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    Kreis: L 307 zwischen Mogendorf und Selters ist keine Raserstrecke

    Auf der Umgehung Vielbach sind in den vergangenen drei Jahren viele schwere Unfälle passiert. Doch welche Maßnahmen helfen, die Strecke sicherer zu machen?

    Aus Sicht der Kreisverkehrsbehörde bringt ein Tempolimit auf der Umgehungsstrecke nichts, da die meisten Pkw-Fahrer ohnehin langsam fahren. Der ADAC Mittelrhein fordert hingegen Tempo 70.
    Aus Sicht der Kreisverkehrsbehörde bringt ein Tempolimit auf der Umgehungsstrecke nichts, da die meisten Pkw-Fahrer ohnehin langsam fahren. Der ADAC Mittelrhein fordert hingegen Tempo 70.
    Foto: Verena Hallermann

    Tempolimit: Während sich der ADAC für Tempo 70 auf der Ortsumgehung Vielbach ausspricht, lehnen Kreis und Polizei ein Tempolimit ab. Geschwindigkeitsmessungen, die im Februar 2016 durchgeführt wurden, ergaben, dass 50 Prozent der Verkehrsteilnehmer in Richtung Mogendorf nicht schneller als 73 km/h fuhren und die darüber liegenden 35 Prozent nicht schneller als 83 km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag demnach bei 73 Stundenkilometern. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit betrug 109 km/h. In Richtung Selters sah es ähnlich aus: 50 Prozent der Pkw- und Lkw-Fahrer fuhren mit 76 km/h, die weiteren 35 Prozent mit Tempo 84; die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 76 km/h. der Höchstwert lag bei 116 km/h. Herbert Hippenstiel von der Kreisverkehrsbehörde ließ die Messungen auch bei nasser Witterung durchführen. Ergebnis: Trotz der „Tempo 70 bei Nässe“-Schilder fuhren die Verkehrsteilnehmer nur 1,5 bis 3,5 Stundenkilometer langsamer als es bei trockener Witterung der Fall war. Sein Fazit: Die meisten Verkehrsteilnehmer fahren auf der Strecke intuitiv vernünftig. Die L 307 ist aus seiner Sicht keine Raserstrecke. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung mache keinen Sinn.

    Dauerblitzer: Deshalb hält der Verkehrsexperte ebenfalls nichts von einem stationären Blitzer auf der Umgehungsstrecke, zumal das Innenministerium dieser Maßnahme zustimmen muss. „Die Erfolge sind nur punktuell, da Pendler wissen, wo die Radarfalle steht und rechtzeitig abbremsen“, so der Experte. Ein Blitzer bringe nur etwas, wenn an einer Stelle, etwa an einer Kita, punktuell das Tempo gesenkt werden müsse.

    Abfräsen: Der Landesbetrieb Mobilität hat die Ortsumgehung kürzlich abfräsen lassen. Für die Dauer von rund zwei Jahren ist die Fahrbahn dadurch griffiger.

    Vorsicht: Menschliches Versagen spielt bei Unfällen zumeist eine Rolle. „Die Umgehung verzeiht keine Fahrfehler“, betont Hippenstiel mit Blick auf die hohe Verkehrsbelastung. „Denn täglich nutzen rund 12.000 Fahrzeuge die Strecke. Das ist viel“, sagt der Experte. Wer in den Gegenverkehr gerät, weil er in das Bankett kommt und das Lenkrad verreißt oder weil er unkonzentriert ist, hat demzufolge ein hohes Kollisionsrisiko.

    Konzentration: Viele Pkw-Fahrer nutzen während der Autofahrt ihr Smartphone, suchen Kontaktdaten und lesen oder versenden Nachrichten. Das kann verhängnisvolle Folgen haben. Denn bei Tempo 50 legt ein Autofahrer in einer Sekunde genau 13,8 Meter zurück – im Blindflug. „Das reicht, um von der Fahrbahn abzukommen“, betont Hippenstiel. Hinzu kommt: Prallt ein 1400 Kilogramm schwerer VW Golf bei Tempo 50 auf ein festes Hindernis, entwickelt er eine Gewichtskraft von 35 Tonnen. Ein Pkw-Fahrer mit 80 Kilogramm Körpergewicht hat – je nach Knautschzone und Fahrerassistenzsystemen des Autos – bei Tempo 50 eine Wucht von 2400 Kilo. „Das erklärt die oftmals schweren bis tödlichen Verletzungen“, erklärt Hippenstiel. Besonders betroffen sind Fahranfänger, weil ihnen die Fahrpraxis fehlt, sie risikobereiter sind, und weil sie oftmals ältere Autos oder Kleinwagen fahren.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

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