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Montabaur

Als der Adel im Nassauer Hof Station machte: Hotel in Montabaur vor 100 Jahren klangvolle Adresse

Thorsten Ferdinand

Vor der Tür wird Sommermode zum Verkauf angeboten, in den oberen Etagen sind die meisten Rollläden heruntergelassen, die seitlichen Fassaden sind mit Graffitis verschmiert – in der Montabaurer Kirchstraße 5 erinnert heute nichts mehr daran, dass in diesem Haus einst der Adel des Herzogtums Nassau verkehrte. Doch vor allem im 19. Jahrhundert zählte das Hotel Nassauer Hof zu den renommiertesten Adressen in der Schusterstadt.

Heimatforscher Fritz Schwind aus Eschelbach hat sich die Mühe gemacht, die Geschichte des einstigen Hotels zusammenzutragen. Zudem haben Manfred Lorenz und der inzwischen verstorbene Franz Josef Löwenguth historisches Bildmaterial aus dem Herzen der Altstadt restauriert. Die Fotos und Anekdoten ermöglichen das Eintauchen in die Zeit der Herzöge und Prinzessinnen, die in der Kirchstraße und auf dem Schloss anlässlich der Jagd regelmäßig ihre Nachtquartiere bezogen.

Die älteste Notiz stammt aus dem Jahr 1825. Damals erwarb der in Niederlahnstein geborene Anton Cron das Hotel. Der Name Nassauer Hof lässt laut Schwind darauf schließen, dass der Aufstieg des Herbergsbetriebs in dieser Zeit begann – das Herzogtum Nassau, zu dem auch Montabaur gehörte, bestand von 1806 bis 1866. Bekannt ist unter anderem, dass Herzog Wilhelm I. von Nassau nach der Jagd im Montabaurer Forst im Hotel Nassauer Hof einkehrte. Ein Teil der Gäste übernachtete auch dort, hat Schwind recherchiert. Überliefert ist beispielsweise, dass sich der Herzog 1838 in Montabaur aufhielt, als seine Frau und sein Sohn Nikolaus bei einem Unfall mit der Kutsche verletzt wurden und der Herzog zurück nach Wiesbaden eilte. Der Heimatforscher geht davon aus, dass Prinzessin Pauline von Württemberg, die zweite Ehefrau von Herzog Wilhelm I., ihn gelegentlich nach Montabaur begleitete.

Die adligen Besuche im Westerwald setzten sich auch nach dem Tod des Herzogs im Jahr 1839 fort. Sein Sohn Adolph von Nassau übernahm damals mit erst 22 Jahren die Herrschaft. Bei seinem ersten Abstecher nach Montabaur ein Jahr später war die Stadt festlich beleuchtet. Aus dem Jahr 1846 ist überliefert, dass der regierende Herzog nach einer Jagd mit anderen hochrangigen Adligen im Nassauer Hof zusammenkam. Zu diesen zählten unter anderem der Graf von Hatzfeld und der Graf von Walderdorff. Die sogenannte Witwe Schmidt war zu dieser Zeit Wirtin des Gasthauses. Um das Jahr 1855 soll zu den Gästen auch der Erzherzog von Österreich, Stephan Franz Viktor, gezählt haben, der laut Schwind gemeinsam mit Herzog Adolph den Auerhahn auf den Montabaurer Höhen jagte. In den letzten Jahren der Nassauer Regentschaft schlief sogar der Herzog selbst im Hotel Nassauer Hof, weil sich das Schloss damals offenbar in einem vernachlässigten Zustand befand.

Nachdem das Herzogtum 1866 an Preußen gefallen war, hörten die adligen Besuche in Montabaur auf. Der Nassauer Hof allerdings bestand noch einige Jahrzehnte als Gasthaus und Hotel. Jakob Maaß, der das Haus 1863 übernommen hatte, eröffnete 1870 eine Gartenwirtschaft in der Judengasse, die sich im Bereich des heutigen Karoline-Kahn-Platzes befand. Ein großer Schriftzug auf der Frontfassade des Hotels warb für den „Schattigen Garten mit schöner Aussicht“. Zehn Jahre später betrieb Jacob Schnatz als Inhaber des Hotels in den Räumen zusammen mit Heinrich Hardt ein Fotoatelier. Zu dieser Zeit begann also schon die teilweise Nutzung des Gebäudes als Geschäft.

Im Jahr 1910 übernahmen die Schwestern Maria und Anna Müller das Hotel, was in der damaligen Zeit durchaus ungewöhnlich war. Die Geschichte des Nassauer Hofs endete in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Letzter Besitzer und Betreiber des Hotels war demnach Josef Birke, der den Nassauer Hof im Jahr 1935 schloss. Eines der letzten Bilder zeigt eine Parade der Nazis in Montabaur im Jahr 1933, bei der am Nassauer Hof allerdings noch keine nationalsozialistischen Flaggen gehisst waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Erdgeschoss des Gebäudes Einzelhandelsgeschäfte geführt. Die Zeit als Gasthaus war damit zu Ende.

Von unserem Redakteur Thorsten Ferdinand

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