen Kinder und die zehn Erwachsenen kannten den Lagerplatz für die Nacht zunächst nicht. Um den Weg dahin zu finden, galt es, knifflige Aufgaben zu lösen, um die richtige Richtung nicht zu verfehlen. Bei der Exkursion in die Wildnis war die moderne Technik allerdings nicht ganz außen vor. GPS-Koordinaten, die durch das Lösen von Aufgaben zu eruieren waren, gaben den nächsten Zielpunkt vor. Dass es neben einer Nahrungskette in der Natur auch Nahrungsnetze gibt, lernten die 13 „Naturforscher“ buchstäblich spielend.

    Mit allen Sinnen: Allen, die das Interesse an der „wilden“ Natur noch nicht verloren haben, empfiehlt der Diplom-Biologe, die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen. „Hören“: Übernachtung in offenem Zelt zur Wahrnehmung von Wind, Wetter, Temperatur, nächtlichen Geräuschen und erwachenden Vögeln. „Riechen und Schmecken“: Verköstigung von Pflanzen und Anwendung von einfachsten Kochzutaten. „Sehen“: Ohne technische Hilfsmittel die Augen an das natürliche Restlicht gewöhnen, Artmerkmale von verschiedenen Tieren und Pflanzen erkennen. „Fühlen: Anfassen von Tieren im Wald, Schlafen auf Waldboden nur mit einer Isomatte, Sitzen ums Feuer auf Holzstämmen.

    Darüber hinaus galt es, sich nur mithilfe einiger Fotos von markanten Punkten aus im Wald zu orientieren. Eine Aufgabe, die gar nicht so ohne Weiteres zu bewältigen war. Eine durchaus spannende Geschichte war das Sammeln von Pflanzen am Wegesrand, aus denen am Abend etwas zubereitet werden sollte, das auch genießbar war. Da fiel so mancher skeptische Blick auf das „Grünzeug“.

    Nach vier Stunden intensivem Streifzug durch den Wald war der Lagerplatz oberhalb des Gelbach- und des Eisenbachtales endlich erreicht. Doch von Ausruhen keine Spur. Da galt es, erst mal den Hunger zu stillen. Auf dem Speiseplan standen über dem Lagerfeuer in der Pfanne zubereitete Brennnesselbratlinge, Kräuterquark aus den frischen gesammelten Kräutern und Klettengemüse aus den Pflanzenstängeln der Großen Klette in Soße gekocht. Leckereien (oder auch nicht), die wohl kaum einer der Teilnehmer schon einmal zu sich genommen haben dürfte. Das über dem offenen Feuer gegrillte Stockbrot war da schon eher ein Begriff. Doch auch hier stand vor dem Genuss die Arbeit, denn der Teig wurde selbst angerührt.

    Stockbrot am Lagerfeuer: Das war der verdiente Lohn am Abend, nachdem Jung und Alt im Wald bereits viel erlebt hatten.
    Stockbrot am Lagerfeuer: Das war der verdiente Lohn am Abend, nachdem Jung und Alt im Wald bereits viel erlebt hatten.

    Nach dem Essen ausruhen: Fehlanzeige. Es galt, das Nachtlager herzurichten. Aus einer großen Plane wurde mit Seilen ein einfacher wasserdichter Unterstand geschaffen, worunter sich die müden Häupter zur Ruhe legen konnten. Lange schlafen: noch mal Fehlanzeige. Die „Vogeluhr“ rief pünktlich um vier zum Aufbruch zur Wildtierbeobachtung, um zu sehen und zu hören, wie die Natur erwacht.

    Insgesamt 19 Vogelarten (Rotkehlchen, Zaunkönig, Wintergoldhähnchen waren die ersten, später Bunt-, Grün- und Schwarzspecht, bettelnde junge Mäusebussarde, Mauersegler und Kernbeißer) wurden ausgemacht. Ein Rehbock kam auf 20 Meter an die Gruppe heran und rannte laut blökend weg, als er die Gruppe bemerkte.

    Das intensive Naturerlebnis hat sich auf jeden Fall gelohnt, darin waren sich am Ende alle einig. Und sie würden so eine Exkursion wieder mitmachen, war der abschließende Tenor der „Naturforscher für einen Tag und eine Nacht“.

    Von unserem Mitarbeiter Hans-Peter Metternich

    Dass es neben einer Nahrungskette in der Natur auch Nahrungsnetze gibt, lernen die 13 „Naturforscher“ buchstäblich spielend. Philipp Schiefenhövel und Ute Hindorff machen anhand von Bildern die Beute-Räuber-Beziehung in der heimischen Fauna deutlich.
    Dass es neben einer Nahrungskette in der Natur auch Nahrungsnetze gibt, lernen die 13 „Naturforscher“ buchstäblich spielend. Philipp Schiefenhövel und Ute Hindorff machen anhand von Bildern die Beute-Räuber-Beziehung in der heimischen Fauna deutlich.
    Foto: hpm

    Experte stellt eine Entfremdung von der Natur fest

    Der Diplom-Biologe Philipp Schiefenhövel stellt nicht ohne Sorge eine Entfremdung von der Natur in der Bevölkerung fest. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte er, warum er das so sieht. „Obwohl das Interesse von Kindern und Jugendlichen an naturbezogenen Themen recht hoch ist, wird die Distanz zur Natur besonders bei den Kindern heute oft größer, zum Beispiel beim Anfassen von Insekten, wie Kellerasseln, Spinnen, Regenwürmern, Fröschen und anderem ‚Getier‘. Oft schürft die zunehmend mediale und globalisierte Welt Ängste vor Krankheiten und Kontakt mit der Natur.“

    Diplom-Biologe Philipp Schiefenhövel bringt den Teilnehmern die Natur näher.
    Diplom-Biologe Philipp Schiefenhövel bringt den Teilnehmern die Natur näher.
    Foto: hpm

    Für den Biologen werden Themen zu gesundheitsschädlichen Pflanzen, Neophyten oder Tieren durch die Medien intensiv aufgegriffen und erlangen dadurch übertriebene Aufmerksamkeit. „Eichenprozessionsspinner sowie Krankheitsübertragungen durch Zecken und Mücken dürften aber nicht zur Hysterie führen“, so Schiefenhövel, der weiß, dass das alles natürlich ernst genommen werden muss.

    „Es gibt Eltern, die ihre Kinder aus Angst vor einem Zeckenbiss nicht mehr in der Natur spielen lassen. Die echte Natur rückt nicht selten in den Hintergrund, weil Gärten, städtische Grünanlagen und das unmittelbare (Wohn-)Umfeld immer häufiger ästhetisch und optisch ansprechend, aber dadurch auch steril und naturferner gestaltet werden. Es finden sich kaum noch unaufgeräumte Ecken. Auch wenn Führungen und Interesse an Wildkräutern und deren Verwendung in der Bevölkerung einen nicht unerheblichen Stellenwert genießt, geht das umfangreiche Wissen zur Naturheilkunde und vor allem die Artenkenntnis der Pflanzen, was früher vielen noch bekannt und zugängig war, mehr und mehr verloren“, stellt Philipp Schiefenhövel fest.

    hpm

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