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Rennerod

Tanken bald aus eigener Produktion: Mit grünem Wasserstoff ab in die Zukunft

Michael Wenzel

Liegt die Zukunft für die Mobilität auf den Straßen in der Verwendung von grünem Wasserstoff? Wenn dem so wäre, würde künftig statt Kohlenmonoxid und Staubpartikel nur noch reines Wasser als Abfallprodukt die Auspuffrohre verlassen. Alles nur Utopie? Falsch!

Jürgen Fuhrländer, der mit seinem Unternehmen GFW seit mehr als 17 Jahren im Bereich der Windenergie tätig ist, hat die ersten drei Fahrzeuge seines Firmenfuhrparks, die mit Wasserstoff gespeist werden, in Dienst gestellt. Foto: Röder-Moldenhauer
Jürgen Fuhrländer, der mit seinem Unternehmen GFW seit mehr als 17 Jahren im Bereich der Windenergie tätig ist, hat die ersten drei Fahrzeuge seines Firmenfuhrparks, die mit Wasserstoff gespeist werden, in Dienst gestellt.
Foto: Röder-Moldenhauer

Deutschlandweit stehen derzeit etwa lediglich 30 Tankstellen für das Betanken von Fahrzeugen mit Wasserstoff zur Verfügung. Dies will die Firma GFW in Rennerod im kommenden Jahr für ihre Eigennutzung ändern und verbessern. Firmenchef Jürgen Fuhrländer, der mit seinem Unternehmen seit mehr als 17 Jahren im Bereich der Windenergie tätig ist, hat die ersten drei Fahrzeuge seines Firmenfuhrparks, die mit Wasserstoff gespeist werden, in Dienst gestellt. Zum Betanken müssen die Mitarbeiter zwar bislang bis Limburg fahren, aber noch in diesem Jahr will der Unternehmer seinen eigenen grünen Wasserstoff produzieren.

„Hundertprozentig grüner Wasserstoff wird einen wichtigen Beitrag für Nutzung, Speicherung und Transport erneuerbarer Energie leisten“, ist sich Jürgen Fuhrländer mehr als sicher und erläutert seine Pläne, die noch in diesem Jahr komplett in die Tat umgesetzt werden sollen. Diese erste Wasserstoffgewinnungsanlage, die durch eigene, langjährige Forschung in der Nutzung und Auslegung erneuerbarer Energieprojekte entwickelt wurde, wird nach aktuellem Entwicklungsstand mit einer hocheffizienten Elektrolysetechnik in Betrieb gehen. Gespeist wird sie von einer schwenkbaren Fotovoltaikanlage auf dem Firmengelände. Auch sie eine vollständige Eigenentwicklung und Konstruktion des Unternehmens. Der Prototyp dazu wurde bereits im vergangenen Jahr auf dem Firmengelände errichtet.

Noch in diesem Jahr will der Unternehmer seinen eigenen grünen Wasserstoff produzieren, um die Autos damit zu betanken.  Foto: Röder-Moldehauer
Noch in diesem Jahr will der Unternehmer seinen eigenen grünen Wasserstoff produzieren, um die Autos damit zu betanken.
Foto: Röder-Moldehauer

Die Firma GFW führt seit dem Jahr 2001 Serviceleistungen und Instandsetzungen an Windenergieanlagen von unterschiedlichsten Herstellern durch. Das Unternehmen hat sich ebenfalls auf das sogenannte Repowering spezialisiert, das heißt, alte Anlagen werden demontiert, wieder auf den neusten technischen Stand versetzt und neu errichtet, so etwa in Südafrika, Osteuropa, Polen, Tschechien, Italien oder Frankreich. Alleine in Nordirland konnten in den vergangenen drei Jahren 30 Projekte realisiert werden. Südlich von Belfast betreibt GFW auch einen Servicestützpunkt, die nordirischen Mitarbeiter werden in Rennerod ausgebildet. Mit diesen Mitarbeitern gibt GFW 35 Menschen Brot und Arbeit.

Einen ganz neuen Schritt in der Firmenentwicklung will Jürgen Fuhrländer nun mit der Produktion von grünem Wasserstoff und der Verwendung von Wasserstoff betankten Fahrzeugen gehen. Hierfür hat er für sein Unternehmen eigens drei Hyundai ix 35 im Gesamtwert von knapp 200.000 Euro angeschafft. „Das war für uns schon eine große Investition“, verdeutlicht der Unternehmer. Wasserstoff sei zurzeit ein Abfallprodukt, aber es sei als Überschussenergie in vernünftiger Form leicht zu speichern und zu transportieren. Mit einer Tankkapazität von fünf Kilogramm Wasserstoff kann ein entsprechendes Fahrzeug bei einer Tankzeit von etwa vier Minuten je nach Fahrweise und bei einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometer eine Strecke von circa 500 Kilometer zurücklegen. „Vor zehn Jahren lag der Kilopreis bei 30 Euro, heute bei 9 Euro das Kilo. Das ist bereits ein großer Schritt. Künftig könnten sich die Kosten durch eine industrielle Produktion noch weiter reduzieren lassen“, ist sich Fuhrländer sicher. Doch noch sei viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Schon im Herbst soll der erste eigene grüne Wasserstoff „Made in WW“ produziert werden. Und so soll es funktionieren: In einem ersten Ausbauschritt entstand eine dem Sonnenstand nachgeführte Fotovoltaikanlage. Die Anlage, ein Prototyp, wurde bereits auf dem Firmengelände errichtet, fährt täglich mechanisch dem Sonnenstand nach und kann somit immer die optimale Sonneneinstrahlung nutzen. Weitere Anlagen nahe dem Firmengelände sollen folgen. Mit dem aus Sonnenenergie gewonnenen Strom wird ein Elektrolyseur versorgt. Beide Elektroden, also Anode und Kathode, sind eingebunden in ein Wasserreservoir und durch eine Membrane voneinander getrennt. Es handelt sich bei dem Wasser um konventionelles Leitungswasser, das zuvor gefiltert wird. Mithilfe des Elektrolyseurs wird das Wasser sodann in seine Elemente Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) gespalten. Diese beiden Elemente liegen nunmehr sehr sortenrein als Gas vor. „Je nach Zwischenspeicher wird der Wasserstoff anschließend zu einem Verdichter geleitet. Hier erfolgt dann die Verdichtung auf einen vorgegebenen Vordruck“, erläutert Jürgen Fuhrländer. Auf diese Weise können mit dem Mehrertrag der Fotovoltaikanlage auf dem Gelände der GFW täglich circa 40 Kilogramm grüner, zu 99,95 Prozent reiner Wasserstoff erzeugt und vermarktet werden. Für den Sauerstoff besteht derzeit keine Verwendung, er wird in die Atmosphäre entlassen. Der mit Sonnenergie gewonnene Wasserstoff wird anschließend für seine Verwendung in der Firmenflotte in eine Flaschenbatterie gefüllt, die wird unter Druck betankt.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Sonnenenergie.  Foto: Röder-Moldenhauer
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Sonnenenergie.
Foto: Röder-Moldenhauer

„Wir sind sehr zuversichtlich, was das Projekt betrifft“, macht Firmenchef Fuhrländer deutlich. Und er will den erzeugten grünen Wasserstoff nicht nur einzig und alleine für seine Firma nutzen. „Solch eine Flaschenbatterie ist einfach zu transportieren und kann als Voll- oder Leergut gehandelt werden. Diese Batterien werden zum Kunden transportiert. Dort erfolgt die Betankung. Je nach Fahrzeug muss ein unterschiedlicher Druck zum Betanken verwendet werden“, erklärt Jürgen Fuhrländer weiter. Vom Tank des Fahrzeugs aus wird der Wasserstoff an die Brennstoffzelle geführt. Dort erfolgt ein Umwandlungsprozess, indem der Wasserstoff mit Umgebungssauerstoff verbunden wird. Es entsteht eine chemische Reaktion: Die Moleküle Wasserstoff und Sauerstoff verbinden sich wieder, und es entsteht elektrische Energie, mit dem der Elektromotor angetrieben wird. Als Abfallprodukt bleibt reines Wasser zurück. Bereits in diesem Herbst soll das erste Fahrzeug aus der GFW-Flotte mit dem eigenen grünen Wasserstoff betankt werden.

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

Auch mit Windenergie Wasserstoff erzeugen

Und die Visionen des Westerwälders gehen noch weiter. Dabei spielen die Windenergieanlagen eine große Rolle. „Windenergieanlagen“, so der Unternehmer, „werden in der Regel an einem Standort betrieben und speisen die erzeugte Energie nach einem festgesetzten Tarif, der durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegt ist, in das öffentliche Stromnetz ein.

Nach 20-jähriger Betriebszeit aber ändert sich dies, da der Vergütungstarif nach EEG wegfällt.“ Und hier setzt Fuhrländer jetzt mit seiner Idee an: Er möchte seinen Kunden sodann für den Weiterbetrieb der Anlagen anbieten, mit der Windenergie Wasserstoff zu erzeugen. „Dazu übernimmt die GFW sämtliche Servicedienstleitungen an der Anlage und vergütet einen Festbetrag für die erzeugte elektrische Energie, die von der GFW zur Wasserstoffproduktion eingesetzt wird. So kann der Betreiber nach wie vor seine Anlage auf sinnvolle Weise wirtschaftlich betreiben“, so Fuhrländer. Die Ausstattung der Anlage mit der geeigneten Elektrolysetechnik installiert GFW und vermarktet anschließend den erzeugten Wasserstoff für umweltfreundliche Mobilität. Das Potenzial ist enorm, denn, das macht der Firmenchef abschließend deutlich: „Eine mittelgroße Anlage mit einer Nennleistung von circa einem Megawatt kann bis zu 18 Tonnen Wasserstoff im Jahr erzeugen.“

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