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Westerburg

25 Jahre Studienseminar in Westerburg: Was sich in der Lehrer-Ausbildung verändert hat

Angela Baumeier

Bevor Lehramtswärter ihre zweite Staatsprüfung ablegen können und als fertig ausgebildete Lehrkräfte an die Schulen gehen, durchlaufen sie selbst noch eine schulpraktische Ausbildung.

Im Seminarraum ist immer der rote Ausbildungsfaden präsent. Er zeigt, welchen Weg die Lehramtsanwärter zu gehen haben, bis sie fertig ausgebildete Lehrkräfte sind.
Im Seminarraum ist immer der rote Ausbildungsfaden präsent. Er zeigt, welchen Weg die Lehramtsanwärter zu gehen haben, bis sie fertig ausgebildete Lehrkräfte sind.
Foto: Röder-Moldenhauer

Seit 25 Jahren werden in Westerburg Lehramtsanwärter ausgebildet. Dass das Staatliche Studienseminar für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen 1993 in Westerburg angesiedelt wurde, hatte viele Gründe. Für diesen Standort sprach einerseits, dass die Stadt über alle Schularten verfügte. Die direkte Anbindung an die Stadt und ihre Infrastruktur waren günstig, und mit der Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze in der Schule und Verwaltung konnte der ländliche Raum gestärkt werden.

Nach zahlreichen Planungsgesprächen 1991 und 1992, an denen Vertreter des Ministeriums für Bildung und Kultur, der Bezirksregierung Koblenz, der Verbandsgemeinde Westerburg, der Architekt sowie der zukünftige Seminarleiter Ulrich Krämer teilnahmen, entstand ein eigenständiges Seminargebäude im Schulzentrum Westerburg. „Dass extra für uns neu gebaut wurde, ist eine Besonderheit“, betont die heutige Seminarleiterin Verena Eiteneuer-Hariri. Ihre Vorgängerin war Roswitha Wahl, die 2010 dieses Amt von Ulrich Krämer übernahm und es dann 2015 zunächst kommissarisch, ab 2016 offiziell an Eiteneuer-Hariri übergab.

Aufgabe eines Studienseminares ist es, die bereits universitär ausgebildeten Lehramtsanwärter mit ihrer ersten Staatsprüfung „abzuholen“, und sie in einem 18-monatigen Vorbereitungsdienst auf theoretischer Grundlage schulpraktisch weiter auszubilden. Die Anwärter werden dabei von der ADD einer Ausbildungsschule zugeteilt, in der sie vier Tage die Woche sind. Einen Tag in der Woche besuchen sie die Veranstaltungen des Studienseminars. Am Ende des Vorbereitungsdienstes steht die zweite Staatsprüfung, dann sind sie fertig ausgebildete Lehrkräfte. Heute umfasst der Seminarbezirk des Studienseminars 106 Grundschulen und reicht im Norden bis nach Friesenhagen (Landkreis Altenkirchen), im Süden bis Stätten (Rhein-Lahn-Kreis), im Osten bis an die hessische Grenze (Elsoff, Hof, Nister-Möhrendorf; Westerwaldkreis) und im Westen bis nach Straßenhaus (Kreis Neuwied).

Am 1. August 1994 wurde dem Staatlichen Studienseminar Westerburg der Name „Adolf-Reichwein-Studienseminar“ verliehen. Damit steht die Einrichtung in der Tradition des engagierten Reformpädagogen, Demokraten und Widerständlers, der 1944 von den Nazis hingerichtet wurde. Im Seminargebäude erinnert ein Porträt im Eingangsbereich an Adolf Reichwein. Außerdem gibt es dort eine Dauerausstellung, die über das Leben und Wirken des Reformpädagogen informiert.

Im Laufe der 25 Jahre hat sich die Arbeit an dem Studienseminar im Hinblick auf das auszubildende Lehramt gravierend verändert. Gegründet wurde das Studienseminar als Ausbildungsstätte sowohl für Grund- als auch für Hauptschulen. Seit der umfassenden Schulstrukturreform 2012 werden ausschließlich Lehrkräfte für die Grundschule ausgebildet, das Studienseminar wurde umbenannt in Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Grundschulen.

In den großen Seminarräumen immer präsent sind die beiden „Bibeln“ dieser Einrichtung: Das sind die (der gültigen Landesverordnung angefügten) Darstellungen der sogenannten Curricularen Struktur, die die einzelnen Schritte sowie Kompetenzen der Anwärterausbildung darstellen. „Damit ist ganz klar geregelt, welche Fähigkeiten die Anwärter am Ende haben sollen“, erläutert Eiteneuer-Hariri. Die „zweite Bibel“ ist der „Orientierungsrahmen Schulqualität“, der die Merkmale eines guten Unterrichts konkret aufzeigt. Die Ausbildung erfolgt in den Berufspraktischen und in den Fachdidaktischen Seminaren sowie weiteren Veranstaltungen des Studienseminars entsprechend der Curricularen Struktur.

Die Berufspraktischen Seminare bilden dabei die Basis. Hier geht es beispielsweise um Fragen der Bildungswissenschaften in der praktischen Umsetzung, um schul- und beamtenrechtliche Fragen oder auch um die Konzeption eines Entwicklungsberichts. Im Unterschied zur universitären Ausbildung wird das alles nicht nur schwerpunktmäßig theoretisch erarbeitet, sondern hat einen ganz konkreten praktischen Bezug.

Die Fachdidaktischen Seminare (Grundschulbildung sowie ein weiteres Fach) führen noch direkter in die Unterrichtsgestaltung hinein. „Hier geht es um die fachdidaktische Umsetzung“, betont der kommissarische stellvertretende Seminarleiter Seiji Shigenobu. Was das heißt, erläutert er an der Methode des problemlösenden Lernens. „Ziel ist es, die Denkprozesse der Kinder anzuregen, ihnen nicht einfach Sachzusammenhänge „vorzusetzen“. So könnten sie beispielsweise bei der Frage: „Was macht eine Brücke stabil?“ selbst mit Bauklötzchen experimentieren, um selbstständig die Antwort herauszufinden. Hier lautet das Stichwort „selbst gesteuertes Lernen.“

Momentan haben die Lehramtsanwärter allen Grund, optimistisch in ihre berufliche Zukunft zu blicken. Von den 71 ausgebildeten Lehrkräften, die Ende Januar 2018 das Studienseminar verließen, haben alle eine Stelle bekommen. Die größte Herausforderung, der sich die Grundschullehrerausbildung derzeit und auch künftig stellen muss, ist die Heterogenität und Vielfalt, auf die die Lehramtsanwärter an den Schulen treffen. „Das müssen sie sowohl als Persönlichkeit als auch fachlich bewältigen“, erläutert die Seminarleiterin. „Wir brauchen fachlich versierte Lehrer, die auch vom pädagogischen Profil und von ihrer Einstellung und Haltung her kompetent sind. So, wie man sich Lehrer als gute Pädagogen vorstellt. Diese Herausforderungen kann man nur in enger Gemeinschaft meistern, Kooperation ist wichtig. Das fängt im Seminar an, muss aber über die Ausbildung hinausgehen.“

Kooperation wird deshalb auch am Studienseminar selbst großgeschrieben. Da gibt es beispielsweise zum einen außerschulische Partner wie den Stöffelpark, den Kinderschutzdienst Hachenburg oder auch die Gedenkstätte Hadamar, zum anderen wird eng mit dem Bildungsministerium, der ADD, den anderen Studienseminaren und natürlich den Ausbildungsschulen sowie der Verbandsgemeinde zusammengearbeitet. „Wir sind auch eng mit den Universitäten verbunden“, betont die Seminarleitung. So werden die sogenannten vertiefenden, schulartspezifischen Praktika, welche die künftigen Lehrkräfte während des Studiums zu absolvieren haben, von den Fachleitern des Studienseminars betreut.

Am Freitag, 17. August, wird das Studienseminar seinen 25. Geburtstag groß feiern. Geplant ist ein offizieller Teil am Vormittag im Ratssaal Westerburg. Am Nachmittag ist die Öffentlichkeit dann von 13 bis 16 Uhr eingeladen, das Studienseminar zu besuchen.

Von unserer Reporterin Angela Baumeier

Der Förderverein

Im Juni 1995 wurde von engagierten Freunden des Staatlichen Studienseminars ein Förderverein gegründet. Bei der Gründungsversammlung nannte Seminarleiter Ulrich Krämer die Ziele: Der Förderverein könne eine „wichtige Gelenkfunktion“ einnehmen. Denn er solle die Verbindung zum gesellschaftlichen Umfeld hin leisten und dadurch zugleich die pädagogische Arbeit im Inneren unterstützen.

Als mögliche Aktionsbereiche nannte er Projekttage, kulturelle Veranstaltungen sowie beispielsweise auch seminarinterne Fortbildungen. Heute hat der „Verein zur Förderung von Bildung und Ausbildung“ rund 40 Mitglieder und wird von Bürgermeister Gerhard Loos geleitet. bau

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