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    Misere: Viele Schüler sprechen kein Deutsch

    Grund- und weiterführende Schulen im Westerwaldkreis haben Probleme mit Schülern, die kein Wort oder nur sehr schlecht Deutsch sprechen.

    Grundschulen haben zunehmend Probleme mit Kindern, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen. Auch im Westerwald klagen Lehrer darüber, dass sie ihre Schüler mit Sprachdefiziten nicht ausreichend fördern können.
    Grundschulen haben zunehmend Probleme mit Kindern, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen. Auch im Westerwald klagen Lehrer darüber, dass sie ihre Schüler mit Sprachdefiziten nicht ausreichend fördern können.
    Foto: picture-alliance/ dpa

    Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

    Die Kinder und Jugendlichen stammen zumeist aus Migrantenfamilien, die in Deutschland Asyl suchen oder als EU-Bürger hierher kamen. Das Dilemma: Der Sprachförderunterricht an Westerwälder Schulen reicht nicht aus, um diesen Mädchen und Jungen ausreichende Deutschkenntnisse zu vermitteln und sie dem Unterricht folgen zu lassen. Die Folge: Ein Großteil dieser Kinder fällt im Bildungssystem hinten runter. Ohne Sprache keine Bildung - so könnte man das Problem auf den Punkt bringen.

    Viele Schulen im Kreis fühlen sich mit dieser Misere von der Landesregierung im Stich gelassen. „Es ist ein Thema, das uns extrem unter den Nägeln brennt", sagt die Rektorin der Overberg-Grundschule in Siershahn, Silvia Schmitt, ganz offen. Von den 256 Grundschülern haben 94 einen Migrationshintergrund. In den Klassenstufen eins bis vier gibt es gut zehn Kinder, die nahezu kein Wort Deutsch sprechen. Die meisten kommen aus Bulgarien, es gibt aber zahlreiche weitere Nationalitäten.

    Die Realität im Unterricht beschreibt Grundschullehrerin Claudia Griebling, die sich intensiv um Migrantenkinder bemüht: „Wir kommen an diese Kinder nur sehr schwer heran. Sie verstehen im Unterricht wenig, unterhalten sich oftmals untereinander. Häufig kommen sie gar nicht zur Schule. Es gibt Kinder, die plötzlich in Tränen ausbrechen, die traumatisiert sind und sich während des Unterrichts übergeben", sagt sie. Dies beeinträchtige alle Schüler, mit und ohne Migrationshintergrund, die gut Deutsch sprechen. Immer wieder müsse der Unterricht unterbrochen werden, ist die Pädagogin ratlos.

    „Wir fühlen uns allein gelassen. Wir schaffen das nicht", resümiert Silvia Schmitt. Bislang haben Schulleitung und Kollegium vergeblich versucht, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Denn auch diese sprechen oftmals kein Deutsch oder beherrschen nur die kyrillische Schrift. Dolmetscher stehen den Schulen nicht zur Verfügung. „Es mangelt an der Kommunikation", moniert die Rektorin. Da die Kinder die Schule zudem nur unregelmäßig besuchen, verlieren sie immer mehr den Anschluss an den Unterricht.

    Eine Fachkraft der ADD gibt den Kindern zwar Sprachunterricht, doch das ist nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein", sagt auch Hans Georg Baldus, Rektor der Theodor-Heuss-Grundschule, der in Wirges mit denselben Problemen kämpft wie Silvia Schmitt in Siershahn. Von seinen 213 Schützlingen haben mit 122 Schülern mehr als die Hälfte einen Migrationshintergrund. Mindestens 41 Kinder, und dies sei niedrig gegriffen, seien förderbedürftig, führt Baldus aus. 16 Mädchen und Jungen haben nahezu keine Deutschkenntnisse. Eine ADD-Fachkraft kümmert sich elf Stunden pro Woche um diese Kinder. „Das ist zu wenig, um diese Kinder adäquat zu fördern", betont Baldus.

    Aus einem anderen Fördertopf entsendet die ADD eine zweite Fachkraft, die für Kinder aus EU-Ländern zusätzlich fünf Stunden Deutsch gibt. Zu wenig: „Die Kinder müssten jeden Morgen zwei Stunden Deutsch haben, doch sie haben gerade einmal zwei Stunden pro Woche", bedauert er. Die Folge: Manche Kinder, die nach der vierten Klasse entlassen werden, verstehen nicht viel. Ihr Bildungsstand ist oft nicht zu ermitteln. Baldus: „Es ist sehr schwer, sie auf ein Niveau zu bringen, dass sie später einen vernünftigen Schulabschluss schaffen." Dieses Problem werde an die Realschulen weitergereicht. Sprachförderung tue dringend Not.

    Das Problem ist auch dem Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werkes im Westerwald bekannt. „Der Förderunterricht reicht nicht aus. Die Schulen fühlen sich hilflos. Besonders die weiterführenden Schulen sind betroffen", sagt Diakonieleiter Wilfried Kehr. Dies betreffe den ganzen Kreis. Neuralgische Punkte seien neben Siershahn und Wirges auch Höhr-Grenzhausen, Ransbach-Baumbach, Selters, Bad Marienberg und Westerburg.

    Auf Anfrage heißt es von der Schulaufsichtsbehörde des Landes, der ADD in Trier, die Sprachförderung an Grundschulen genieße hohe Priorität. „Mit jeder Schule werden wir nach bedarfsgerechten Lösungen suchen, um die Kinder mit der deutschen Sprache vertraut zu machen und ihnen den Zugang zu unserem Bildungssystem zu ermöglichen", sagt ADD-Sprecherin Miriam Lange.

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