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Montabaur

Schon im Jahr 1300 gab es einen Wirt

Gasthäuser und Herbergsbetriebe gehören in Montabaur schon seit Jahrhunderten zum Stadtbild. Es gab jedoch Zeiten, zu denen deutlich mehr Wirte in der Westerwälder Kleinstadt gemeldet waren, als dies heute der Fall ist. Vor allem in der Kirchstraße, die zum historischen Zentrum der Altstadt gehört, reihte sich im 19. Jahrhundert Gasthaus an Gasthaus. Im Jahr 1802 beispielsweise sollen stolze 61 Wirte in Montabaur registriert gewesen sein. Die Herbergsbetriebe verfügten zu dieser Zeit aber freilich über deutlich weniger Zimmer.

Bei einer Parade der Nazis am 1. Mai 1933 verzichteten in Montabaur noch einige Gasthäuser auf nationalsozialistische Flaggen.
Bei einer Parade der Nazis am 1. Mai 1933 verzichteten in Montabaur noch einige Gasthäuser auf nationalsozialistische Flaggen.
Foto: Archiv

In mühevoller Kleinarbeit hat Heimatforscher Fritz Schwind in den vergangenen Jahren unter anderem die Geschichte der Gastronomie in Montabaur zusammengetragen. Die ältesten Spuren reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. So taucht in einer Akte, die heute im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden aufbewahrt wird, erstmals im Jahr 1300 die Berufsbezeichnung „Caupo“ auf, womit laut Schwind ein Wirt gemeint war.

Hinweise auf die Verkostung alkoholischer Getränke finden sich ebenfalls bereits in dieser Zeit. So gab Erzbischof Cuno von Falkenstein der Stadt im Jahr 1384 die Hälfte der Weinsteuer, damals „Weinaccise“ genannt, um damit die Befestigungsanlage auszubauen. In Matrikeln der Universität Erfurt taucht im Jahr 1420 der Name Jacobus Braxatoris de Monthabur auf, den Fritz Schwind in seinen Aufzeichnungen mit Jacobus, Brauer aus Montabaur, übersetzt hat. Im Jahr 1512 schließlich erhielten die Einwohner der Stadt vorübergehend das Recht, selbst Bier zu brauen. Einige Jahre später ging das alleinige Braurecht allerdings an die Stadt Montabaur, die mit den Einnahmen den Wiederaufbau nach einem Stadtbrand finanzieren wollte. Das Brauhaus „Nähe der Fröschpforte“ wurde unter anderem im ausgehenden 16. und im 17. Jahrhundert zu diesem Zweck verpachtet. Letztmalig geschah dies nach Angaben des Heimatforschers im Jahr 1735 für 116 Thaler an Peter Tristan.

Doch zurück zur Geschichte der Wirts- und Gasthäuser: Eine erste Auflistung der Namen von Wirtsleuten hat Schwind für das Jahr 1697 zusammengestellt. Genannt werden darin Philipp Schlüpgen als Wirt im Gasthaus „Zum Bären“, Andreas Winden in der Wirtschaft „Zur Cron“, Johannes Kübell im Gasthaus „Zum Ritter“, Johannes Kraus in der Wirtschaft „Zum Stern“ und schließlich Johann Georg Frinck im Gasthaus „Zum Engel“.

Mit einer Auflage der Obrigkeit müssen sich die Wirtsleute ab dem Jahr 1770 herumschlagen: Damals verbot Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen das Tanzen und Spielen von Instrumentalmusik an allen Sonn- und Festtagen, „sowohl abends, als auch den Tag hindurch“. Im Jahr 1791 wird dieses Verbot wieder aufgehoben.

Für das Jahr 1836 liegt Schwind eine Liste von acht Wirtschaften mit sogenannter Schildgerechtigkeit vor. Dabei handelte es sich um Beherbergungsbetriebe. In Einzelnen waren dies die Gasthäuser Zum Weißen Roß, Zur Krone, Zum Goldenen Engel, Nassauer Hof, Zum Goldenen Ochsen, Zum Grünen Baum, Zu Den Drei Königen und Zum Lustigen Husar. Mit neun Gastwirtschaften und 21 Schankwirtschaften bleibt die Anzahl der Gasthäuser auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf einem hohen Stand. Dies ist auch die Zeit, als in den Wirtshäusern häufig Vereine und Gesellschaften gegründet wurden, die teilweise heute noch bestehen. Im Lokal des Mathias Schneider etwa gründete sich im Jahr 1886 der Gesangverein „Liederhorst“, berichtet Schwind.

Im 20. Jahrhundert schließlich nehmen in Montabaur einige Entwicklungen ihren Anfang, die aus heutigen Hotelbetrieben nicht mehr wegzudenken sind. So bot das Hotel „Zur Post“ in der Bahnhofstraße im Jahr 1911 ein Zimmer mit „garniertem Frühstück“ für 2 Mark an. Die Zimmer verfügten über elektrisches Licht und Telefon, und eine Badeeinrichtung war im Haus vorhanden. Das war damals offensichtlich noch so modern, dass es extra beworben wurde. tf

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