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"Wir wollen etwas Großes machen": Schüler setzen eurythmisch-sinfonische Theaterprojekt um

Vor langer, langer Zeit war die Welt noch nicht – diesen Prolog singt der Chor vor der dunklen Bühne, noch ehe das Schöpfungsepos mit „Es werde Licht“ einsetzt. So beginnt das eurythmisch-sinfonische Theaterprojekt „Manu, Moses & More“ der Rudolf-Steiner-Schule Mittelrhein in Neuwied und des Landesmusikgymnasiums Rheinland-Pfalz in Montabaur, das jetzt mit zwei Vorstellungen in der Stadthalle Ransbach-Baumbach abschloss.

Nach dem Durchzug der Israeliten wird das Heer des Pharaos durch das Meer vernichtet.
Nach dem Durchzug der Israeliten wird das Heer des Pharaos durch das Meer vernichtet.
Foto: mm

Doch noch befinden sich Tänzer, Musiker und Sänger in der Turnhalle – und dunkel ist es auch nicht. Hauptprobe ist angesagt, und Projektleiterin Silvia Vögele versucht, durch viele Anweisungen den fast schauspielernden und tanzenden 90 Schülern aus Neuwied zu vermitteln: „Dort müsst ihr euch das Publikum vorstellen, dort sind die Eingänge zu und die Abgänge von der Bühne.“ Es ist gar nicht so einfach, die quirlige Menge aus Kindern und Jugendlichen von der dritten bis zur zwölften Klasse nicht nur unter Kontrolle zu halten, sondern ihnen auch zu vermitteln, was ihr Spiel (und das aller Mitwirkenden) im Sinne der Eurythmie bedeuten und vor allem auch vermitteln soll: einen eigenen Beitrag zu den großen Ereignissen in der Welt leisten.

Aber was ist überhaupt Eurythmie? „Eurythmie ist eine Bewegungskunst der geistigen Durchdringung und seelischen Durchfühlung. Sie erlauscht und erspürt, ertastet die verborgenen Werdegesetze des Kunstwerks, sie enthüllt seine Idee“, schreibt Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie und Namenspatron der Neuwieder Schule. Diesen inneren Wahrnehmungsprozess bringe sie in die äußere Erscheinung, gestalte ihn zur „bewegt-beseelten Plastik“. Und das will auch Silvia Vögele mit ihren Schülern erreichen, was kein ganz einfacher Weg ist, wenn einzelne Schüler noch bei der Hauptprobe fordern: „Kein Foto bitte. Mit dem Kopfband sehe ich zu blöd aus.“ Viele andere sind aber schon zu dem Zeitpunkt komplett mit dem Mythos verbunden.

Zwischen den Szenen sind Präzision und Schnelligkeit gefordert, schließlich müssen sich die Akteure mehrmals umziehen.  Foto: Markus Müller
Zwischen den Szenen sind Präzision und Schnelligkeit gefordert, schließlich müssen sich die Akteure mehrmals umziehen.
Foto: Markus Müller

Und wie kam es überhaupt zu dem groß angelegten Eurythmieprojekt? Silvia Vögele erzählt: „Vor zwölf Jahren wurde an mich und meinen Mann Winfried, Lehrer am Musikgymnasium, aus Dornach in der Schweiz der Wunsch herangetragen, ob wir für die Weltlehrertagung etwas Großes machen könnten.“ Dadurch entstand 2008 „The Song of Waitaha“, dem fünf Jahre später „Guarani“ nach dem Schöpfungsmythos der südamerikanischen Indianer, folgte. Dieses Projekt führte viele Schüler beider Bildungseinrichtungen sogar in die Favela Monte Azul in Sao Paulo.

„Im aktuellen Fall beschäftigte mich unsere eigene Schöpfungsgeschichte“, berichtet Silvia Vögele. „Ein Weckruf für mich, mich mit der eigenen Religion und Kultur auseinanderzusetzen, waren die Flüchtlingsströme 2015/2016. Und der Weg in die andere Richtung: Weihnachten 2016 waren mein Mann und ich zum ersten Mal in Israel. Und viele Jahre zuvor waren wir auf der Insel Patmos dem Johannesmysterium nachgegangen.“

Rochus Schneider und Silvia Vögele behalten alles im Blick und geben Anweisungen. Foto: Markus Müller
Rochus Schneider und Silvia Vögele behalten alles im Blick und geben Anweisungen.
Foto: Markus Müller

Die vergangenen Sommerferien waren gefüllt mit dem Studieren verschiedenster Literatur. Vögeles Ziel war es, einen Text zusammenzufassen, der für Kinder und Jugendliche verständlich und stimmig ist. Die Mythen und Mysterien der christlich-abendländischen Kultur sind Grundlage für die Inszenierung mit Eurythmie, Schauspiel, Sprechchor und Rezitation. Eigens dafür komponierte Winfried Vögele, der erst nach der Israelreise für das Projekt Feuer gefangen hatte, eine sinfonische Musik für Orchester und Chor. Doch schon ein Jahr später gab es beim Weihnachtskonzert 2017 des Musikgymnasiums eine Kostprobe. In der Neuwieder Waldorfschule wurde das Projekt insbesondere durch die Angliederung an die Ganztagsschule möglich: An verschiedenen Nachmittagen übten Kinder die Choreografien ein. An „Nähsamstagen“ schneiderten Eltern und Lehrerinnen Kostüme; Bühnenbilder wurden gestaltet.

Ganze Wagenladungen an Kostümen stehen jetzt vor der Turnhalle bereit. Nicht nur das Umziehen muss schnell gehen, sondern die Zeit drängt: nur noch zwei Tage bis zur Aufführung in Ransbach-Baumbach...

Markus Müller

Das Buch zum Projekt

„Und es ward Licht“ heißt das Buch zur Aufführung von „Manu, Moses & More“. Der Bilderzyklus wurde von Christiane Usadel eigens für das eurythmisch-sinfonische Theaterprojekt geschaffen.

C. Usadel
C. Usadel
Foto: mm

Das Werk im DIN-A4-Format hat 52 Seiten mit 17 ganzseitigen Bildern und dem vollständigen Text des Theaterstücks.

Es kann für 18 Euro in der Rudolf-Steiner-Schule in Neuwied oder beim Landesmusikgymnasium in Montabaur erworben werden. mm

Montabaur Hachenburg
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