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    Westerwaldkreis

    Freispruch im Sexprozess: Syrer Opfer von Intrige?

    Hat er seine Ex-Freundin zum Sex gezwungen? Oder ist er das Opfer einer bösen Intrige? Seit Juni stand ein Syrer (28) wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Koblenz. 40 Wochen saß er hinter Gitter. Jetzt wurde er freigesprochen.

    Hat er seine Ex-Freundin zum Sex gezwungen? Oder ist er das Opfer einer bösen Intrige? Jetzt wurde ein 28-jährige Syrer freigesprochen.
    Hat er seine Ex-Freundin zum Sex gezwungen? Oder ist er das Opfer einer bösen Intrige? Jetzt wurde ein 28-jährige Syrer freigesprochen.

    Zehn Prozesstage und 20 Zeugen lieferten dem Gericht keine objektiven Beweismittel. Der Vorsitzende Richter Andreas Bendel resümierte: „Eindeutige Schlüsse kann die Kammer nicht ziehen. Es bleibt offen, ob sich die angeklagte Tat so abgespielt hat oder nicht.“

    Wie bei so vielen Sexualdelikten hatte auch dieses Verfahren eine schwierige Ausgangslage: Es stand Aussage gegen Aussage. Die Ex-Freundin des Syrers, eine 41-jährige Westerwälderin, erzählte, dass sie am Nachmittag des 18. Juni 2016 in die Wohnung des Mannes ging. Dass sie gemeinsam einen Film schauten. Dass der Syrer das Zimmer verließ, wiederkam, sie am Kopf packte, vergewaltigte und sie danach eine halbe Stunde lang in der Wohnung gefangen hielt. Seine Version der Geschichte: Ja, die Westerwälderin war an jenem Junitag in seiner Wohnung. Doch schauten sie keine DVDs. Stattdessen erzählte die Frau, dass sie Zwillinge von ihm abgetrieben habe. Es gab einen heftigen Streit – aber keinen Sex und erst recht keine Vergewaltigung.

    Auf Nachfrage des Gerichts bestätigte die Westerwälderin, dass sie dem Syrer eine angebliche Abtreibung schilderte. Gleichzeitig räumte sie ein, dass dies eine Lüge war – „um ihn damit zu treffen“. Außerdem sagte sie im Prozess, dass sie ihrer besten Freundin von der Vergewaltigung erzählt habe. Diese aber meinte bei ihrer Vernehmung, sie habe nichts davon gewusst. Nach dem 18. Juni chattete das einstige Liebespaar auch weiterhin über WhatsApp. Von einer Vergewaltigung war in den Gesprächen aber nie die Rede. Stattdessen gab es einen Geld-Streit, und die Westerwälderin schrieb dem Syrer: „Jetzt ist Krieg!“ All das ließ den Anwalt des 28-Jährigen, Phillip Grassl, zu dem Schluss kommen: „Sie wollte meinem Mandanten eins reinwürgen!“

    Der Syrer kam Anfang 2015 als Flüchtling nach Deutschland. In seiner Heimat arbeitete er laut Eigenaussage als Polizist, konvertierte zum Christentum und half beim Bau einer Kirche. Die Westerwälderin lernte er Ende 2015 übers Internet kennen. Doch war sie wohl nicht seine einzige Liebschaft: Laut einer Zeugin sei er zeitweise mit mindestens drei Frauen gleichzeitig liiert gewesen. Die Staatsanwaltschaft Koblenz führte gegen ihn insgesamt neun Ermittlungsverfahren wegen Nachstellung, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Bedrohung, Unterschlagung und Fahren ohne Führerschein. Alle Verfahren wurden aus unterschiedlichen Gründen eingestellt. In einem zehnten Verfahren verurteilte ihn das Amtsgericht Montabaur wegen Verbreitung pornografischer Schriften zu einer Geldstrafe.

    Deshalb sagte Richter Andreas Bendel in seiner Urteilsbegründung: „Die Beweisaufnahme hat einiges zutage gefördert, was gegen den Angeklagten spricht.“ Die Vergewaltigung sei ihm zuzutrauen. Staatsanwältin Ute Adam-Backes war zuvor sogar einen Schritt weiter gegangen – und sah die Schuld des Syrers als erwiesen an. Sie forderte drei Jahre und neun Monate Haft. Doch es kam anders: Der Syrer verließ den Gerichtssaal als freier Mann. Unserer Zeitung sagte er: „Diese Frau ist die beste Schauspielerin. Aber sie bekommt ihre Strafe vor Gott.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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