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Westerwald

Schonende Holzernte: Rückepferde sind gern gesehene Arbeiter

Susanne Willke

Im Winter beginnt die Holzernte. Die Zeit, in der Flora und Fauna ruhen, ist die richtige Zeit, um im wirtschaftlich genutzten Wald Bäume zu fällen. Eine Zeit, in der Rückpferde wie Ruben zum Einsatz kommen können.

Mit Leichtigkeit zieht der belgische Kaltblüter Ruben Bäume durch nachwachsenden Buchenwald, ohne ihn zu beschädigen. Nur ein Wort von seiner Leiterin Christel Erz, und er geht, wohin sie will. Sie sind ein eingespieltes Team, so wie es zwischen Arbeitspferd und seinem Besitzer sein sollte, egal, welche Arbeit das Tier zu verrichten hat. Ruben trägt nicht einmal Hufeisen, so naturgemäß ist die Arbeit im Wald für ihn.  Foto: Röder-Moldenhauer
Mit Leichtigkeit zieht der belgische Kaltblüter Ruben Bäume durch nachwachsenden Buchenwald, ohne ihn zu beschädigen. Nur ein Wort von seiner Leiterin Christel Erz, und er geht, wohin sie will. Sie sind ein eingespieltes Team, so wie es zwischen Arbeitspferd und seinem Besitzer sein sollte, egal, welche Arbeit das Tier zu verrichten hat. Ruben trägt nicht einmal Hufeisen, so naturgemäß ist die Arbeit im Wald für ihn.
Foto: Röder-Moldenhauer

Ruben gehorcht aufs Wort. Auch auf solche, die ein Mensch kaum wahrnehmen kann. Das belgische Kaltblut gehört zu einem der neun Rückepferde, die Christel Erz auf ihrem Hof in Baden-Württemberg ausgebildet hat. Auf Einladung von Monika Runkel, der Leiterin des forstlichen Bildungszentrums in Hachenburg, informiert sie Mitarbeiter von Landesforsten aus ganz Rheinland Pfalz über die Arbeit mit Rückepferden. Mit ihnen könnte ein Teil der Waldfläche schonender abgeerntet oder gerodet werden als mit schwerem Gerät wie zum Beispiel einem Harvester. Sie arbeiten leise und sichtbar im Sinne der Nachhaltigkeit, damit seien die Tiere Sympathieträger und somit ein natürliches Mittel, der Arbeit im Forst ein positiveres Ansehen zu verschaffen, so die Pferdetrainerin aus Schwaben.

Das schwere braune Pferd mit der hellen Mähne und dem Spezialgeschirr steht mitten im Wald und wartet auf den nächsten Befehl. Mehrere Jahre Ausbildung und regelmäßiges Training sind nötig, um ein Pferd fit für den Forst zu machen. Während das Pferd selbst eine Spezialausbildung braucht, gilt dies bisher nicht für den Menschen, der die Zügel hält. Doch Christel Erz plädiert dafür, daraus einen Ausbildungsberuf zu machen oder den Bereich zumindest an bestehende Ausbildungsberufe wie den zum Forstwirt, Pferdewirt oder Landwirt anzugliedern. Eine Gebrauchsanleitung wie bei einem technischen Gerät gebe es eben nicht, sagt Andreas Schäfer vom Forstrevier Marienstatt. Ein Pferdeführer, der mit einem Rückepferd arbeitet, brauche zwar keine Spezialkenntnisse im Forst, wohl aber im Umgang mit Pferden. Dabei geht es Christel Erz vor allem um den Tierschutz. Das Wohlbefinden des Tieres gehe vor allem. Es müsse frei sein von Hunger und Durst, von Unbehagen wie Nässe und Zugluft, von Schmerz, Verletzungen und Krankheit, von Angst und Stress, und es müsse auch seine normalen Verhaltensweisen in Freiheit ausleben dürfen. Nur dann funktioniere ein Rückepferd auch wirtschaftlich.

Zwar bedient das Rückepferd nur ein sehr schmales Segment, da es bei der Arbeit mit besonders starken Bäumen in sehr schwierigen Waldstücken den Harvester nicht ersetzen kann. Doch bietet die Arbeit mit Rückepferden viele Vorteile. Sie hinterlassen weniger Schäden. Der Waldboden wird geschont und nicht so stark verdichtet wie mit schwerem Gerät. Bodenleben und auch umstehende Bäume werden geschont. Zudem lässt sich mit einem Pferd die Arbeit entzerren, weil das Wetter und damit die Bodenverhältnisse keine so große Rolle spielen. Zudem arbeitet das Tier CO2-neutral. „Die Stärke eines Pferdes liegt in seiner Wendigkeit, nicht in einer PS-Zahl“, betont die Seminarleiterin. Sinnvoll könnten sie eingesetzt werden, um den Bestand in einem jungen Wald zu pflegen und ein erstes Mal zu durchforsten. Dabei würden sie quasi der Maschine zuarbeiten.

Aber auch in Problemflächen wie zum Beispiel in Rückegassen, in denen der Waldboden nicht tragfähig ist, könnten sie im Gegensatz zur Maschine gut arbeiten. Etwa zehn Prozent der Gesamternte seien vom Pferd zu leisten, schätzt Christel Erz: Deshalb gehört etwas Idealismus dazu: „Der Waldbesitzer muss es wollen“, erklärt sie. Die Offenheit der Förster sei wichtig. Alles in allem ist es ein Markt, in dem großes Wachstum möglich ist. In Baden-Württemberg zum Beispiel wird die Arbeit mit Rückpferden vom Land gefördert. Das ist hierzulande noch nicht der Fall.

Christel Erz ist mit Arbeitspferden groß geworden. Sie bewirtschaftet den Betrieb Rossnatour in Laichingen und bildet dort auch aus. Ein Pferderücker, der bei ihr nach einem bestimmten Fachsystem ausgebildet wird, muss eine dreijährige Lehre machen und kann sich anschließend zwei weitere Jahre zum Meister ausbilden lassen. Ganz wie in anderen Lehrberufen auch.

Von unserer Redakteurin Susanne Willke

Was ist ein Kaltblut?

Als Kaltblüter werden Pferderassen bezeichnet, die sich durch ein hohes Körpergewicht und ein ruhiges Temperament auszeichnen und als schwere Zugpferde eingesetzt werden. Warmblüter dagegen werden als Reitpferde eingesetzt. Gemeint ist das Temperament der Tiere, nicht die Körpertemperatur.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Nutzung von Kaltblutrassen wie Niederländisches Kaltblut, Noriker, Rheinisch-Deutsches Kaltblut, Mecklenburger Kaltblut, Schleswiger Kaltblut, Schwarzwälder Kaltblut, Shire Horse, Westfälisches Kaltblut und Belgier als Arbeitspferde in Landwirtschaft und Industrie weit verbreitet. Geschätzt wurden vor allem ihr enormes Leistungsvermögen und ihre Gutmütigkeit. Auch wenn der Bestand stark geschrumpft ist, scheint er bei den meisten Rassen dennoch gesichert. Kaltblutpferde werden heute in der Forstwirtschaft als Rücke-pferde eingesetzt, wenn die Nutzung schwerer Maschinen nicht möglich oder nicht erwünscht ist. Aber auch als Freizeit- und Familienpferde werden sie gerne genutzt.

Westerwald extra
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