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Bad-Marienberg-Langenbach

Hexenwahn und wilde Werwölfe: Als Wällerinnen auf dem Scheiterhaufen brennen mussten

Aberglaube, Folterungen, Verbrennungen – die Hexenverfolgung ist ein dunkles Kapitel der Geschichte und auch der Westerwald blieb nicht davon verschont. Der Heimatverein Langenbach hatte zu einer interessanten Lesung mit Klaus Wüst geladen, bei der dieser in einem gut recherchierten Vortag erläuterte, dass auch bei uns in der Region zahlreiche Frauen und Männer diesem Aberglauben zum Opfer fielen.

Klaus Wüst berichtete im Langenbacher Dorfgemeinschaftshaus von der Zeit der Hexenverfolgung. Unterstützt wurde er von seiner Enkelin Katharina.
Klaus Wüst berichtete im Langenbacher Dorfgemeinschaftshaus von der Zeit der Hexenverfolgung. Unterstützt wurde er von seiner Enkelin Katharina.
Foto: Röder-Moldenhauer

Der Glaube an Übernatürliches, an Zauberei, Geister und Dämonen ist so alt wie die Menschheit selbst. Für die Menschen damals war es der einzige Weg, sich für sie noch Unerklärliches – wie zum Beispiel besondere Naturphänomene – zu erklären. Als das Christentum überall Einzug hielt, blieb dieser Aberglaube bestehen und erreichte in den Zeiten der Hexenverfolgung seinen blutigen Höhepunkt. Aber wer waren diese Hexen? Welche Merkmale hatten sie? Was taten die Hexen? Welche Vorstellung liegt dem Begriff „Werwolf“ zugrunde? Welche Rolle spielte die Kirche? Diesen und weiteren Fragen war Klaus Wüst nachgegangen und konnte den zahlreichen Zuhörern interessante und erschreckende Fakten präsentieren. Alleine in Westerburg wurden zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, als die Hexenprozesse in ganz Europa ihren blutigen Höhepunkt erreichten, 35 Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, in Montabaur waren es noch mehr. Die Dunkelziffer liegt aber wahrscheinlich noch höher und wird ein schreckliches Geheimnis bleiben.

Der ehemalige Leiter der Stadtbücherei Bad Marienberg, Klaus Wüst, hatte vor allem in älteren Veröffentlichungen aus der Region recherchiert, wie zum Beispiel „Unsere Heimat im Spiegel der Zeiten (Marienberg, 1932), „Heinrich der Werwolf“ von Elmar M. Lorey (Frankfurt, 1997), dem Jahrbuch „Wäller Heimat“ (1992) sowie der Schrift „Im Land der freien Bauern“ von Willi Gemmer, der Lehrer in Bad Marienberg gewesen ist. Darin fanden sich einige Aufzeichnungen, die Hexenverfolgung im Westerwald näher erläutern. Wie Klaus Wüst berichtete, kamen in den Jahren um 1620 im Dillenburgischen die Hexenverfahren in Gang. Zwei der ersten Opfer waren Henn Knie aus Rehe und Rolzer Bestgen, ein Kuhhirte aus Emmerichenhain, die beide als Werwölfe verurteilt und hingerichtet wurden. Auch Heinrich Schäfer aus Hohenroth wurde als Werwolf verurteilt. In Herborn wurde ihm der Prozess gemacht. Dort gestand der Zeuge Joachim Jost, er habe den Hohenrother Hirten auf dem Tanz gesehen und (nach seiner Verwandlung) als Wolf unter den Kühen.

„Über Hexenprozesse in unserem Bereich sind bis heute nur wenige Protokolle bekannt“, erklärte Wüst. Ausführliche Akten gibt es über die beiden Fälle: Johann Schmidt aus dem Bad Marienberger Stadtteil Langenbach und dessen Ehefrau sowie Helene, Hans Gerhard Denkers Witwe in der Mühle zu Hardt. „Im ersten Protokoll klagt ein Peter N.N. von Marienberg gegen Johann Schmidt und dessen Frau“, berichtete Wüst. „Schmidt soll dem Kläger sein halbjähriges Füllen krank gemacht haben.“ Gegen Helene Denker trat ein gewisser Paulus Müller als Kläger an. Er beschuldigte die Frau, den Tod von drei Kindern verursacht zu haben. „In diesem Falle stützte sich die Anklage lediglich auf die Behauptung, durch das Herantreten der Hexe an die Wiege seien die Kinder plötzlich erkrankt und nur wenige Tage später gestorben. Außerdem soll sie mit ihrem Sohn auf dem Hexentanzplatz gewesen sein“, fasste Wüst das Protokoll zusammen. Der Prozess sei damals eingestellt worden, da sie die Frau des damaligen Bürgermeisters war, berichtete er.

Wüst lieferte an diesem Abend einen detaillierten und schonungslosen Vortrag über die Zeit der Hexenverfolgung. Er regte zu kritischen Fragen an, die am Ende der Lesung von den Zuhörern diskutiert wurden.

Von unserer Reporterin Larissa Schütz

Montabaur Hachenburg
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