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Montabaur

Extra in die Ohnmacht: Riskantes "Pilotenspiel" unter Westerwälder Schülern

Es ist ein gefährliches Spiel mit der Ohnmacht unter Kindern und Jugendlichen: Das Montabaurer Mons-Tabor-Gymnasium hat wegen des "Pilotenspiels" ein Warnschreiben an die Eltern verschickt. Der Schulleiter geht aber davon aus, dass auch andernorts Schüler absichtlich die Sauerstoffversorgung ihres Gehirns unterbrochen, um einen Adrenalin-Kick zu bekommen.

Das riskante Spiel mit der eigenen Gesundheit war schon Mitte der 90er-Jahre unter Schülern beliebt und forderte seitdem weltweit Todesopfer. Offenbar unterschätzen die Kinder und Jugendlichen die Gefahren der Mutprobe massiv. Im Internet etwa kursieren zahlreiche Videos dazu. Sie zeigen, wie Jugendliche sich einige Zeit vorbereiten, um anschließend nach einer schnellen Bewegung die Luft anzuhalten (zum Beispiel, indem sie von einem Mitschüler mit einem Schal stranguliert werden). Sie fallen dann in der Regel in Ohnmacht und erleben durch die Adrenalinausschüttung den erwähnten Kick.

Der Schulleiter des Mons-Tabor-Gymnasiums, Armin Pleiss, informierte in der vergangenen Woche die Klassen- und Kurselternsprecher der Schule in einem Schreiben, dass dieser "Pilotentest" auch an der Montabaurer Schule praktiziert wurde. "Nur durch Zufall haben wir über andere Schüler davon erfahren. Vielen Kolleginnen und Kollegen, aber auch Schülerinnen und Schülern war der Test vorher völlig unbekannt", erklärt Pleiss auf Anfrage unserer Zeitung.

Der Name einer Schülerin sei ihm bekannt, weitere Fälle seien zum Teil per Video dokumentiert. Das MTG erklärt den Grund dafür in dem Schreiben an die Eltern so: "Nach dem Erwachen kann man sich kurzfristig an nichts erinnern, fühlt sich aber durch die Sauerstoffunterversorgung des Gehirns in einem rauschartigen Zustand."

Vergleichsweise harmlose Konsequenzen des Pilotentests sind Muskelkrämpfe durch die Unterversorgung mit Sauerstoff. Im schlimmsten Fall aber können auch bleibende Gehirnschäden entstehen, die Koma oder gar den Tod zur Folge haben. Während den ausführenden Schülern also schwere gesundheitliche Komplikationen drohen, machen sich auch ihre Helfer mitschuldig – "sie müssen gegebenenfalls ihr restliches Leben mit einer schweren Hypothek bewältigen", warnt der Montabaurer Schulleiter.

Pleiss geht im Übrigen nicht davon aus, dass es sich bei den Ohnmachtsspielen am Mons-Tabor-Gymnasium in Montabaur um Einzelfälle in der Region handelt: "Ich habe keine Kenntnis über Vorfälle an anderen Schulen, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass nur an unserer Schule der Test praktiziert wird", erläutert der Pädagoge. So habe sich bereits ein Schulleiter einer Nachbarschule bei ihm informiert, um seine Schulgemeinschaft nun prophylaktisch aufklären zu können.

Laut Pleiss ist jedoch bereits das Informieren über den Pilotentest ein schmaler Grad: Einerseits sei es wichtig, den Eltern mitzuteilen, welch gefährliche Spiele ihre Kinder möglicherweise betreiben. Andererseits will man natürlich auch vermeiden, dass Schüler durch das Informieren erst auf die Ohnmachtsspiele aufmerksam werden.

Um die Jugendlichen nichtsdestotrotz für die Gefahren zu sensibilisieren, soll das Lehrerkollegium die Mädchen und Jungen sachlich aufklären. Der gefährliche Trend kommt laut Pleiss eher bei jüngeren Schülern in den Jahrgangsstufen 6 bis 9 vor. Jugendliche in der Oberstufe können die Risiken meist schon etwas besser einschätzen.

Paula Honkanen-Schoberth als Geschäftsführerin des Bundesverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes rät darüber hinaus auch Eltern und Verwandten, mit ihren Kindern über das Thema zu sprechen: "Wir empfehlen eine sachliche und ruhige Aufklärung und Gespräche mit ihren Kindern über die realen Gefahren und Auswirkungen dieser Spiele", erklärt sie. Grundsätzlich sei ein besonnener Umgang mit dem Thema ratsam, damit die Kinder – wenn sie in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis damit konfrontiert werden oder in Berührung kommen – den Mut haben, Stopp zu sagen und Erwachsene über den Vorfall zu informieren. aeg/tf

Montabaur Hachenburg
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