40.000
Aus unserem Archiv
Westerwald/München

Nach Betrug: Endstation Knast für die falsche „Frau Professor“

Unter einem Pseudonym lebte die gebürtige Serbin Magdolna K. unbehelligt 20 Jahre lang in einer Stadt im Westerwaldkreis. Sie trug angeblich einen Doktortitel, ja sogar einen Professorentitel und gab sich in der Öffentlichkeit und in der Münchener High Society als Leibärztin von Papst Franziskus und des emeritierten Papstes Benedikt XVI. aus, obwohl sie nur ein abgebrochenes Medizinstudium vorweisen konnte.

Die falsche "Frau Professor" wurde vom Landgericht München zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Die falsche "Frau Professor" wurde vom Landgericht München zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Foto: Britta Pedersen, picture alliance / dpa

Ihrem Umfeld tischte die Münchenerin, die mit einem heimischen Industriellen liiert war und wochenweise im Westerwald lebte, seit Jahren faustdicke Lügen auf. Doch nun ist die Seifenblase geplatzt: Das Landgericht München I hat die 67-jährige „Frau Professor Dr.“ jetzt wegen Betruges in 22 Fällen und Missbrauchs von Titeln zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

Das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Frank Zimmer sah es nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung als erwiesen an, dass die Betrügerin mit ihren Geschichten eine vermögende Frau aus München um fast eine halbe Million Euro gebracht hat. Dabei gaukelte „Frau Professor“ vor, die Gelder für karitative Zwecke oder sogar für den Papst persönlich zu sammeln. Ihrem prominenten Opfer soll sie auf diese Weise immer wieder vier- bis fünfstellige Beträge aus der Tasche gezogen haben. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft München I auf 438.500 Euro. Bei der Frau handelt es sich um eine wohlhabende Münchener Unternehmerin, Schwiegermutter eines bekannten deutschen Schauspielers.

Der Süddeutschen zufolge habe die Betrügerin von der Unternehmerin Geld für einen Treppenlift für Benedikt erbeten, weil der Arme nicht mehr richtig laufen könne – und erhielt prompt 25.000 Euro. Das andere Mal waren es 10.000 Euro für einen Rollstuhl für Benedikt. Auch für eine angebliche Krebsbehandlung für den Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., Georg Gänswein, angeblich ein enger Vertrauter der Betrügerin, bekam sie Geld – nach Angaben von Focus online ganze 40.000 Euro. Magdolna K. knöpfte der reichen Münchenerin zudem größere Geldsummen für die Kinderhungerhilfe, Krankenhäuser in Entwicklungsländern oder ein Waisenhaus in Rumänien ab. Doch weder der Papst noch die karitativen Einrichtungen sahen etwas von den Geldern – denn damit finanzierte die Betrügerin ihren aufwendigen Lebensstil.

Die beiden Frauen hatten sich laut einem Bericht der Münchener Abendzeitung in den Jahren 2010 und 2011 bei verschiedenen gesellschaftlichen Ereignissen kennengelernt. Die Wahl-Westerwälderin stellte sich als „Professor Dr. med. Nicole Magdalena K.“ und als ungarische Gräfin Batthyány vor. Sie rühmte sich, Leibärztin des Papstes zu sein, der Ethikkommission des Vatikans anzugehören, eine Professur für Virologie an der Universität Zürich zu haben und dank guter Kontakte zur Weltgesundheitsorganisation WHO mit dem WHO-Flugzeug zu Hilfsprojekten rund um den Globus zu jetten. Papst Johannes Paul II. will sie mit einem Luftröhrenschnitt sogar das Leben gerettet haben. Die Frauen hielten losen Kontakt.

Als der inzwischen verstorbene Sohn der Unternehmerin 2012 nach einer Hirnblutung im Koma lag, bot die angebliche Papstärztin der streng gläubigen Mutter ihren religiösen Beistand an. Die Päpste würden für den Sohn beten. Die 67-Jährige brachte der Frau angeblich vom Papst geweihte Kerzen und Briefe von Benedikt mit, auf denen das Vatikan-Wappen prangte und die mit „Mia cara sorella Barbara“ begannen. Die Hochstaplerin erschlich sich so das Vertauen der Unternehmerin und begann, Spenden für angeblich karitative Zwecke zu sammeln. „Es war ein raffinierter, rücksichtsloser Betrug“, sagte Richter Frank Zimmer laut Bild. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte die betrogene Unternehmerin: „Ich bin froh, dass sie nun im Gefängnis sitzt. Gottes Mühlen mahlen, wenn auch manchmal langsam.“

Auch ihrem Westerwälder Umfeld und ihrem Lebensgefährten tischte „Frau Professor“ nach Informationen unserer Zeitung dieselben Lügengeschichten auf. So soll sich Magdolna K. gerühmt haben, bei Albert Schweitzer in Lambaréné gearbeitet zu haben und die erste Ärztin gewesen zu sein, die einen Fötus im Mutterleib erfolgreich am Herzen operiert habe. Dafür will sie in den USA höchste Auszeichnungen erhalten haben und dokumentierte dies mit gefälschten Urkunden. Auch hier brüstete sie sich, dass sie den Papst als Leibärztin auf Auslandsreisen begleite und im Vatikan ein- und ausgehe. Auf misstrauische Nachfragen, dass etwa an der Uni Zürich keine Virologin ihres Namens bekannt sei, reagierte sie ausweichend. Wenn es brenzlig wurde, habe sie sich immer schnell verabschiedet, heißt es. Jahrelang führte die 67-Jährige ein Doppelleben voller Lügen, nahm betuchte Männer wie den Westerwälder Industriellen finanziell aus, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. So soll sie mit dem Wissen ihres Lebensgefährten Schmuck und Wertgegenstände aus dessen Anwesen mitgenommen haben. Seit 2005 ging die Betrügerin offenbar keiner geregelten Arbeit mehr nach. Zuvor soll sie bei einem Pharmazieunternehmen in Limburg gearbeitet haben. Ihr früherer Lebensgefährte wusste offensichtlich nichts von ihren Machenschaften, vertraute ihr blind. So wie die Münchener Unternehmerin.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Montabaur Hachenburg
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerien: Fotos unserer Leser
&bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.