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Westerwaldkreis

Meine Reise in die Welt von Isetta und Käfer: WZ-Redakteur hat sich "Kleinwagen Wunderzeit " angesehen

Wer von den alten oder zumindest etwas älteren Lesern erinnert sich nicht daran, wie in den 50er- und 60er-Jahren die Goggos und Isettas durch die Dörfer im Westerwald zuckelten? Wissen Sie es noch? Wenn nicht: Besuchen Sie die neue Sonderausstellung „Kleinwagen Wunderzeit“ im Landschaftsmuseum in Hachenburg. WZ-Redakteur Markus Müller hat sich die Ausstellung angesehen und sagt. "Es lohnt sich."

Ich selbst habe in meinem Geburtsort Niedererbach in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre die Endzeit der Kleinwagen noch miterlebt. Dummerweise habe ich es damals irgendwie versäumt, in einem der interessanten Fahrzeuge mal mitzufahren. Umso interessanter ist auch für mich die Hachenburger Ausstellung. Sie dürfte die interessanteste und gleichzeitig schönste sein, die das Landschaftsmuseum bisher gezeigt hat.

Besonderen Eindruck machte früher die BMW Isetta auf mich, weil sie ja nur zu besteigen war, wenn man die komplette Vorderseite aufklappte. Ein solches Auto surrte quasi jeden Tag durch unser Dorf: Onkel – so nannte man ja jeden älteren Mann im Dorf – Alois fuhr damit von seinem Wohnhaus nahe der Kirche auf die andere Seite von Niedererbach zum kleinen Bahnwärterhäuschen am Eisenbahnhaltepunkt. Er war nämlich der Mann, der die Bahnschranken schließen und wieder öffnen musste, wenn der Zug kam – damals oft noch von einer Dampflok gezogen.

Die Isetta ist auch in der Hachenburger Schau ein Blickfang. Sie fällt durch ihre eigenwillige Form und ihre technischen Details aus dem Rahmen. Heute noch genießt sie einen großen Bekanntheitsgrad und Kultstatus.

WZ-Redakteur Markus Müller hat sich die Ausstellung angesehen.
WZ-Redakteur Markus Müller hat sich die Ausstellung angesehen.

Goggos blubberten, mit ihrem typischen Zweitakter-Geräusch, mindestens zwei zu dieser Zeit durch das damals noch recht kleine Niedererbach, das aber von mehreren recht langen Straßen durchzogen wurde. Eins fuhr Onkel Willibald, bei dem es nicht nur die typischen Moped-Versicherungskennzeichen gab, sondern der zum Beispiel auch sehr gut Werkzeuge schärfen konnte. Das zweite Goggomobil war noch häufiger im Dorf zu sehen. Onkel Hannes hatte daran einen einfachen Handwagen angehängt. Seine Aufgabe war es, die Gullys im Dorf zu reinigen. Den Inhalt der Siebeimer kippte er dann einfach in den Handwagen.

In Landschaftsmuseum erinnert sich die Besitzerin eines 13,6 PS starken Goggomobils mit seinen 245 Kubikzentimetern und 72 km/h Höchstgeschwindigkeit an die erste Einkaufsrückfahrt von Koblenz in den Wohnort Hundsangen: „Mit dem Goggo nach Koblenz, fünf Personen, darunter drei Mädels, Einkaufstüten und dann Ehrenbreitstein hoch. Das war heftig.“

Ja, und eine Tankstelle hatte das damals schon moderne Niedererbach auch schon. Sie betrieb ein echter (Groß-)Onkel von mir: Bernhard, ein Bruder meines Emil-Opas, in der Bergstraße. Daneben war er als Installateur tätig, erledigte kleine Reparaturen und verkaufte auch Fahrräder. Es war eine Tankstelle, wie man sie jetzt auch in der Hachenburger Ausstellung – die hier nachgestellte Tankstelle stand ursprünglich an der Bundesstraße 54 in Zehnhausen bei Rennerod, wo ihr eine Raststätte angeschlossen war – sehen kann: eine oder zwei Zapfsäulen am Straßenrand; dazu eine kleine Mischanlage, mit der man das passende Benzin-Öl-Gemisch für die Zweitakter zusammenmixen konnte.

Nach und nach kamen dann die Nachfolger der Kleinwagen ins Dorf: Ein entfernter Verwandter fuhr einen Fiat 500, der irgendwann so durchgerostet war, dass dem Vernehmen nach eine Eisenstange in den Boden geschweißt wurde, damit man nicht zur Straße durchbrach.

Mein Vater kaufte dann als erstes Auto in der ersten Hälfte der 60er-Jahre einen hellblauen VW Käfer. Mit dem fuhren wir – Papa, Mama, meine beiden älteren Schwestern und ich – zum Campingurlaub an die Adria. Fünf Personen und das ganze Campingzubehör wurden in den Käfer gepackt, der noch nicht einmal einen Dachgepäckträger hatte. Aber mein findiger Vater hatte so einige Patentlösungen gefunden: Auf das Reserverad im Kofferraum, der beim VW ja vorne war, kam ein passender, selbst gebastelter runder Holztisch mit abnehmbaren Beinen. Der Rest des Gepäcks – unter anderem ein Hauszelt aus festem Leinenstoff mit einem noch mal so schweren Eisengestänge, das in zwei große Säcke verpackt war, musste so gut es ging dazu. Auf dem, was nicht reinpasste, saßen wir Kinder. Aber da war ja auch noch der kleine Gepäckraum hinter der Sitzbank. Für die hatte Papa eine perfekt passende Holzkiste gebaut, in der ein Spirituskocher und das ganze Küchenzeugs untergebracht waren. Schon purer Luxus waren zwei einfache Klapphocker, ähnlich denen, die auch in der Hachenburger Ausstellung in der kleinen Campingabteilung gezeigt werden. Als meine jüngste Schwester auf die Welt kam, war dann die Käfer-Zeit vorbei: Für die jetzt sechsköpfige Familie wurde ein gebrauchter, weinroter Mercedes 200 Diesel angeschafft. Das war schon fast Wohlstand pur, zumal unser Mitte der 60er-Jahre erbautes Wohnhaus auch schon eine Garage hatte. Auch dem Thema Garage und den „Garagenfunden“ wird in Hachenburg Ausstellungsraum gewidmet.

Ich selbst fing dann Ende der 70er-Jahre selbst mit einem Kultauto an, an dessen Anschaffung sich meine Mama beteiligte, die dann auch noch ihren Führerschein machte: einem orangefarbenen Citroen 2CV, der legendären Ente. Mit diesem Gefährt und vor allem dem weit zu öffnenden Rolldach hatte ich einen solchen Spaß, dass auch meine nächsten drei Autos grüne, beige und rote Enten waren – bis sie leider nicht mehr gebaut wurden. Natürlich war ich bei der Ausstellungseröffnung in Hachenburg der Erste, der den Radwechsel an einer 2CV-Achse durchführte. Leider mit einem Radkreuz. Die typische Kurbel, die nicht nur zum Radwechsel, sondern zum Abschrauben der Kotflügel, für den Wagenheber und zur Not zum Anwerfen der Ente genutzt wurde, hat das Museum noch nicht in der Ausstellung. Ich muss mal zu Hause nachschauen, ob ich noch eins dieser Universalwerkzeuge hab, dass ich dem Landschaftsmuseum ausleihen kann.

Von unserem Redaktionsleiter Markus Müller

Wunderwelt der Kleinwagen fasziniert im WW-Museum

Hachenburg. Der Sonntag war ein Tag der doppelten Freude im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg: Die neue große Sonderschau "Kleinwagen Wunderzeit" wurde eröffnet und gleichzeitig der Erweiterungsbau am gelben Hofgartenhaus in Betrieb genommen.

Noch bis August gibt es die Sonderschau im Landschaftsmuseum. 
Noch bis August gibt es die Sonderschau im Landschaftsmuseum. 
Foto: Roeder-Moldenhauer

"Das ist aber noch nicht die Einweihung", machte Landrat Achim Schwickert im auf Anhieb rappelvoll besetzten geräumigen Veranstaltungssaal deutlich, "denn noch ist nicht alles fertig." Deutlich machte er aber auch, dass der Termin der Ausstellungseröffnung nicht besser hätte passen können: Wegen der Dieseldebatte ist das Auto zurzeit d a s Thema.

Der Neubau am Hofgartenhaus und der Gewölbekeller machen großflächige Inszenierungen, wie eine Tankstelle, eine Autogarage, eine Werkstatt, eine Straßenszene und einen Campingplatz möglich. Diese wiederum bieten den passenden Rahmen für die Originalfahrzeuge und lassen die 1950er- und 1960er-Jahre wieder greifbar werden. Die kleinen Autos sind zwar allesamt Leihwagen, meist aus privater Hand oder vom Ideengeber der Ausstellung, dem Freilichtmuseum in Lindlar, und dürfen deshalb nicht betreten werden.

Aber einige Stationen, wie ein Reifenwechselplatz, laden auch zum Mitmachen ein, machte Ausstellungskurator Dr. Moritz Jungbluth deutlich. Er skizzierte auch kurz die Entwicklung des Kraftfahrzeugwesens vom Fahrrad mit Hilfsmotor über Motorrad und -roller hin zum Kleinwagen, insbesondere auch im Westerwald. Gleichzeitig beschrieb er kurz die einzelnen Kleinwagen und ihre Geschichte und wies auf die passenden Inszenierungen hin, zu denen auch Kinderfahrzeuge, Seifenkistenrennen und sogar ein kleines Autokino gehören.

Museumsleiter Dr. Manfrid Ehrenwerth konnte sein Glück kaum fassen, dass der neue Erweiterungsbau fast fertig ist und endlich genutzt werden kann. Immerhin hat er eine mehr als fünfzehnjährige Vorgeschichte. Als Nächstes soll jetzt der Eingangsbereich umgebaut und modernisiert werden.

Aber zuerst einmal dankte der Museumschef seinem Team, allen voran Moritz Jungbluth und Haustechniker Lucas Janßen, für die äußerst gelungen gestaltete Sonderaustellung. Jungbluth gab den Dank gerne an die rund 40 Leihgeber aus dem ganzen Westerwald und dem Umland weiter, ohne deren Exponate die Schau nicht zustande gekommen wäre. 

  • Die Sonderschau "Kleinwagen Wunderzeit" ist noch bis zum 26. August zu sehen. Das Landschaftsmuseum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Westerwald extra
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