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    ADAC für Geschwindigkeitsbegrenzung: Umgehung Vielbach braucht ein Tempolimit

    Die Diskussion, wie das Risiko von schweren Verkehrsunfällen auf der Ortsumgehung Vielbach (L 307, später L 267 und L 305) reduziert werden kann, hält unvermindert an. Dabei gehen die Meinungen, wie die Strecke künftig entschärft werden kann, auseinander.

    Die im Jahr 2002 eröffnete Umgehung Vielbach war viele Jahre fast unfallfrei. Seit 2014 häufen sich jedoch die schweren Verkehrsunfälle. Vier Menschen kamen ums Leben. Foto: Verena Hallermann
    Die im Jahr 2002 eröffnete Umgehung Vielbach war viele Jahre fast unfallfrei. Seit 2014 häufen sich jedoch die schweren Verkehrsunfälle. Vier Menschen kamen ums Leben.
    Foto: Verena Hallermann

    Während Verkehrsteilnehmer und Pendler auf der Facebook-Seite unserer Zeitung von einer Raserstrecke sprechen und sich für Tempo 70 mit Überholverboten aussprechen, sehen das die Verkehrsexperten von Polizei und der Kreisverkehrsbehörde anders. Unterstützung bekommen die Autofahrer jetzt vom ADAC Mittelrhein in Koblenz. Nach einer Begutachtung der Strecke fordert der Automobilclub Tempo 70 auf der gesamten Strecke.

    „Wir plädieren dafür, auf der Umgehungsstraße eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h einzuführen. Das Tempolimit sollte durchgehend gelten und nicht nur mit der Einschränkung bei Nässe“, fordert Herbert Fuss, Abteilungsleiter Verkehr und Technik beim ADAC Mittelrhein. Die evangelische Kirchengemeinde Nordhofen unter Pfarrer Michael Rother hatte den ADAC gebeten, die Ortsumgehung unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit unter die Lupe zu nehmen und zu begutachten, wie die Unfallhäufigkeit auf der Strecke reduziert werden kann (unsere Zeitung berichtete). Die ADAC-Experten waren mehrfach vor Ort. Nach einem Termin mit dem zuständigen Landesbetrieb Mobilität in Diez will der ADAC eine abschließende schriftliche Stellungnahme abgeben, kündigt Fuss an. Teil des Gutachten wird aber sein, dass der ADAC ein Tempolimit gutheißt. „Vom Querschnitt her kann man die Umgehung zwar mit 100 km/h fahren. Doch die Strecke verzeiht keinen Fahrfehler“, macht Fuss deutlich. Die Einmündungsbereiche seien zudem nicht ungefährlich. „Es sind zu viele Unfälle mit Todesfolge in den vergangenen Jahren passiert. Deshalb besteht Handlungsbedarf“, mahnt Fuss.

    Im Fokus: Der ADAC prüft zurzeit, wie die L 307 sicherer werden kann. Foto:  Verena Hallermann
    Im Fokus: Der ADAC prüft zurzeit, wie die L 307 sicherer werden kann.
    Foto: Verena Hallermann

    Die Experten von Polizei und Kreis sehen das anders, akuter Handlungsbedarf besteht aus ihrer Sicht nicht. „In den ersten sechs Jahren sind auf der 2002 eröffneten Strecke so gut wie keine Unfälle geschehen. Erst ab 2014 haben sich die Unfälle gehäuft, darunter waren vier tödliche Unfälle“, führt Herbert Hippenstiel von der Kreisverkehrsbehörde aus. In der Folge seien drei Unfallhäufungsstellen definiert worden, die zu einer so genannten Unfallhäufungslinie zusammengefasst wurden und seitdem unter Beobachtung stehen. Da die Unfälle auf der L 307 vornehmlich bei Nässe passierten und Messungen ergaben, dass die Griffigkeit der Fahrbahn in Teilbereichen grenzwertig ist, ordnete die Kreisverkehrsbehörde 2015 in Teilbereichen das Tempolimit „70 km/h bei Nässe“ an, erklärt Hippenstiel. Die Umgehung wurde darüber hinaus im Sommer dieses Jahres auf einer Länge von 1300 Metern abgefräst. Hippenstiel und der Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Montabaur, Werner Kraus, gehen deshalb davon aus, dass die Unfallursache (nasse, rutschige Fahrbahn) vorerst beseitigt ist. „Wir müssen nun die Unfallsituation auf der Strecke weiter beobachten. Dann zeigt sich, ob das Abfräsen der Fahrbahn geholfen hat oder ob wir weitere Maßnahmen ergreifen müssen“, betont Hippenstiel.

    Die Verkehrsexperten raten von übertriebenem Aktionismus ab. „Wir müssen stets die tatsächliche Unfallursache herausfinden, um angemessen reagieren zu können“, betont Hippenstiel. Nach einem schweren Verkehrsunfall begutachten die Experten von Polizei und Kreis umgehend die Unfallstelle, um sich selbst ein Bild von den möglichen Unfallursachen zu machen, erläutern Kraus und Hippenstiel. Dabei belegen die Gutachten, dass Unfälle selten monokausal sind, sondern meist aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände passieren, so Kraus. Wichtig ist: Ob Warnschilder, Tempolimit, Überholverbot oder Blitzer – die getroffene Maßnahme muss immer einen kausalen Bezug zur Gefährdungssituation haben.

    Deshalb lehnen Hippenstiel und Kraus ein Tempolimit auf der Umgehung Vielbach ab. „Geschwindigkeitsmessungen haben gezeigt, dass die Umgehung keine Raserstrecke ist“, machen sie deutlich. Auf der Strecke werde im Schnitt rund 75 bis 80 Stundenkilometer gefahren. „Ein Tempolimit bringt hier also nichts. Die Leute fahren intuitiv langsam“, so das Fazit der Experten. Der jüngste schwere Unfall auf der Strecke, bei dem Anfang Juni eine 24-jährige Frau starb, sei nicht auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen gewesen, sagt Hippenstiel. „Die Frau fuhr mit ihrem Wagen 80 Stundenkilometer. Die Griffigkeit der Straße hätte laut Gutachten sogar Tempo 105 erlaubt“, so der Experte. Die junge Frau sei nach rechts gegen die Leitplanke geprallt, habe das Lenkrad verrissen und sei in den Gegenverkehr geraten. „Dass just in diesem Moment ein Auto entgegenkam, war Schicksal“, sagt Kraus.

    Fazit der beiden Experten: „Wir lassen die Bürger nicht im Stich, sondern behalten die Strecke weiter im Blick. Unser Ziel ist, die Unfallzahlen zu reduzieren. Wenn nötig, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen“, verspricht Hippenstiel. Beide Seiten wollen nun das ADAC-Gutachten abwarten und sich dann mit den Experten zusammensetzen.

    Stephanie Kühr

    Abfräsen hilft zwei Jahre

    Der zuständige Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Diez hat die Ortsumgehung Vielbach im Sommer auf einer Länge von 1300 Metern abfräsen lassen, um den Straßenbelag griffiger zu machen und dadurch die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Mit den Fräsarbeiten wurde rund 100 Meter oberhalb des Friedhofs von Vielbach begonnen. Das Ende der Maßnahme befindet sich nach LBM-Angaben im Bereich der beiden Bushaltestellen in Höhe der Fachklinik Vielbach. Im Zuge der Arbeiten mit einer sogenannten Asphaltfeinfräse wurden nach LBM-Angaben zwischen 0,5 und 1,5 Zentimeter der Fahrbahndecke (Asphaltdeckschicht) abgetragen. Der Effekt: Das Oberflächenwasser fließt besser ab, und die Griffigkeit der Fahrbahn wird erhöht – allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum. Je nach Verkehrsbelastung und Zusammensetzung des Asphaltmischgutes hält die Maßnahme in der Regel nur für bis zu zwei Jahre an, so die Behörde. Der Gummiabrieb der Reifen und Schmutz setzen sich in den feinen Fräsrillen ab. Damit ist der Effekt weg. Die Maßnahme lässt sich

    Kreis: L 307 zwischen Mogendorf und Selters ist keine Raserstrecke

    Westerwaldkreis. Auf der Umgehung Vielbach sind in den vergangenen drei Jahren viele schwere Unfälle passiert. Doch welche Maßnahmen helfen, die Strecke sicherer zu machen?

    Aus Sicht der Kreisverkehrsbehörde bringt ein Tempolimit auf der Umgehungsstrecke nichts, da die meisten Pkw-Fahrer ohnehin langsam fahren. Der ADAC Mittelrhein fordert hingegen Tempo 70.
    Aus Sicht der Kreisverkehrsbehörde bringt ein Tempolimit auf der Umgehungsstrecke nichts, da die meisten Pkw-Fahrer ohnehin langsam fahren. Der ADAC Mittelrhein fordert hingegen Tempo 70.
    Foto: Verena Hallermann

    Tempolimit: Während sich der ADAC für Tempo 70 auf der Ortsumgehung Vielbach ausspricht, lehnen Kreis und Polizei ein Tempolimit ab. Geschwindigkeitsmessungen, die im Februar 2016 durchgeführt wurden, ergaben, dass 50 Prozent der Verkehrsteilnehmer in Richtung Mogendorf nicht schneller als 73 km/h fuhren und die darüber liegenden 35 Prozent nicht schneller als 83 km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag demnach bei 73 Stundenkilometern. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit betrug 109 km/h. In Richtung Selters sah es ähnlich aus: 50 Prozent der Pkw- und Lkw-Fahrer fuhren mit 76 km/h, die weiteren 35 Prozent mit Tempo 84; die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 76 km/h. der Höchstwert lag bei 116 km/h. Herbert Hippenstiel von der Kreisverkehrsbehörde ließ die Messungen auch bei nasser Witterung durchführen. Ergebnis: Trotz der „Tempo 70 bei Nässe“-Schilder fuhren die Verkehrsteilnehmer nur 1,5 bis 3,5 Stundenkilometer langsamer als es bei trockener Witterung der Fall war. Sein Fazit: Die meisten Verkehrsteilnehmer fahren auf der Strecke intuitiv vernünftig. Die L 307 ist aus seiner Sicht keine Raserstrecke. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung mache keinen Sinn.

    Dauerblitzer: Deshalb hält der Verkehrsexperte ebenfalls nichts von einem stationären Blitzer auf der Umgehungsstrecke, zumal das Innenministerium dieser Maßnahme zustimmen muss. „Die Erfolge sind nur punktuell, da Pendler wissen, wo die Radarfalle steht und rechtzeitig abbremsen“, so der Experte. Ein Blitzer bringe nur etwas, wenn an einer Stelle, etwa an einer Kita, punktuell das Tempo gesenkt werden müsse.

    Abfräsen: Der Landesbetrieb Mobilität hat die Ortsumgehung kürzlich abfräsen lassen. Für die Dauer von rund zwei Jahren ist die Fahrbahn dadurch griffiger.

    Vorsicht: Menschliches Versagen spielt bei Unfällen zumeist eine Rolle. „Die Umgehung verzeiht keine Fahrfehler“, betont Hippenstiel mit Blick auf die hohe Verkehrsbelastung. „Denn täglich nutzen rund 12.000 Fahrzeuge die Strecke. Das ist viel“, sagt der Experte. Wer in den Gegenverkehr gerät, weil er in das Bankett kommt und das Lenkrad verreißt oder weil er unkonzentriert ist, hat demzufolge ein hohes Kollisionsrisiko.

    Konzentration: Viele Pkw-Fahrer nutzen während der Autofahrt ihr Smartphone, suchen Kontaktdaten und lesen oder versenden Nachrichten. Das kann verhängnisvolle Folgen haben. Denn bei Tempo 50 legt ein Autofahrer in einer Sekunde genau 13,8 Meter zurück – im Blindflug. „Das reicht, um von der Fahrbahn abzukommen“, betont Hippenstiel. Hinzu kommt: Prallt ein 1400 Kilogramm schwerer VW Golf bei Tempo 50 auf ein festes Hindernis, entwickelt er eine Gewichtskraft von 35 Tonnen. Ein Pkw-Fahrer mit 80 Kilogramm Körpergewicht hat – je nach Knautschzone und Fahrerassistenzsystemen des Autos – bei Tempo 50 eine Wucht von 2400 Kilo. „Das erklärt die oftmals schweren bis tödlichen Verletzungen“, erklärt Hippenstiel. Besonders betroffen sind Fahranfänger, weil ihnen die Fahrpraxis fehlt, sie risikobereiter sind, und weil sie oftmals ältere Autos oder Kleinwagen fahren.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

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