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    MontabaurSyrischer Geschäftsmann reist mit vier Ehefrauen und 23 Kindern ein

    Die meisten Flüchtlinge in der Region verhalten sich unauffällig und bemühen sich um Integration. Das berichten Behörden und ehrenamtliche Helfer übereinstimmend. Es gibt jedoch auch Menschen, die Anpassungsschwierigkeiten in der neuen Kultur haben und Probleme machen - wie das Beispiel einer syrischen Großfamilie in der Verbandsgemeinde Montabaur zeigt.

    Der Familienvater reiste im vergangenen Jahr mit vier Ehefrauen und 23 Kindern aus der Türkei ein. Die traditionelle Großfamilie lebte zuvor auf mehrere Städte verteilt in Syrien. Der vermögende Geschäftsmann konnte sich dort ein Haus für jede Frau und sogar Bedienstete leisten. Nach islamischer Rechtsauffassung erlaubt der Koran einem Mann die Ehe mit bis zu vier Frauen und weitere Geliebte. Bei progressiven Muslimen ist dies zwar umstritten. Konservative Familien hingegen leben nach dieser Rechtsauffassung, die Frauen oftmals auch den Zugang zu Bildung verwehrt.

    Keine normale Bedarfsgemeinschaft

    Bei der Registrierung der Großfamilie in Deutschland machte schon die schiere Anzahl der Frauen und Kinder Probleme. Eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft nach Sozialhilferecht sieht keine derartigen Familienmodelle vor. Die Flüchtlinge wurden auf mehrere Kommunen verteilt. Der Mann musste sich entscheiden, mit welcher seiner Frauen er eine Bedarfsgemeinschaft bilden möchte, was innerfamiliäre Konflikte auslöste. Zwei Frauen leben mit ihren Kindern nun in der Nähe von Koblenz. Der Mann, zwei weitere Frauen und etwa die Hälfte der Kinder wurden in der Verbandsgemeinde Montabaur untergebracht. Über den Sommer kam es in den hierfür angemieteten Wohnungen in Ruppach-Goldhausen und Welschneudorf immer wieder zu Konflikten. Wie unsere Zeitung erfuhr, haben männliche Jugendliche mehrmals Einrichtungsgegenstände zerstört. Die beiden Frauen waren zunächst in einer Wohnung untergebracht, sollen sich aber derart häufig gestritten haben, dass sie schließlich getrennt wurden.

    Zeugen berichten, die Frauen würden gelegentlich im Keller eingesperrt. Die halbwüchsigen Söhne sollen versucht haben, den Schulbesuch der Mädchen zu verhindern. Nachbarn beschwerten sich außerdem immer wieder über nächtliche Ruhestörungen und über Fahrräder, die vor Garagen oder auf der Straße abgestellt wurden. In der Wohnung in Welschneudorf wurden überdies ständig deutlich mehr Menschen angetroffen als die zugewiesenen sechs Bewohner, was ebenfalls zu Konflikten mit Anliegern führte. Vor allem mit einem 16-jährigen Jungen gab es dabei immer wieder Probleme. Bürger aus Welschneudorf fühlten sich von ihm bedroht. Der junge Mann soll in der Wohnung sogar Mitarbeiter der Verwaltu

    ng körperlich angegriffen haben. Mittlerweile hat die Verbandsgemeinde die Familie in einer belebteren Gegend in Montabaur untergebracht. In einem kleineren Ort wie Welschneudorf sei die Situation sicher nicht ideal gewesen, berichtet der zuständige Fachbereichsleiter der Montabaurer Verbandsgemeindeverwaltung, Guido Göbel.

    Erste Fortschritte gemacht

    Bei der Integration wurden inzwischen ebenfalls Fortschritte erzielt. So konnte unter anderem die Schulpflicht für Mädchen und Jungen erläutert und durchgesetzt werden. Vor allem die jüngeren Kinder lernen rasch, wie man in Deutschland lebt und wie die Kultur funktioniert, wenn sie frühzeitig eine Kindertagesstätte und später eine Schule besuchen, erläutert Göbel. Die Familie werde auch von ehrenamtlichen Helfern betreut, die sich sehr viel Mühe geben, das Leben in Deutschland zu erklären, damit die Integration in die hiesige Gesellschaft gelingt. "Die machen das wirklich vorbildlich", lobt Göbel. "Aber wir müssen dranbleiben." Denn das Bürgerkriegsland Syrien wird voraussichtlich noch viele Jahre kein sicheres Herkunftsland sein, und damit ist eine Rückkehr der Großfamilie in ihre alte Heimat wohl auf lange Zeit ausgeschlossen.

    Aus der Tatsache, dass die Betreuung der Familie schwierig ist, macht Guido Göbel indes keinen Hehl. Er betont aber auch, dass ein derartig drastischer Fall die Ausnahme darstellt. Eine weitere Großfamilie mit vier Ehefrauen und mehr als 20 Kindern sei ihm zumindest im Westerwaldkreis nicht bekannt. Bei den meisten der rund 400 Flüchtlinge, die derzeit in der Verbandsgemeinde Montabaur leben, laufe die Betreuung weitgehend unproblematisch und geräuschlos, so der Fachmann abschließend.

    Thorsten Ferdinand

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    Montabaur Hachenburg
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