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Hachenburg

Werkstatt für Zupfinstrumente: Hans A. Heibel hat sich einen Traum erfüllt

Nadja Hoffmann-Heidrich

Es riecht nach Holz. Nach frisch bearbeitetem Holz. Dazu warten im sonnendurchfluteten Schaufenster diverse Instrumente darauf, gespielt zu werden. In der Mitte des Raumes steht eine große, von vier Seiten zugängliche Werkbank, an der Hans A. Heibel in seine Arbeit vertieft ist. Der 56-Jährige aus Breitenau hat sich mit seiner Werkstatt für Zupfinstrumente in der Hachenburger Friedrichstraße kürzlich einen Traum erfüllt.

In der Werkstatt von Hans A. Heibel entstehen alle Zupfinstrumente in stundenlanger Handarbeit. Jedes Stück ist ein Unikat.
In der Werkstatt von Hans A. Heibel entstehen alle Zupfinstrumente in stundenlanger Handarbeit. Jedes Stück ist ein Unikat.
Foto: Röder-Moldenhauer

Seit März baut und repariert er hier, von außen für jeden gut sichtbar, unter anderem Gitarren, Mandolinen, Drehleiern, Streichpsalter, Ukulelen, Kalimbas und Dulcimer. Jedes Instrument ist ein hochwertiges, handgefertigtes Einzelstück und besticht in Form, Aussehen und Klang durch seine Individualität. Vor acht Jahren, noch als Hobby, begann Heibel in seinem Wohnhaus mit der Fertigung von Instrumenten. Damals war der ursprünglich gelernte Kfz-Mechaniker noch als Qualitätsprüfer in der Pharmaindustrie tätig. 20 Jahre hat er diesen Job insgesamt ausgeübt. Dann jedoch reifte in dem passionierten Musiker der Entschluss, diese Stelle aufzugeben und seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Dass sein Traum schließlich mit einem eigenen Laden in der schmucken Owergass in der Löwenstadt wahr werden sollte, war eher dem Zufall geschuldet. „Unsere Tochter ist nach Hachenburg gezogen. Dadurch waren meine Frau und ich häufiger zu Besuch hier. Irgendwann habe ich den leer stehenden Laden in der für einen kunstvollen Beruf wie meinen passenden Umgebung entdeckt und bin mir mit dem Vermieter einig geworden“, berichtet Heibel. „Das historische Altstadtflair mit den Fachwerkhäusern bietet beim Arbeiten eine tolle Atmosphäre und inspiriert mich. Ich fühle mich hier wie in einer Showwerkstatt. Oft bleiben Menschen vor der großen Scheibe stehen und schauen mir zu.“

Die Musik trat schon früh in sein Leben. Sein Vater spielte Klarinette, er selbst begann mit zwölf Jahren mit dem Gitarrenspiel. Er war Mitglied in einem Schülerorchester und gründete schon als Jugendlicher eine kleine Band. Später war er dann als Solokünstler unterwegs, ehe er zusammen mit Gleichgesinnten 2013 die Formation „Four Leaves“ ins Leben rief, die sich dem mystischen Klang des Irish Folk verschrieben hat und die inzwischen deutschlandweit auftritt. Gespielt wird, wie könnte es anders sein, auf traditionellen, akustischen Instrumenten.

Seine persönlichen Erfahrungen als Musiker und das Reinschnuppern in eine Gitarrenbauwerkstatt in Düsseldorf führten schließlich dazu, dass Heibel selbst zum Werkzeug griff. „Holz ist ein wunderbarer, leicht zu bearbeitender, aber gleichzeitig empfindlicher Werkstoff. Das Schöne beim Handwerk ist, dass man hier sofort ein sichtbares Ergebnis, etwas Greifbares produziert“, sagt er. Dabei setzt Heibel auf Natürlichkeit: Um das Holz möglichst authentisch zu erhalten, überstreicht er dieses höchstens mit Klarlack oder Öl, um es aufzuwerten und strapazierfähiger zu machen. Farbe verwendet er keine. Als Hölzer setzt er unter anderem Ovangkol, Ebenholz und Palisander ein. Ebenso wie Holz lange zum Wachsen braucht, so benötigt auch der Bau eines Instruments seine Zeit. Für eine Akustikgitarre zum Beispiel benötigt Heibel etwa 100 Arbeitsstunden, bis er im letzten Schritt die Saiten aufzieht und probeweise spielt.

Seine Kenntnisse möchte der 56-Jährige keineswegs nur für sich behalten, sondern bietet, neben Neubauten, Reparaturen und Restaurationen auch Workshops zum Bau eigener Instrumente an. So begleitet er aktuell in seiner Werkstatt eine Frau, die ihre eigene Ukulele anfertigt. „Ich gebe die Anleitung und stehe für Fragen zur Verfügung. Niemand braucht Angst davor zu haben, es auszuprobieren“, betont Heibel. „Ein von Ihnen selbst gebautes Instrument, das Ihren Namen als Erbauer ausweist, finden Sie garantiert nicht in einem Internetshop“, wirbt er in seinen Flyern. Dass sein Laden eine offene Angelegenheit ist, zeigen auch Heibels Ideen für kleine Werkstattkonzerte oder mögliche Kooperationen mit Schulen. Mit den ersten Monaten in seiner Werkstatt ist er sehr zufrieden: „Natürlich besteht bei einem solchen Vorhaben immer ein gewisses unternehmerisches Risiko. Aber wer es nicht versucht, weiß auch nicht, ob es funktioniert“, macht er anderen Gründern Mut.

Weitere Infos : www.zupfinstrumentenbau-heibel.de

Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

Montabaur Hachenburg
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