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Ransbach-Baumbach

Ein Märchen: Prinzessin sein für 40 Tage

Stephanie Kühr

Manche sind ein Leben lang Prinzessin. Andere sind „Princess for one Day“. Oder sie sind es für eine Session. Für die fünfte Jahreszeit. So wie die neunjährige Mia Berger aus Ransbach-Baumbach. Die quirlige Grundschülerin aus der Töpferstadt ist seit ihrer Krönung am 5. Januar Kinderkarnevalsprinzessin von Höhr-Grenzhausen – für 40 Tage. Als Mia I. regiert sie gemeinsam mit Kinderprinz Joshua I. (Joshua Weimann) unter dem Motto „1001 Nacht“ die Kannenbäcker Narrenschar. Von der Proklamation bis zum Veilchendienstag wird die Viertklässlerin, die die Astrid-Lindgren-Grundschule besucht und nach den Sommerferien zum Dernbacher Raiffeisen-Campus wechselt, 34 Auftritte absolviert haben. „Ab Schwerdonnerstag geht's richtig rund. Dann stehen elf närrische Termine an“, sagt Mama Nicole und lacht.

Mia Berger aus Ransbach-Baumbach ist nicht nur eine gute Schülerin, sie ist auch Kinderkarnevalsprinzessin von Höhr-Grenzhausen. Bis Aschermittwoch wird die Neunjährige gemeinsam mit ihrem Prinzen Joshua 34 närrische Termine absolviert haben – eine klasse Leistung. Foto: Stephanie Kühr
Mia Berger aus Ransbach-Baumbach ist nicht nur eine gute Schülerin, sie ist auch Kinderkarnevalsprinzessin von Höhr-Grenzhausen. Bis Aschermittwoch wird die Neunjährige gemeinsam mit ihrem Prinzen Joshua 34 närrische Termine absolviert haben – eine klasse Leistung.
Foto: Stephanie Kühr

Einmal Kinderprinzessin sein – damit erfüllt Mia nicht nur sich selbst, sondern auch ihrer Mutter einen großen Traum. Schließlich hat Nicole Berger schon als Jugendliche gut 12 Jahre beim Blau-Grau-Ballett in Höhr-Grenzhausen mitgetanzt und ist seitdem im Kannenbäcker Karneval verwurzelt. „Mein Mann Andreas und ich haben hier viele Freunde gefunden“, sagt sie. Doch wie wird man als Mädchen aus der Töpferstadt Prinzessin von Höhr-Grenzhausen? Ganz einfach: Als Mia gerade einmal zwei Jahre alt war, hat Nicole Berger ihre kleine Tochter schon einmal als Kinderprinzessin für die Session 2018 beim Komitee Fastnachtszug angemeldet. Und so war klar: Aus der Kleinen wird mal eine echte Prinzessin. Was Mutter Nicole damals nicht wusste: Klein Mia würde ihre Rolle mit Bravour erfüllen. Denn die Neunjährige hat den Schalk im Nacken. „Oh, ja, unsere Mia hat schon einige Streiche gespielt, während ihr älterer Bruder Louis eher ruhig und lieb ist“, schmunzelt Nicole Berger. Und so hat Mia kurz vor dem 60. Geburtstag ihrer Oma im Badezimmer experimentiert und einen ganzen Tiegel Kaufmanns Kindercreme in ihren Haaren verteilt. „Wir haben eine Woche lang morgens und abends mehrfach die Haare gewaschen, teilweise sogar mit Spüli“, erinnert sich ihre Mutter. „Es war furchtbar.“ Einmal hat Mia ihre Schule ein wenig aufgehübscht und sie in der Pause schön bunt mit Filzstiften angemalt. Ein anderes Mal hat sie sich in einer Laune die Haare geschnitten.

Beim nächsten Streich waren es dann die Wohnzimmergardinen, die dran glauben mussten und mit der Schere hier und da in Form gebracht wurden. „Die Gardinen hingen in Fetzen. Mir war zum Heulen zumute“, sagt Nicole Berger und lacht. Und so passt Fastnacht ganz gut zu Mia: fröhlich, gut gelaunt und aufgeweckt, wie sie ist. Was ihr besonders daran gefällt, Prinzessin zu sein? Mia grübelt und meint dann: „Ich finde es schön, wenn die Zuschauer im Saal Freude haben und wir ganz viel Quatsch machen können.“

Doch bei allem Humor und guter Laune: Wer Karneval feiert und bei Zügen und Prunksitzungen den Tollitäten zujubelt, der ahnt nicht, wie viel Arbeit und Organisation hinter den Kulissen nötig ist, um das alles zu stemmen. Auch bei Prinzessin Mia und Prinz Joshua ist das so. „Bei uns ticken die Uhren seit ein paar Wochen auf Karneval“, sagt Nicole Berger und meint die vielen Absprachen, Vorbereitungen und 1001 Dinge, die zu erledigen sind. Die hübschen Orient-Kostüme für das Kinderprinzenpaar und sein Gefolge aus acht Kindern, allesamt Freunde und Klassenkameraden, hat Christel Metzler aus Hilgert geschneidert. Die Entwürfe dafür hat Nicole Berger selbst gezeichnet. Mia hat gleich zwei Kostüme – das rosafarbene Prinzessinnenkleid ist ihr absoluter Favorit. Auch die Kostüme der Eltern, die als Fußgruppe bei den Umzügen in Hillscheid am Samstag und in Höhr-Grenzhausen am Sonntag mitgehen, sind alle selbst genäht. „Das ist jede Menge Arbeit“, betont Mutter Nicole.

Selbst gemacht sind auch die gut 600 Orden des Kinderprinzenpaares: Auf die lilafarbenen Keramikovale, die bei der Firma Peter Buchholz in Hillscheid gebrannt wurden, mussten 600 Aufkleber, die die Firma Wepa aus Hillscheid gespendet hat, fein säuberlich aufgelegt werden. Nach dem zweiten Brennvorgang bei der Firma Hans Wolbring in Höhr-Grenzhausen wurden die Orden noch gekordelt und auf der Rückseite mit Vlies beklebt. „Da mussten auch die Kinder mit ran“, erzählt Nicole Berger. Um die munteren Reden für das Prinzenpaar kümmerte sich ein Freund der Familie, Holger Rech, der früher öfter selbst in der Bütt stand und heute für andere Narren Reden und Sketche schreibt. Auch das Wurfmaterial war zu besorgen: Gleich eine ganze Europalette voller Chips, Marshmellows, Gummibärchen und Traubenzucker steht für die Züge und Auftritte zur Verfügung.

Und vor jedem der 34 Auftritte geht's zu Friseurin Zeliha, die Mia die Haare kunstvoll frisiert, und in die Maske fürs perfekte Make-up. Die Fotos für die Kampagne liefert Nachbarin Britta Hilpert, die ein eigenes Fotostudio hat. „Wir haben so viele Helfer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Auch alle Eltern machen mit. Ohne sie würde es nicht gehen“, sagt Nicole Berger. Und trotzdem ist die Kampagne mit gut 2000 Euro noch ein teurer Spaß. Doch dafür geht ein Traum in Erfüllung – einmal Prinzessin sein, und sei es für 40 Tage.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

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