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    Nentershausen

    Arbeiten am Gotteshaus: Restaurierung von St. Laurentius ist im Plan

    Still ist es geworden im Herzen von Nentershausen. In der Laurentius-Kirche ist das letzte Halleluja am Kirmessonntag Mitte August verklungen, kein Amen wird hier bis Juni nächsten Jahres mehr zu hören sein. Zurzeit klingt hier allenfalls ein Baustellenradio leise durch den großen Backsteinbau.

    Auch optisch ist das Wahrzeichen zurzeit weit von einer Kirche entfernt. Gerüststangen über Gerüststangen reichen bis unter die Deckenwölbung. Ganze fünf Wochen hat es gedauert, bis die zuständige Firma das komplette Innere eingerüstet und mit Aluminiumplanken versehen hatte.

     

    Restauratorin Judith Granek legt hoch oben in der St. Laurentius-Kirche wieder die ursprüngliche Ausmalung des Gotteshauses frei.
    Restauratorin Judith Granek legt hoch oben in der St. Laurentius-Kirche wieder die ursprüngliche Ausmalung des Gotteshauses frei.
    Foto: Andreas Egenolf

    Sechs Etagen gilt es nun zu erklimmen, bis die Arbeiter unter der Decke angekommen sind. Dort sind derzeit Judith Granek und ihre Kollegen beschäftigt. Der Restauratorin der Firma Restaurierungen Berchem aus dem Essener Stadtteil Borbeck merkt man sofort an, dass die Baustelle in Nentershausen für sie nicht die erste dieser Art ist. Mit geübtem Blick und viel Geduld beizt sie die derzeitige Ausmalung an der Pfeilerleibung mit in Aceton getränkter Watte ab. Zentimeter für Zentimeter kommt so die ursprüngliche Ausmalung der Laurentius-Kirche wieder zum Vorschein – und die ist sogar erstaunlich gut erhalten.

    Der größte Teil der ursprünglichen Ausmalung entstand seinerzeit mit Ölfarben. Es wurden allerdings auch Leinfarben verwendet, die heute jedoch nur noch teilweise oder gar nicht mehr unter der bisherigen Ausmalung zu finden sind, wie Probefreilegungen vor Beginn der Maßnahmen gezeigt haben. An den nicht mehr rekonstruierbaren Stellen werden später abgenommene Schablonen zum Einsatz kommen, um die ursprünglichen Muster möglichst detailgetreu nachzuempfinden. Bis dahin wird es jedoch noch einige Wochen an Arbeit für die Restauratoren brauchen. Schließlich muss zuerst, größtenteils in Handarbeit, Stück für Stück die aktuelle Farbe abgetragen werden. "Das kann innerhalb weniger Stunden gehen. Manchmal braucht man für eine kleine Fläche aber auch schon einmal ein bis zwei Tage, bis die Farbe komplett runter ist", gibt Granek einen kurzen Einblick in ihre Arbeit und widmet sich im nächsten Moment wieder geduldig mit ihrem Wattebausch der Pfeilerleibung.

    Das muss sie auch, denn die Zahlen, die Architekt Stefan Zeyen vom Architekturbüro Heinrich aus Dornburg-Frickhofen präsentiert, zeigen die Arbeit, die in den nächsten Wochen und Monaten noch vor Granek und ihren Kollegen liegt: "Wir haben hier insgesamt 2000 Quadratmeter Wand- und Gewölbeflächen, 1072 Meter Rundstäbe, 502 Meter Pfeilerleibung und 850 Meter Gewölberippen, die bearbeitet werden müssen." Bisher laufen die Arbeiten, für die insgesamt ein hoher sechsstelliger Betrag fällig ist, nach Plan. Alle beteiligten Parteien wissen aber auch, dass bei einem solchen altehrwürdigen Kulturdenkmal unvorhergesehene Probleme auftreten können.

    Von der St.-Laurentius-Kirche ist im Inneren derzeit nicht viel zu erkennen. Während der Innenrenovierung wurden im Chorraum beispielsweise der komplette Hochaltar eingerüstet und die Fenster herausgenommen.  Fotos: Andreas Egenolf
    Von der St.-Laurentius-Kirche ist im Inneren derzeit nicht viel zu erkennen. Während der Innenrenovierung wurden im Chorraum beispielsweise der komplette Hochaltar eingerüstet und die Fenster herausgenommen. Fotos: Andreas Egenolf
    Foto: Andreas Egenolf

    Apropos Probleme: Die Verantwortlichen loben unisono die problemlose Mitarbeit der Gemeindemitglieder zu Beginn der Maßnahme. Hier sorgten zahlreiche Helfer dafür, dass das Gotteshaus binnen weniger Tage, sogar schneller als geplant leer geräumt wurde. So erhielten beispielsweise die Heiligenstatuten einen provisorischen Platz in der Friedhofshalle, und die Kirchenbänke wurden in einer kostenfrei zur Verfügung gestellten Industriehalle eingelagert. Zudem wurden auch die im Jahr 2006 restaurierten Chorraumfenster ausgebaut und bei einem Glaser eingelagert. "Das war schon eine unglaubliche Beteiligung", zeigt sich Stefan Zeyen begeistert von der Unterstützung der Nentershausener Bürger.

    Die Hilfsbereitschaft ist nicht ohne Grund groß. Schließlich sollen die Arbeiten in der Kirche bis zu den Feierlichkeiten rund um den 150. Weihetag des Backsteinbaus an Fronleichnam 2017 abgeschlossen sein. Dafür gilt es unter anderem in Kauf zu nehmen, dass es bis zur Wiedereröffnung keine Gottesdienste in Nentershausen, auch nicht an Weihnachten und Ostern, geben wird. Anschließend weicht die derzeitige Stille dann auch wieder dem üblichen, so gar nicht stillen Kirchenalltag.

    Von unserem Reporter Andreas Egenolf

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