40.000
Aus unserem Archiv
Westerwaldkreis

Gartenabfälle richtig entsorgen: Warum das Grün nicht in die Natur darf

Das Frühjahr lockt die Hobbygärtner wieder nach draußen. Der Garten wird schick gemacht. Doch wohin mit den Grünabfällen? In der freien Natur dürfen sie auf jeden Fall nicht entsorgt werden.

Je nach Größe gehört Grünabfall entweder auf den Wertstoffhof des WAB oder in die Biotonne.  Foto: dpa
Je nach Größe gehört Grünabfall entweder auf den Wertstoffhof des WAB oder in die Biotonne.
Foto: dpa

Die Hecke ist geschnitten, der Baum gestutzt, die Wurzeln abgestorbener Pflanzen herausgerissen. Doch was macht der Gartenfreund nun? Wohin mit Ästen, Heckenschnitt, Laub und was sonst noch so alles anfällt? Ab in den Kofferraum oder in den Hänger und dann in der Natur entsorgen? Das ist keine gute Idee.

Es kommt immer wieder mal vor: Mitten im Wald oder in der Flur trifft man auf Grünabfall, der dort nicht hingehört. Gedankenlos entsorgt nach dem Motto: Sind ja natürliche Abfälle, die können keinen Schaden anrichten. Tun sie aber doch – ganz abgesehen davon, dass diese Art der Abfallentsorgung illegal ist. Und das hat seinen Grund: Der Grünabfall könnte dafür sorgen, dass die Böden überdüngt oder gebietsfremde Organismen freigesetzt werden. Durch Sickerwasser kann auch das Grundwasser belastet werden, sagen die Fachleute. Das heißt: Verrottende Gartenabfälle führen dazu, dass die Nährstoffzusammensetzung des Bodens empfindlich gestört wird. Nitrat gelangt in den Boden. Dieses Salz kann aber nicht in dieser Menge von den Pflanzen aufgenommen werden. Folglich geht es ins Grundwasser und schädigt das Trinkwasser. Enthalten Gartenabfälle Zwiebeln und Knollen, kann es dadurch zur Ausbreitung nichtheimischer Pflanzen kommen. Die wiederum verdrängen die heimische Flora und auch die Tiere, für die die Pflanzen eine Nahrungsgrundlage sind. Zudem können Zweige von Strauch- und Baumschnitt Pilzkrankheiten übertragen.

Die Folgen der illegalen Grünabfallentsorgung sind nicht nur für die Natur gravierend. Sie können es auch für den Bürger sein. Denn es drohen saftige Strafen. Je nach Schwere des Delikts kann ein Ordnungswidrigkeiten- oder ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden. Das kann schon mal mehrere Hundert Euro kosten.

Wird eine illegale Ablagerung entdeckt, versucht die Kreisverwaltung zunächst, den Verursacher ausfindig zu machen. Allerdings fällt es oft schwer, den Tätern auf die Schliche zu kommen. Oftmals wird der Abfall unerkannt abgeladen. Nur hin und wieder hilft aber auch der Zufall.

Grünabfall und Biomüll dürfen auf keinen Fall in der freien Natur entsorgt werden.  Foto: Dagmar Schweickert
Grünabfall und Biomüll dürfen auf keinen Fall in der freien Natur entsorgt werden.
Foto: Dagmar Schweickert

Jeder Landkreis hat sein eigenes Entsorgungskonzept. Und so gibt es auch im Westerwaldkreis ein strukturiertes System für Grünabfall. Es wird sowohl bei der Erfassung als auch bei der Verwertung zwischen Grünschnittabfall und Bioabfall unterschieden. Je nach Art des Abfalls sind also sowohl die Kompostierung als auch die Vergärung gebräuchliche Verwertungsverfahren. Ob und welche Mengen entsorgt werden können, richtet sich nach der jeweiligen Betreiber-Anlagenkapazität.

Im Westerwaldkreis können die angeschlossenen Haushalte den Grünschnittabfall an zwei Standorten des Westerwaldkreis-Abfallwirtschaftsbetriebes (WAB) zur Kompostierung anliefern: auf der Deponie in Meudt und auf der Deponie in Rennerod. Das funktioniert allerdings nach dem Bringsystem, das heißt, der Gärtner muss sich selber mit dem Grünabfall auf den Weg machen. Zweimal im Jahr wird der Grünschnitt aber auch zusätzlich in jeder Gemeinde an der Straße abgeholt.

Aus dem gesammelten Grünschnitt wird später durch die Kompostierung ein hochwertiger Gartenkompost, der sogar mit dem RAL-Gütezeichen versehen ist. Das Wort „Kreislaufwirtschaft“ bekommt dabei ein reales Gesicht – aus dem Garten in den Garten.

Die Abfälle in der Biotonne, die alle zwei Wochen entsorgt werden, haben aber mit der vorher erwähnten Kompostierung auf den WAB-Standorten nichts zu tun. Die in der Biotonne gesammelten Bioabfälle haben im Gegensatz zu reinem Grünschnittabfall eine heterogene Zusammensetzung. Deshalb werden diese Bioabfälle im Westerwaldkreis zur Vergärung in eine Biogasanlage gegeben. Diese Anlage erzeugt neben Strom und Wärme ebenfalls auch noch einen Gärrest mit Komposteigenschaft. Auch dabei wird also der Verwertungskreislauf wieder geschlossen.

Albrecht Kahl/ Susanne Willke

Schnittzeit beachten

Westerwaldkreis. Die Untere Naturschutzbehörde des Westerwaldkreises weist darauf hin, dass mit Beginn des März bei Rückschnitt- und Rodungsarbeiten gesetzliche Vorgaben gelten. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze zwischen dem 1. März und 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Verstöße stellen eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße geahndet werden können.

Ausnahmen bestehen auf gärtnerisch genutzten Grundflächen wie Gärtnereien, Baumschulen und auch privaten Gärten und Parkanlagen, die hobbymäßig betrieben werden und im Siedlungs- oder Innenbereich liegen. Dort dürfen auch im geschützten Zeitraum insbesondere Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder Gesunderhaltung von Bäumen durchgeführt werden. Das generelle Verbot gilt zudem in begründeten Einzelfällen nicht, wenn der Verkehrssicherungspflicht Genüge getan werden muss.

Unabhängig von den Schonzeiten sind bei allen Gehölzarbeiten sowohl im Siedlungs- als auch im Außenbereich die artenschutzrechtlichen Vorschriften zum Schutz von Tieren zu beachten. Zwischen Anfang März und Ende September kann davon ausgegangen werden, dass Vögel in den Gehölzen brüten und durch Schnitt- und Rodungsarbeiten Gelege und Jungvögel beeinträchtigt oder getötet werden. Damit läge ein Verstoß gegen die strengen artenschutzrechtlichen Verbote des Bundesnaturschutzgesetzes vor, die im Zweifelsfall sogar zu Strafverfahren führen können.

Auskunft erteilen bei der Unteren Naturschutzbehörde des Westerwaldkreises Franz Kemper unter Telefon 02602/124.273 und Frank Buchstäber unter Telefon 02602/124.296.

Westerwald extra
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Donnerstag

14°C - 28°C
Freitag

8°C - 22°C
Samstag

7°C - 18°C
Sonntag

12°C - 19°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerien: Fotos unserer Leser
&bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.