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Ransbach-Baumbach

Eisenbahnfreunde fürchten Verlust "ihres" Bahnhofs: Interieur ist einmalig

Andreas Egenolf

„Goldener Herbst auf der Brexbachtalbahn“, verkündet das Werbeplakat aus dem Jahr 2012 am Bahnhof in Ransbach-Baumbach. Doch von diesen Goldenen Zeiten ist das Gebäude und auch die „Brex“ derzeit weit entfernt. „Es ist ein Gebäude, das es in der Form und dem Umfeld im Westerwald sonst nicht gibt. Aber es tut sich einfach nichts“, ärgert sich beispielsweise Gernot Kallweit vom Verein Brexbachtalbahn.

Gernot Kallweit vom Verein Brexbachtalbahn vor dem Bahnhof Ransbach, den der Verein auch gerne in der Zukunft nutzen möchte.
Gernot Kallweit vom Verein Brexbachtalbahn vor dem Bahnhof Ransbach, den der Verein auch gerne in der Zukunft nutzen möchte.
Foto: Andreas Egenolf

Die Eisenbahnfreunde kümmern sich schon seit längerer Zeit um das Gebäude samt angrenzendem Gelände. Doch jetzt macht sich Angst breit, dass das die längste Zeit der Fall gewesen sein könnte. Für die Freunde der Brexbachtalbahn ist der Bahnhof in Ransbach ein wahres Schmuckstück – auch wenn es von außen nicht danach aussieht. Der Bahnhof besitzt laut Gernot Kallweit noch seine Originalbausubstanz von 1894. Im Innern befinden sich deutschlandweit einmalige Holzvitrinen mit gebogenen Glasscheiben, ein historischer Kiosk, eine Wartehalle mit Fliesen aus dem 18. Jahrhundert und ein von Hand geschnitzter Schriftzug über der Fahrkartenausgabe, den es so nur noch einmal in Deutschland, in Norddeich, gibt.

„Alle Dinge in dieser Kombination sind als Artefakte einmalig. Das Gebäude ist absolut museal und ein Thema für den Denkmalschutz“, betont Kallweit. Besonders stolz ist der Verein auf das in Eigenregie sanierte Stellwerk. Nach eigenen Angaben ist es eines der letzten mechanischen Stellwerke dieser Bauart mit Seilzügen, mit deren Hilfe alle Weichen im Gleisfeld des Bahnhofs gestellt werden können. Ob diese Arbeit sich auf Dauer ausgezahlt hat, wird sich wohl erst zeigen.

Die Eisenbahnfreunde hatten in der Vergangenheit versucht, den Bahnhof von der Deutschen Bahn (DB) zu erwerben. Ihre Idee: Die Vereinsmitglieder reißen die einsturzgefährdete Güterhalle in Eigenregie ab und erhalten dafür im Gegenzug den Bahnhof. Doch die Bahn lehnte diesen Vorschlag ab. Vielmehr gab es zuletzt zwei Interessenten für das Bahnareal. Einer wollte nach Kallweits Angaben das komplette, rund 3000 Quadratmeter große Gelände kaufen, umbauen und Wohnungen sowie Bürogebäude errichten. Er soll allerdings mittlerweile Abstand von seinen Plänen genommen haben.

Ein zweiter Kaufinteressent, ein Handwerker aus Ransbach-Baumbach, will selbst in den Bahnhof einziehen, wie Kallweit erfahren hat. „Er weiß auch, was Widmung von Verkehrsflächen und Räumen im Gebäude bedeuten, und würde mit uns kooperieren. Der Schandfleck würde also binnen Jahresfrist verschwinden“, erklärt Kallweit im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das Problem: Die Stadt Ransbach-Baumbach scheint ihr Vorkaufsrecht für den Bahnhof mittlerweile geltend gemacht zu haben. Der Widerspruch des zweiten Kaufinteressenten gegen diese Entscheidung wurde laut Kallweit vom Kreisrechtsausschuss abgelehnt, nun soll es zur Klage des Ransbacher Handwerkers kommen. „Wir haben Angst, dass die Stadt das Gebäude kauft, sich dann nichts tut und das Gebäude weiter verfällt“, befürchtet Gernot Kallweit. „Was passiert, wenn die Stadt das Gelände kauft, wissen wir halt nicht.“

Die Vereinsmitglieder der Brexbachtalbahn haben allerdings eine Hoffnung, wie es Kallweit formuliert: „Unser Ziel ist es, dass der Bahnhof erhalten bleibt und revitalisiert wird.“ Vorstellbar wären Wohnungen in den Obergeschossen, ein kleines Eisenbahnmuseum, der Erhalt des historischen Stellwerkes und der Bahnhof generell als Entrée für „Alt Ransbach“, das bis zum Jahr 2023 mittels städtebaulichem Entwicklungskonzept ohnehin eine Quartieraufwertung erfahren soll. Aber auch als Jugend- oder Vereinstreffpunkt wären Teile des historischen Bahnhofs denkbar, erklärt Kallweit.

In Verbindung mit der angepeilten Reaktivierung der Brexbachtalbahn auf der Strecke Siershahn-Engers sollte außerdem der touristische Aspekt eine größere Rolle am Ransbacher Bahnhof spielen. „Wir würden gerne gemeinsam mit der Stadt diesen Bahnhof nutzen“, erklärt Gernot Kallweit. Ob die Stadt das allerdings auch will, bleibt noch unklar. Stadtbürgermeister Michael Merz bestätigt zwar, dass es für das Gebiet rund um den Ransbacher Bahnhof eine Vorkaufsrechtsatzung gibt, von der die Stadt Gebrauch gemacht hat. „Es handelt sich allerdings um ein laufendes Verfahren“, erklärt Merz. Insofern wolle er sich derzeit nicht weiter zum Bahnhof äußern.

Von unserem Reporter Andreas Egenolf

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