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Hachenburg

Wie ein Samurai: Schwertkampf schult Körper und Geist

Nadja Hoffmann-Heidrich

In einer neuen Einrichtung in Hachenburg wird nach Regeln der Samurai von 1693 trainiert. Die Philosophie basiert auf dem Zen-Buddhismus.

Während des gesamten Schwertkampftrainings gelten strenge Regeln und Gesetze. Fundament der Schule ist der Respekt voreinander.
Während des gesamten Schwertkampftrainings gelten strenge Regeln und Gesetze. Fundament der Schule ist der Respekt voreinander.
Foto: Röder-Moldenhau

Aus einem kleinen CD-Player erklingt leise meditative Musik. Der Boden ist mit Matten ausgelegt, wie man sie vom Judo kennt. An der Stirnseite des Raumes hängen Schwerter in Reih und Glied, dazwischen wurden Rahmen mit asiatischen Bildzeichen angebracht. Um das Dojo, den Trainingssaal, zu betreten, muss man vom Vorraum aus durch einen leichten Vorhang schreiten. In diesem Dojo in der Straße Vor der Struth in Hachenburg wird von diesem Samstag an eine altehrwürdige japanische Tradition gelehrt: die Samurai Schwertkampfkunst Mugai Ryu Iaido und Kenjutsu der Linie Meishi Ha.

Die Koblenzer Schule „Kaku-shinkai“ („Kranich“) von Mario Klersy bietet ab sofort in der Westerwälder Löwenstadt diese ungewohnte Kunstform an. Örtlicher Ansprechpartner ist der Unnauer Maik Halmer (45), der seit rund 1,5 Jahren mehrmals in der Woche in der Rhein-Mosel-Stadt trainiert und der sich darüber freut, dass diese alte Tradition nun in seiner Heimatregion präsent ist und hier, so sein Wunsch, neue Anhänger findet. Auch wenn die meisten seiner Mitschüler und Lehrer, ebenso wie er selbst, ursprünglich aus einer Kampfsportart wie beispielsweise Judo zum Schwertkampf gefunden haben, so betont er doch, dass diese Kampftechnik eben kein Sport, sondern eine Kunst ist, die den Menschen ganzheitlich formen soll.

Die Regeln und Pfeiler des Mugai Ryu Iaido Meishi Ha, die altehrwürdige, elegante, schnörkellose Form des Trainings der Samurai in seiner ureigensten Form, wurden 1693 von Zen-Mönchen begründet. Die Säulen des körperlichen Trainings sind Iaido/Iaijutsu (das schnelle Ziehen des japanischen Schwertes Katana), Kenjutsu (das Training mit dem Boku-To, dem hölzernen Schwert, welches mit einem Partner durchgeführt wird und dem Abschätzen von Distanzen dient) sowie Tameshigiri (dem Schneiden mit dem japanischen Schwert). Die geistige Schulung basiert auf der Philosophie des Zen-Buddhismus. Geist, Kraft und Ausdauer sowie die Bewegungsmotorik sollen geschult werden. Nach dem körperlichen Training meditieren Schüler und Lehrer häufig noch gemeinsam.

Volle Konzentration: Beim Schwertkampf muss man lernen, sich punktgenau auf die nächste Bewegung zu konzentrieren. Ein gutes Training für Körper und Geist, sagt der Unnauer Maik Halmer (kniend).  Fotos: Röder-Moldenhauer
Volle Konzentration: Beim Schwertkampf muss man lernen, sich punktgenau auf die nächste Bewegung zu konzentrieren. Ein gutes Training für Körper und Geist, sagt der Unnauer Maik Halmer (kniend). Fotos: Röder-Moldenhauer
Foto: Röder-Moldenhau

Im Dojo gelten klare Verhaltensregeln, wie Maik Halmer immer wieder betont. Wer den Saal betritt, unterwirft sich diesem Kodex. Seinen sozialen Status in der Welt außerhalb legt man ab, die Hierarchie ergibt sich ausschließlich durch die Leistungsgrade im Schwertkampf. Der gegenseitige Respekt steht über allem. Ein Zeichen des Respekts ist beispielsweise auch die feste Begrüßungsformel: Zunächst verbeugt sich der Trainierende vorm eigenen Schwert, später verbeugen sich alle Trainierenden vor dem gemeinsamen Weg, dem Lehrer und voreinander. Besondere Voraussetzungen, so Halmer, benötigt man für die Schwertkampfkunst nicht, lediglich die Bereitschaft, die Werte und Regeln einzuhalten. Diese sind nicht diskutierbar.

Für Maik Halmer, der aktuell an seinem 1. Dan arbeitet, macht genau dies den Reiz dieser Kunstform aus. „Man versinkt völlig, kann Überflüssiges abwerfen, muss keine Entscheidungen treffen, sondern sich nur auf die nächste Bewegung konzentrieren. An sich einfache Dinge werden immer weiter verfeinert. Das Training sind 1,5 Stunden Ichzeit.“ Diese Fokussierung habe bei ihm selbst zu mehr Gelassenheit geführt, sagt der Unternehmer Halmer, bei dem beruflicher Stress lange Zeit Schlafstörungen verursacht hatte. „Seitdem ich Schwertkampf betreibe, schlafe ich wieder gut durch. Und meine Freunde sagen, dass ich jetzt viel entspannter bin“, berichtet er. Haltung, Blick, Ausstrahlung, Voraussicht, analytisches Denken: All dies soll bei dieser Kunstform geschult, entwickelt und angewendet werden. „Einen wachen, aufmerksamen Geist zu haben heißt, alle Möglichkeiten durchgearbeitet zu haben, um einen Konflikt zu beenden“, ist auf der Homepage der Schule nachzulesen. Halmer bestätigt, dass ihm seine im Training erworbenen Fähigkeiten auch im Berufs- und im Privatleben zugutekommen.

Ihm ist aber auch wichtig zu betonen, dass das Kakushinkai eine friedfertige Schule ist. „Wir trainieren die Verteidigung, nicht den Angriff.“ Die Techniken gehen zwar auf die altjapanischen Samurai zurück, jedoch solle man sich nicht von irgendwelchen übertriebenen Filmdarstellungen beeinflussen lassen. Verletzungen seien äußerst selten, heißt es auf der Internetseite. Mit scharfer Klinge darf übrigens erst ab dem 3. Dan trainiert werden.

Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

Die Schwertkampfkunstschule Kakushinkai stellt sich in Hachenburg an diesem Samstag, 13. Januar, ab 14.30 Uhr bei einem Tag der offenen Tür vor. Weitere Infos im Internet: http://mugai-ruy.net

Japanische Kultur vermitteln

Schwertkampf und die Tradition der Samurai sind mehr als die rein körperliche Beherrschung der Waffe. Auch wenn es den Samurai 1897 verboten wurde, in der Öffentlichkeit ein Schwert zu tragen, ist dieser Gegenstand in der japanischen Kultur bis heute ein hohes Gut geblieben.

Kunstvoll gestaltete Schwerter werden nach wie vor innerhalb von Familien weitervererbt. Für Schwertkämpfer wie Maik Halmer ist es selbstverständlich, sich neben dem Training auch mit den überlieferten Traditionen, der Philosophie des Zen-Buddhismus und mit den anderen (eher kleinen) Dingen zu beschäftigen, in denen die Samurai geschult waren: so beispielsweise in der Teekunst und in der Kalligrafie. Die wesentliche Tradition möchten Halmer und seine Mitstreiter mit der neuen Schule in Hachenburg transportieren. „Langfristig würden wir gerne eine kulturelle Begegnungsstätte schaffen, für die wir dann auch jemanden suchen, der speziell für Meditation zuständig ist“, kündigt Halmer an, der 2019 seine erste Japan-Reise plant.

Bis zu einem solchen Zentrum, so der Unnauer weiter, brauche man vermutlich einen langen Atem, da es sich hierbei um ein für die Region eher ungewöhnliches Thema handelt. „Aber Hachenburg ist kulturell sehr offen, sodass ich optimistisch bin“, gesteht Halmer. Interessierten ruft er zu, dem Neuen ohne Vorurteile zu begegnen, Kritikern des Kampfes mit der Waffe hält er eine japanische Legende entgegen: „Ein Schüler fragt den Meister: ,Du erklärst mir die Kampfkunst und redest vom Frieden. Wie passt das zusammen?' Darauf antwortet der Meister: ,Lieber ein Krieger im Garten, als ein Gärtner im Krieg.'“ Zu den Lebensprinzipien der Samurai (und zu denen der heutigen Kämpfer) gehört auch das uneingeschränkte Einstehen für Wehrlose. Für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen wurden eigene Schwerttechniken eingeführt. „Jeder soll bei uns mitmachen können“, erklärt Halmer.

Die Koblenzer beziehungsweise Westerwälder Kämpfer sind durch ihre Mitgliedschaft in einem gemeinnützigen Fachverband eng mit den traditionellen Schulen in Japan verbunden. Nur so ist es ihnen möglich, entsprechende Prüfungen abzulegen. Großmeister zurzeit ist Niina Gyokusou Toyoaki (Träger des 8. Dan), der mindestens einmal im Jahr nach Deutschland kommt, um europäische Schüler zu trainieren. Europäisches Zentrum des Mugai Ryu ist Köln, wo auch Maik Halmer und seine Kollegen aus der Schule „Kakushinkai“ regelmäßig an Veranstaltungen teilnehmen. nh

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