40.000
Aus unserem Archiv

Die Lebensmittel-Retterin: Warum eine junge Frau in Montabaur einen Kühlschrank für alle organisiert hat

Nahrungsmittel werden weltweit viel zu viel verschwendet, statt sie sinnvoll zu verteilen. Foodsharing könnte auch im Westerwald für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln sorgen.

Sie halten das Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel aus ethischen, ökologischen, sozialen und wirtschaftliche Gründen für problematisch (von rechts): Melina Schützelhofer (DLR), Foodsaverin Katharina Kienzle und Dr. Johannes Noll (Leitung DLR).  Foto: Sascha Ditscher
Sie halten das Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel aus ethischen, ökologischen, sozialen und wirtschaftliche Gründen für problematisch (von rechts): Melina Schützelhofer (DLR), Foodsaverin Katharina Kienzle und Dr. Johannes Noll (Leitung DLR).
Foto: Sascha Ditscher

Container voller Gurken und Äpfel, die in den Müll gekippt werden, das sind Bilder, die immer wieder um die Welt gehen. Bilder, die jeden betroffen machen, der achtsam mit Lebensmitteln umgeht. Statt die lebenserhaltenden Güter zu tauschen oder an Bedürftige weiterzugeben, werden sie teuer entsorgt. Ein Umstand, der Melina Schützelhofer zuwider ist und dem sie seit Jahren auch persönlich tatkräftig entgegentritt. Deshalb sorgte sie vor Kurzem dafür, dass im Haus des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum ein Fair-Teiler-Kühlschrank aufgestellt wird. Dort ist sie zuständig für die Themen Kita- und Schulverpflegung sowie Nachhaltigkeit und fand große Unterstützung bei ihrem Arbeitgeber, damit sie das Foodsharing auch im Westerwald etablieren kann. Das Prinzip ist so einfach wie naheliegend: Wenn Lebensmittel übrig sind – egal, ob im Privathaushalt oder in einem Geschäft – können sie über verschiedene Systeme ausgetauscht oder abgegeben werden.

Nah beim Westerwälder Verbraucher ist zurzeit der Fair-Teiler-Kühlschrank in Montabaur, der seit wenigen Monaten im Haus des DLR steht. Das System funktioniert: „Neulich morgens lag der Kühlschrank plötzlich voller belegter Brötchen vom Vortag“, erzählt Melina Schützelhofer. Mittags waren sie alle fort. Wer sie genommen hat, darauf kommt es Melina Schützelhofer nicht an, wichtig ist ihr, dass einmal mehr Essen nicht im Müll gelandet ist. Zu Beginn wurde der Kühlschrank viel von Mitarbeitern und Schülern, die dort ein- und ausgehen, genutzt. „Mittlerweile aber werden auch andere Menschen schon aufmerksamer und kommen in der Mittagspause mal vorbei“, beobachtet Melina Schützelhofer und freut sich über den Fortschritt.

Doch es ist erst der Anfang. Fünf Foodsaver sind derzeit in Montabaur im Einsatz und bringen Lebensmittel von A nach B. „Wir versuchen zunächst, uns auf Montabaur zu konzentrieren und Kooperationen aufzubauen“, erklärt die DLR-Mitarbeiterin, die schon während ihrer Studienzeit ausgiebig mit dem Thema Foodsharing gearbeitet hat. Sie pflegt Kontakte nach Limburg, wo das System gut eingeführt ist. Von dort komme derzeit Aufbauhilfe. Foodsaver werden sei das eine, Botschafter für Foodsharing zu werden das andere. „Das ist viel Arbeit“, sagt die studierte Ökotrophologin. Nicht nur die Organisation, sondern auch die Überzeugungsarbeit, die geleistet werden müsse, um Kooperationspartner zu finden, aber auch, um letztlich die Bürger in den Privathaushalten zu erreichen. Dort, das ergeben Statistiken, werden rund 40 Prozent des Lebensmittelmülls produziert, der nicht sein müsste. Der Fair-Teiler-Kühlschrank soll ein erster Schritt sein, um ohne große Umstände einzusteigen in den Tausch von Lebensmitteln und in die Gedanken um einen achtsamen Umgang mit Ressourcen.

„Wir müssen nach wie vor stark gegen Vorurteile ankämpfen“, erzählt Melina Schützelhofer, der ihre Arbeit auch ein persönliches Anliegen ist. Es gebe zwar immer mehr Menschen, die sich für Food- sharing begeisterten, aber eben noch zu viele, die dem skeptisch gegenüberstehen. Dabei geht es keineswegs um Bedürftigkeit, sondern darum, achtsam mit Lebensmitteln umzugehen, indem sie nicht achtlos entsorgt werden.

Die Überzeugungsarbeit beginnt bereits im Kindergarten und in den Grundschulen. Der Nachwuchs wird eingeladen und kann spielerisch erfahren, was eigentlich ein Fair-Teiler-Kühlschrank ist. Er kann ihn sich anschauen, etwas mitbringen, tauschen und in Spielaktionen lernen, dass Lebensmittel ein wertvolles Gut sind. Ein weiterer Arbeitsbereich besteht im Aufbau von Kooperationspartnerschaften. „Das geht aber nur mit inhabergeführten Betrieben“, schränkt Schützelhofer die Suche ein. Diese Betriebe können dann nicht nur damit werben, sondern sie sparen auch noch Entsorgungskosten.

Denn Lebensmittelverschwendung ist zu großen Teilen nicht nur unnötig, so Schützelhofer, sondern auch noch teuer. Ihr Ziel für den Westerwaldkreis: Weitere Fair-Teiler-Kühlschränke an gut zugänglichen Standorten, und es wäre schön, wenn sich wieder ein oder mehrere Foodsharing-Botschafter für den Westerwaldkreis fänden, um mehr Lebensmittel vor dem Müll zu retten.

Susanne Willke

Westerwald extra
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Donnerstag

14°C - 28°C
Freitag

8°C - 22°C
Samstag

7°C - 18°C
Sonntag

12°C - 19°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerien: Fotos unserer Leser
&bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.