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Mogendorf

Neues Schulprojekt: Mogendorfer hilft Menschen in Tansania

Verena Hallermann

Das Leben in Tansania ist ein völlig anderes. Fernab der Touristengegenden leben die Menschen in einfachen Hütten. Wasser ist ein Luxusgut. Genau wie Bildung. Eberhard Ströder weiß das. Der 75-jährige Mann aus Mogendorf setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, die Lebensbedingungen der Einheimischen in dem ostafrikanischen Staat zu verbessern (unsere Zeitung berichtete). Nun hat er gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Nordhofen ein neues Projekt begonnen. In Segera, einem Ort nicht weit von der Hafenstadt Tanga am Indischen Ozean, entsteht zurzeit eine Grundschule. „Die Schulpflicht wurde verschärft“, erzählt Ströder. „Da kommt unsere neue Schule gerade richtig.“

Eberhard Ströder aus Mogendorf setzt sich seit vielen Jahren für Menschen in Tansania ein. Begonnen mit einer Schreinerei, einem Wassertank und einer Nähwerkstatt widmet er sich seinem bislang größten Projekt: Eine Grundschule in Segera. Foto: Verena Hallermann
Eberhard Ströder aus Mogendorf setzt sich seit vielen Jahren für Menschen in Tansania ein. Begonnen mit einer Schreinerei, einem Wassertank und einer Nähwerkstatt widmet er sich seinem bislang größten Projekt: Eine Grundschule in Segera.
Foto: Verena Hallermann

Ein Teil der Steinmauer der neuen Grundschule steht schon. Ströder zeigt ein paar Bilder, die ihn zusammen mit den einheimischen Arbeitern zeigen. Das ist ihm besonders wichtig bei seinen Projekten, erklärt er. Er möchte den Menschen eine Aufgabe geben, eine Arbeit, mit der sie ihre Familie ernähren können. Von Juni bis September fliegt Ströder wieder nach Tansania, wird dort bei einer einheimischen Familie leben. Der gelernte Schreiner wird den Bau beaufsichtigen, dort mit anpacken, wo er helfen kann. Er spricht kein Afrikanisch, Suaheli oder Englisch. Das ist auch nicht so wichtig, weiß der Rentner. Die Menschen dort verstehen ihn, wenn er mit Händen und Füßen artikuliert. Sie verstehen vor allem, dass jeder Besuch des Mannes aus Mogendorf ein bisschen mehr Lebensqualität bedeutet. Ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft.

Die Schule soll 50 Mal 50 Meter groß werden und Platz für sieben Klassen bieten. Nach dem Bau geht die Schule in den staatlichen Besitz über, wird vom Staat unterhalten. In diesem Jahr sollen die ersten drei Klassenräume fertig werden. Rund 52.000 Euro ist schon in das Projekt geflossen. Etwa das Sechsfache des Geldes wird benötigt. Das Projekt wird ausschließlich über Spenden finanziert. Geld, das auf Goldhochzeiten, Geburtstagen oder Trauerfeiern der Kirchengemeinde zugutekommt. Auch durch Spenden einzelner Menschen, Aktionen, Konzerte und durch HELFT UNS LEBEN, die Initiative unserer Zeitung, wird das Projekt gefördert. „Die Menschen haben zu Eberhard Vertrauen“, erklärt Gemeindepfarrer Michael Rother. „Er ist für sein großes Engagement bekannt.“

Ströder ist Organist und seit mehr als 50 Jahren Kirchenvorsteher. Nachdem die Partnerschaft zwischen Tansania und dem Dekanat Selters in die Brüche gegangen war, war er es, der den Kontakt aufrechterhielt. Er lernte den Pfarrer aus Tansania und Chorleiter des hessischen Amani Gospelchors, Lee Cosmas Ndeiy, kennen. Zusammen bauten sie 1998 eine Schreinerei in Korogwe, einer Stadt in der Tanga-Region, auf. Mittlerweile werden dort sogar Leute ausgebildet, erzählt Ströder stolz.

2002 wurde der heute 75-Jährige schwer krank. Ströder musste eine Pause einlegen. Die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben. Doch er wurde wieder gesund. Mehr noch: Ströder ging mit neuer Energie an die Arbeit, setzte ein Projekt nach dem anderen um. Aus Dankbarkeit, überlebt zu haben, und aus dem Wunsch heraus, andere an seinem Glück teilhaben zu lassen. Er baute mit den Einheimischen zusammen einen Wassertank. Erst einen „kleinen“ von 1500 Litern, wie er erzählt, dann ein ganzes Auffangbecken für 100.000 Liter. Eine große Erleichterung für die Frauen und Kinder, die in der Regel das Wasser vom Fluss schleppen müssen. Jeden Tag.

Immer wieder bringt Ströder neue Geschichten von seinen Besuchen mit. Von dem einfachen Leben vor Ort, den Menschen, die trotz armer Verhältnisse zufrieden sind. Er erzählt die Geschichten Pfarrer Rother, der sie gelegentlich in seinen Predigten verarbeitet. So wie diese hier: Ein kleiner Junge sollte für Ströder das Wasser holen. Das war für ihn unvorstellbar, also begleitete er das Kind, um sein Wasser selbst zu tragen. Doch auf dem Weg ließen die Kräfte des Rentners nach. Der Junge musste nicht nur sein eigenes Wasser auf dem Kopf tragen, er schleppte auch den gefüllten Plastikbehälter für Ströder. Den ganzen Weg. Der Mogendorfer beschloss, dem Jungen eine Freude zu machen. Weil er erfahren hatte, dass das Kind noch nie Coca Cola getrunken hatte, kaufte er ihm kurzerhand ein paar Dosen. Überwältigt von dem Geschenk, lief der Junge in seinem Dorf umher. Jeder, der wollte, durfte einen Schluck haben. „Das sind ganz liebe Menschen“, erzählt Ströder. „Dort hat Gemeinschaft noch eine andere Bedeutung.“

Nach dem Bau des Auffangbeckens baute er das Pfarrhaus aus, errichtete dann eine Nähwerkstatt. Dort können Frauen das Handwerk an mechanischen Nähmaschinen lernen. Die Kirchengemeinde ließ Antependien (das Tuch, das vor dem Altar hängt) dort nähen. Danach hat Ströder zusammen mit seinem Freund Wolfgang Kern aus Sessenhausen einen Kindergarten hergerichtet. Dort soll im Sommer noch ein kleiner Spielplatz entstehen, mit Rutsche und Sandkasten. Wenn die einheimischen Arbeiter unter der prallen Sonne Afrikas den Bau der Grundschule vorantreiben, will er seine Fähigkeiten als Schreiner nutzen, um die Spielgeräte zu bauen.

Eberhard Ströder, der Wohltäter aus Mogendorf, freut sich auf seine Reise nach Tansania. Er hat sich verändert, erzählt er. Mittlerweile kommt er zu Hause mit weniger aus, hat gelernt, ohne den europäischen Luxus zu leben. Eben so wie die Menschen in Tansania, dem ostafrikanischen Land, das als Urlaubsregion wegen seiner Strände und Tiere beliebt ist. Das Land, das aber für seine Entwicklung auf Hilfe angewiesen ist. Von Menschen wie Eberhard Ströder.

Von unserer Redakteurin Verena Hallermann

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