40.000
Aus unserem Archiv

Wo Natur noch zum Unterricht gemacht wird: Grundschüler pflanzen Blumenwiese im Erlebniszentrum

Die erste Klasse der Grundschule am Eichberg ist an diesem Dienstagmorgen besonders aufgeregt. Heute sollen sie eine Blumenwiese auf dem Gelände des Naturerlebniszentrums (Nerz) Wallmerod anlegen. Das Zentrum grenzt an den Schulhof der Grundschule und bietet den Kindern immer wieder die Möglichkeit, durch verschiedenste Projekte die Natur der Region hautnah zu erleben. Federführend für die heutige Gestaltung der Wiese ist Philipp Schiefenhövel von der Masgeik-Stiftung, unter dessen Anleitung bereits zuvor Projekte mit der Grundschule durchgeführt worden waren.

Aufgepasst: Die Schüler der Grundschule am Eichberg bekommen durch das Naturerlebniszentrum im Unterricht auch immer wieder Einblicke in die heimische Natur geboten. Fotos: Röder-Moldenhauer
Aufgepasst: Die Schüler der Grundschule am Eichberg bekommen durch das Naturerlebniszentrum im Unterricht auch immer wieder Einblicke in die heimische Natur geboten. Fotos: Röder-Moldenhauer
Foto: Röder-Moldenhau

Bevor die Erstklässler ihr Projekt starten dürfen, bespricht Schiefenhövel mit ihnen den Ablauf in einem Sitzkreis. Die Klasse wird dabei in zwei Gruppen aufgeteilt, damit die Kinder besser betreut werden können. Gemeinsam mit dem Biologen geht dann die erste Gruppe zu einem kleinen Hang am Eingang des Schulgebäudes, auf dem die Blumenwiese entstehen soll. Der Boden ist bereits vor zwei Wochen von Landwirt Bernd Weiand mit einem Mulcher oberflächlich aufgelockert worden. Die Kinder bekommen erklärt, dass es wichtig ist, den Hügel schon früh genug zu lockern, da der Boden sich setzen muss. Aufgabe der Kinder soll nun sein, den aufgelockerten Rohboden möglichst glatt zu rechen. Kurz darauf werden die auf dem Boden liegenden Werkzeuge von den Erstklässlern geschnappt, und schon geht es zur Sache. Dass dabei der Rechen fast doppelt so groß wie der ein oder andere Schüler ist, ist für niemanden ein Problem, und so werden munter „die Brocken in der Wiese klein gemacht“. Nachdem die erste Seite der Wiese glatt gezogen ist, werden noch die letzten Grasbüschel aus dem Boden gezogen. Dann steht ein Gruppenwechsel an: Die andere Hälfte der Kinder ist jetzt an der Reihe, mit den Rechen die zweite Seite des Hanges zu bearbeiten. Während sie mit den Geräten hantieren, bleiben immer wieder vorbeigehende Spaziergänger stehen, um sich die Arbeiten anzuschauen. Ihre begeisterten Zurufe spornen die Kinder an, und sie wollen gar nicht mehr aufhören, das Beet zu bearbeiten.

Im nächsten Schritt sollen Blumensamen auf den Boden ausgebracht werden. Diese sind von Schiefenhövel aus einem ganz bestimmten Grund mit Sand vermischt worden: Der Sand hilft, die Samen großflächiger auszustreuen, sodass keine dichten Pflanzennester entstehen. Bereits vor knapp zwei Wochen hatten die Kinder die Blumensamen selbst am Eichberg gesammelt. Zuvor hatten sie mit Schiefenhövel und ihrer Klassenlehrerin Christine Kempf das Wachstum einer Pflanze besprochen und gelernt, welche Blüten sie einsammeln sollten. Bei der Frage, auf was sie achten mussten, erzählten die Schüler, dass sie beim Sammeln nur die Blüten verwerten und den Stiel abschneiden sollten. Es galt aufzupassen, keine Brennnesseln und Disteln einzusammeln. Der Diplom-Biologe berichtet, dass einige Kinder sogar selbstständig Pflanzen gefunden haben, die in der Klasse gar nicht angesprochen worden sind, aber trotzdem verwertet werden konnten. Der Sinn und Zweck, die Blüten selbst einsammeln zu gehen, bestand darin, dass nur regional vertretende Pflanzen im späteren Beet blühen sollen, wie zum Beispiel die Wilde Möhre, die Wiesenmargerite oder die Glockenblume.

„Streut die Samen wie mit einem Salzstreuer“, lautet Schiefenhövels Anweisung an die Kinder, um das Saatgut auf dem Beet zu verteilen. Diese machen derweil einen Wettbewerb daraus, wer es schafft, mit einer Ladung die meisten Samen auszuteilen. Dass die Kinder Spaß an der Arbeit in der Natur haben, ist ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts, das Schiefenhövel mit dem Lehrpersonal der Schule gemeinsam ausgearbeitet hat. Zu diesem gehört zum einen das Bedürfnis, Naturthemen im Umfeld der Schule für Schüler, Lehrer und Eltern erlebbar zu machen. Zum anderen sieht das Konzept die Beschäftigung mit Tieren und Pflanzen aus dem Umfeld der Schule vor. Durch den Anbau von eigenem Obst und Gemüse sollen sich die Schüler zudem mit dem Thema der gesunden und nachhaltigen Ernährung beschäftigen. Dazu sind bereits seit Anfang des Jahres verschiedene Aktionen von Philipp Schiefenhövel mit allen Klassenstufen der Schule durchgeführt worden: Zunächst lernten die Schüler die Obstbäume auf dem Schulhof als Kulturgut kennen und schnitten diese anschließend zurück. Dann waren die Kinder an der Herstellung, Aufstellung und Nutzung von vier großen Hochbeeten beteiligt, die mit Gemüse bepflanzt wurden. Die Ernte verwendete die Schule, um mit den Schülern gemeinsam zu kochen. Als letztes Projekt wurde ein Insektenhotel mithilfe des Nabu Hundsangen gebaut. Im Rahmen der Bachelorarbeit des Biologie-Studenten Tobias Thiessen ist mithilfe der Masgeik-Stiftung und der Schule die Aufstellung mehrerer Infotafeln auf dem Schulhof und im Nerz erfolgt, welche die Tier- und Pflanzenarten der Umgebung darstellen.

Der Student erstellte zusätzlich Arbeitsblätter zu den Inhalten der Infotafeln, die im Unterricht verwendet werden. Nicht von diesen Arbeitsblättern, aber im Unterricht, haben die Kinder gelernt, dass die Blumen, die sie heute einsäen, Lichtkeimer sind. Daher ist es nicht nötig, die Samen in die Erde einzugraben. Es reicht, sie lediglich mit einer Walze anzudrücken.

Diese Walze zieht Schiefenhövel dann abwechselnd mit jeweils einem Erstklässler über das Beet, wobei die Kinder sich gegenseitig anfeuern. Die zweite Gruppe hat zu guter Letzt die Aufgabe, mit einem Gartenschlauch die Samen nass zu machen. Bei ihrer Nachfrage, wann die gesäten Blumen anfangen zu blühen, müssen die Kinder allerdings vertröstet werden. Vor nächstem Frühjahr, meint Schiefenhövel, werden keine Pflanzen zu sehen sein. An dieser Stelle bemerkt er auch, dass er gespannt ist, welche Pflanzen zusätzlich zu den bewusst Eingesäten aufblühen werden. Durch das Umbrechen des Bodens haben nämlich die schwächeren Pflanzen, die natürlicherweise unter dem Boden liegen, mehr Platz bekommen, sodass sie jetzt auch eine Chance haben aufzublühen.

In der Nachbesprechung des Vormittages im Klassenraum reflektieren Kinder und Schiefenhövel gemeinsam, was von ihrem gelerntem Wissen über den Aufbau einer Blume, das Wachstum und die Bestäubung durch die Bienen am heutigen Projekt wichtig war. Dazu benutzen sie ein Tafelbild zum Pflanzenwachstum. Auf die Frage hin, ob die Kinder auch zu Hause bei der Gartenarbeit mithelfen, antworten alle mit Ja. Zu Hause jedoch würden sie eher Gemüse oder Obst mit ihren Eltern einpflanzen. Bei den meisten Kindern ist es auch so, dass die Eltern die Samen aus sogenannten Saattüten kaufen und ihr Saatgut nicht selbst sammeln gehen.

An dieser Stelle vermerkt Schiefenhövel aber, dass in Saattüten oftmals auch Blüten vorkommen, die nicht an den aktuellen Standort passen. Er rät: Wer regionales Saatgut möchte, sollte dies lieber selbst sammeln gehen. Zusammenfassend war die Resonanz der Kinder auf das Projekt der Blumenwiese durchweg positiv. Begeistert war auch die Lehrerin, die verkündete, gern weiter mit Schiefenhövel zusammenzuarbeiten, um Aktionen wie die heutige auf die Beine zu stellen. Lara Schwalb

Montabaur Hachenburg
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Dienstag

0°C - 3°C
Mittwoch

1°C - 5°C
Donnerstag

0°C - 5°C
Freitag

1°C - 7°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerien: Fotos unserer Leser
&bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.