40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Westerwälder Zeitung
  • » Weinbau klappt auch im Westerwald: Volker Ecker ist ein Pionier
  • Aus unserem Archiv

    Weinbau klappt auch im Westerwald: Volker Ecker ist ein Pionier

    Beim Stichwort Weinbau fallen Kennern in Rheinland-Pfalz gleich mehrere renommierte Anbaugebiete ein: Rheinhessen, Mosel, Nahe oder Ahr – um nur einige zu nennen. Der Westerwald gehört bislang nicht zu den Regionen, die für erlesene Rebensäfte bekannt sind. Doch das könnte sich durch den Klimawandel ändern, meint Volker Ecker aus Merkelbach. Der 67-jährige Rentner und Hobbywinzer beweist, dass auch in den höher gelegenen Gefilden gute Weine möglich sind – rote und weiße.

    Wer hätte das gedacht: Hobbywinzer Volker Ecker aus Merkelbach zeigt, dass Weinbau auch im Westerwald funktioniert.  Foto: Röder-Moldenhauer
    Wer hätte das gedacht: Hobbywinzer Volker Ecker aus Merkelbach zeigt, dass Weinbau auch im Westerwald funktioniert.
    Foto: Röder-Moldenhauer

    Zur Probe lädt Volker Ecker seine Gäste gerne in seine wild-romantische Gartenlaube vor seinem Haus ein. Eingerahmt von Weinstöcken, deren Blätter sich zunehmend gelb und orange färben und in den letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres fast golden schimmern, könnte man sich glatt wie im Urlaub in der Toskana fühlen. Auch die Schmetterlinge genießen das Ambiente und flattern fröhlich zwischen reifen Trauben und angrenzendem Steingarten hin und her. Als Hobbywinzer betätigt sich Ecker seit etwa sechs Jahren. Vorkenntnisse bringt der studierte Diplom-Landwirt aus seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit als Feldversuchstechniker im Bereich Saat- und Pflanzenzucht mit. Nach und nach hat er seinen Rebstockbestand erweitert. Das Mikroklima entlang seiner Hauswände in südwestlicher Ausrichtung mit einem Plus von etwa 3 Grad Celsius gegenüber der Umgebung wirke sich günstig auf die Reife aus, berichtet der Merkelbacher, der mehr auf Qualität denn auf Quantität setzt. „Die Temperaturen in geschützter Lage entsprechen durchaus dem Niveau in bekannten Weinbaugebieten, sodass man beim Most bis zu 110 Grad Öchsle erreichen kann.“

    Mit seinem Refraktometer misst Volker Ecker den Öchslegrad im Most. Foto: Röder-Moldenhauer
    Mit seinem Refraktometer misst Volker Ecker den Öchslegrad im Most.
    Foto: Röder-Moldenhauer

    Anfang der 90er-Jahre sei der Anbau von Rotweinreben als Spaliergehölz an Hauswänden im Westerwald immer beliebter geworden, erinnert sich Ecker. Doch während die meisten Besitzer in der Region sich darauf beschränken, aus den Trauben Saft oder Gelee herzustellen oder die Früchte „einfach so“ zu verspeisen, wollte der 67-Jährige wissen, ob sie auch als Wein taugen – und fing an zu experimentieren. Er besorgte sich die entsprechenden Werkzeuge und Utensilien. „Ich verstehe mich durchaus als Pionier in unserer Region“, betont er. „Ich möchte zeigen, dass es geht.“

    Die ersten drei bis vier Jahre fuhr der Weinliebhaber direkt gute Erfolge ein, doch dann musste er starke Einbußen hinnehmen. „Der ohnehin saure Wäller Boden war ausgezehrt. Mir wurde klar, dass es an Kali, Kalk und Magnesium mangelte. Doch nach der entsprechenden Düngung ging es wieder aufwärts“, freut sich Ecker. Seine einzelnen Arbeitsschritte im Garten dokumentiert er täglich in einem Buch, sodass er zum Beispiel bestimmte Wetterverhältnisse und deren Auswirkungen gut nachvollziehen kann. Eventuell wird er seine Ergebnisse eines Tages im Internet veröffentlichen, um sich mit anderen Winzern darüber austauschen zu können.

    Die Mengen, die er erntet, sind nicht riesig. „Ich schätze, dass ich in diesem Jahr jeweils rund 40 Liter beim Weißen und Roten produzieren kann. Dabei ist alles Handarbeit“, versichert er stolz. Verkauft wird sein Wein nicht. Einige Flaschen behält er für sich, die anderen verschenkt er, oder er verköstigt seine Gäste damit. Die können sich über Weine freuen, die kräftig in der Farbe und im Geschmack sind. Eckers 2016er-Regent etwa entfaltet auf der Zunge einen leichten Barrique-Geschmack, der durch eine Note von Holunder und Brombeere abgerundet wird und in seiner Intensität an Rebensäfte aus Südeuropa erinnert.

    Aus seinem 2016er-Weißwein konnte Volker Ecker zwei Flaschen einer mit Edelfäule versetzten Auslese gewinnen, die er hier in seiner Laube testet.
    Aus seinem 2016er-Weißwein konnte Volker Ecker zwei Flaschen einer mit Edelfäule versetzten Auslese gewinnen, die er hier in seiner Laube testet.
    Foto: Röder-Moldenhauer

    Goldgelb mit leichtem Rotschimmer kommt der 2016er-Weißwein in Auslese-Qualität der Sorte Müller-Thurgau daher. Nur zwei Flaschen konnte Ecker von dem mit Edelfäule veredelten Getränk gewinnen. Im Glas verströmt der Wein einen leichten Honigduft, im Mund erinnert er an Pfirsich und Muskat. Der Tropfen schmeckt wie Sommer in flüssiger Form. An einen langen Winter kann und möchte man beim Trinken nicht denken. Doch Ecker ist mit seinen Gedanken schon wieder weiter. „Mein nächstes Ziel ist die Herstellung eines Eisweins“, kündigt er an. Er ist eben ein echter Tüftler.

    Doch dabei wirkt er keineswegs rastlos, sondern ganz entspannt. Der Merkelbacher, der sich auch in der Kräuterheilkunde gut auskennt und diese für seine Gesundheit nutzt, ist sich sicher, dass ihn der Weinbau verändert hat. „Diese Arbeit ist gut für Herz und Seele. Man ist in Harmonie mit sich und der Welt. Wenn ich abends in meiner Laube sitze und meinen Garten betrachte, bin ich glücklich“, schwärmt er. Wenn seine Pflanzen im Winter ruhen, hat er Zeit, sich seiner zweiten Leidenschaft zu widmen. Dann schreibt er Bücher. So hat er beispielsweise bereits Dorfchroniken von Merkelbach, Mündersbach und Höchstenbach sowie ein Bürgerbuch von Hachenburg verfasst, das bis ins Jahr 1597 zurückreicht. Doch seine wahre Liebe ist der Wein. „Mit den Trauben ist es wie mit einer schönen Frau: Wenn man nicht sorgfältig und liebevoll mit ihnen umgeht, werden sie sauer und reagieren mit Liebesentzug“, sagt er schmunzelnd.

    Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

    Hobbywinzer gibt Tipps gegen Probleme beim Weinbau

    Bei seinem rund sechsjährigen Einsatz im Bereich Weinbau musste Volker Ecker auch immer wieder Rückschläge hinnehmen. Verantwortlich dafür waren Pilzkrankheiten und Nährstoffmangel; doch konnte er diese Umstände recht einfach „sanieren“. Wie, das möchte er anderen Gartenfreunden gerne mitteilen. „Ein paar Tipps zu den Hauptschäden und deren Behebung helfen weiter“, sagt er. Hier seine Empfehlungen.

    Bei seiner Pionierarbeit muss Volker Ecker auch Rückschläge wie vertrocknete Trauben hinnehmen. 
    Bei seiner Pionierarbeit muss Volker Ecker auch Rückschläge wie vertrocknete Trauben hinnehmen. 
    Foto: Röder-Moldenhauer

    Pilzerkrankungen: Peronospora (Falscher Mehltau) sitzt oft im Holz der Reben und befällt von dort aus die Trauben direkt. Diese schrumpfen zu Lederbeeren und sind ungenießbar. Es können auch Schrumpfbeeren auftreten, die auf gestörte Nahrungsaufnahme der Pflanze zurückzuführen sind. Der Pilz ist mit einem systemischen Fungizid, das in die Pflanze eindringt, zu bekämpfen: bei Befall noch im Herbst, wenn Blätter vorhanden sind; dann bei sechs Blättern und Erscheinen des Blütenstandes am Trieb und schließlich bei Beginn des Traubenschlusses. Für die Sanierung dürfte das reichen, sodass man später nur noch bei Erscheinen der ersten Ledertrauben zu behandeln braucht.

    Botrytis (Grauschimmel; faule Trauben) kann bei Traubenschluss mit Fungizid behandelt werde. Bei schwachem Befall genügt normales Auflesen. Der Saft ist ungenießbar, kann aber bei hohem Zuckergehalt zu einem hervorragenden Wein ausgebaut werden.

    Mangelkrankheiten: Das Fehlen der Nährstoffe Kalk, Kali und Magnesium führt bei den Reben zu Blattverfärbungen und frühzeitigem Welken. Mangelnde Reife und schrumpfende Beeren (Traubenwelke) sind die Folge. Verlustquoten von mehr als 70 Prozent sind bei älteren Rebstöcken normal. Als Grunddüngung bei Magnesium- und Kalkmangel gibt man als Sofortmaßnahme Bittersalz, dann als Kalk- und Magnesiumdepot Dolomitkalkgranulat. Bei Kalimangel, bei dem die Traubenwelke besonders heftig verläuft, gibt man den entsprechenden, möglichst billigen Kalidünger. Zwei Handvoll Volldünger beim Erscheinen der Knospen und zu Beginn des

    Traubenschlusses schaden der Rebe überhaupt nicht. Häufig sind Neuanlagen mit Verbundpflaster versiegelt. Dann ist eine Düngung mit den vorgenannten Nährstoffen sinnlos. Sie erreichen die Pflanze nicht, und bald zeigen sich heftig die genannten Symptome. Um den Stock zu sanieren, entfernt man genügend Pflaster, gibt zwei ordentliche Schippen Dünger, arbeitet es etwas ein, gibt 30 Liter Wasser und schließt das Pflaster wieder. Das Nährstoffdepot dürfte etliche Jahre reichen, so Ecker.

    Montabaur Hachenburg
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Donnerstag

    1°C - 4°C
    Freitag

    0°C - 4°C
    Samstag

    0°C - 3°C
    Sonntag

    0°C - 3°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerien: Fotos unserer Leser
    &bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

    Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.