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    Wahlzeit: Trotz der Kinder – Mit vielem ist sie ganz allein

    Plötzlich ist sie allein nach einer Trennung, muss sich um die Kinder und den Haushalt kümmern, sich im Job beweisen. Was kann die Politik tun, um Frauen wie Cordula S. zu unterstützen?

    Eine starke Frau: Sie geht Vollzeit arbeiten und ist alleinerziehende Mutter. Cordula S. muss Arbeit, Haushalt und die Betreuung ihrer 13-jährigen Tochter sowie ihres elfjährigen Sohnes organisieren. Eine große Herausforderung für die Westerwälderin. Foto: Verena Hallermann
    Eine starke Frau: Sie geht Vollzeit arbeiten und ist alleinerziehende Mutter. Cordula S. muss Arbeit, Haushalt und die Betreuung ihrer 13-jährigen Tochter sowie ihres elfjährigen Sohnes organisieren. Eine große Herausforderung für die Westerwälderin.
    Foto: Verena Hallermann

    Cordula S. ist alleinerziehende Mutter. Sie geht Vollzeit arbeiten, kümmert sich nach ihrem Job um die Kinder, um den Haushalt. Sie fährt ihren Sohn und ihre Tochter regelmäßig zum Sport, Musikunterricht, zu Freunden, hilft ihnen bei den Hausaufgaben, nimmt Elternabende und Arzttermine wahr, kocht, putzt – eine Vielzahl von Aufgaben, die auf den Schultern der 47-jährigen Mutter, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, lasten. „Man fühlt sich in vielen Bereichen ziemlich allein gelassen“, sagt die Mutter, die mit ihren beiden Kindern in einem kleinen Ort im Unterwesterwald wohnt. Sie hat klare Forderungen an die Politik: Mehr Unterstützung für Alleinerziehende, finanzielle Zuschüsse bei Haushaltshilfen und mehr Kinder-Krankentage ohne Lohnabzug.

    S. hat das Haus ihrer Eltern übernommen. Ein älteres Anwesen mit Weiher und Stallungen, das hohe Kosten im Unterhalt verursacht. Dort lebt sie mit ihrer 13-jährigen Tochter und ihrem elfjährigen Sohn. Finanziell ist es für die kleine Familie nicht immer einfach. Auch wenn S. in einer gehobenen Position einer Firma im Westerwald arbeitet. Der Vater der beiden Gymnasiasten lebt in England. Sie bekommt Kindergeld, wünscht sich aber mehr finanzielle Unterstützung „Auch alleinerziehende Mütter mit einem geringeren Einkommen sollten sich zur Entlastung zum Beispiel eine Haushaltshilfe oder zusätzliche Kinderbetreuung leisten können“, macht sie deutlich, „um vielleicht ein kleines bisschen mehr Zeit für die Kinder und sich selbst zu finden, um den Akku wieder aufladen zu können.“

    Wie geht es weiter in Deutschland? Darüber entscheiden die Deutschen in fünf Wochen.
    Wie geht es weiter in Deutschland? Darüber entscheiden die Deutschen in fünf Wochen.

    Der gelernten Europasekretärin fehlt die Unterstützung im Alltag. Der Großvater der Kinder ist vor einigen Jahren gestorben, und die Großmutter musste aufgrund ihrer Demenz in ein Heim ziehen. Was passiert, wenn die Alleinerziehende mal krank wird? Natürlich gibt es den Anspruch auf Kinder-Krankentage, der im Sozialgesetzbuch klar geregelt ist. Als Alleinerziehende stehen S. bis zu 20 Tage im Jahr zu, an denen sie sich wegen eines kranken Kindes freistellen lassen kann. Diesen Anspruch hat S. aber nur noch für ihren Sohn, weil ihre Tochter das zwölfte Lebensjahr bereits überschritten hat. Sie wünscht sich mehr dieser Krankentage, ohne dass es Abzüge vom Lohn gibt. Denn diese bezahlte Freistellung ist gesetzlich nicht bindend geregelt. Viele Arbeits- und Tarifverträge schließen das aus. Dann haben berufstätige Mütter und Väter Anspruch auf Kinderkrankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung. Doch das ist an bestimmte Voraussetzungen (unter anderem ein Attest vom Kinder- oder dem behandelnden Arzt) geknüpft und deckt „bei Weitem“ nicht das volle Gehalt ab, wie sie sagt.

    Generell sollten Alleinerziehende nach einer Trennung keine finanziellen Nachteile haben, findet Cordula S. Das gilt auch für die Steuerklasse, betont die Mutter. Denn eine Scheidung führt zwangsläufig zu einem Wechsel der Steuerklassen. S., die schon lange die Alleinverdienerin der Familie war, hatte die günstigste Steuerklasse. Nun musste sie in eine andere Steuerklasse wechseln, wodurch ihre Abgaben „erheblich gestiegen“ sind. „Das finde ich ungerecht“, sagt sie. „Man wird tatsächlich noch dafür bestraft, dass man alleine ist.“

    Was sich S. besonders wünscht, ist eine feste Anlaufstelle für Alleinerziehende, die Hilfe in Bezug auf juristische und finanzielle Fragen bieten. Wo bekomme ich Hilfe nach einer Trennung? Worauf muss ich bei der Scheidung achten? Welche Rechte und Pflichten habe ich? Wie wirken sich die Veränderungen auf die Rente aus? Das alles sind Informationen, die Alleinerziehende – die wegen der Trennung ohnehin sehr belastet sind – selbst herausfinden müssen

    „Wer da nicht aufpasst, kann schnell Fehlentscheidungen mit unübersehbaren Folgen treffen“, sagt sie. Es ist vor allem das Wohl der Kinder, das S. am Herzen liegt. Wenn Eltern auseinandergehen, durchleben die Kinder eine emotional schwere Zeit, hebt sie hervor. Eine professionelle und neutrale Hilfe könne da notwendig sein. Doch leider würden Alleinerziehende oft mit ihren Problemen allein dastehen.

    „In der Realität ist es so, dass man monatelang auf einen Therapieplatz warten muss, obwohl ein akuter Bedarf besteht“, sagt die Westerwälderin und spricht sich klar für eine Überarbeitung der Bundesbedarfsplanung aus, die den Versorgungsgrad mit (Kinder- und Jugend-) Therapeuten regelt. Die Familie lebte viele Jahre in England. Nicht nur, wegen des Gesundheitszustandes der Großeltern kehrten sie zurück, auch wegen der – so die Alleinerziehende – in Teilbereichen besseren Schulbildung und diversen anderen Vorteilen in Deutschland.

    Die Politik habe bereits viel erreicht. Auch biete das Gesundheitssystem einiges, was in anderen Ländern nicht möglich sei, beispielsweise eine Mutter-Kind-Kur. Dennoch: Hinsichtlich der Organisation an den Schulen bestehe allerdings Verbesserungsbedarf. Regelmäßig falle Unterricht stundenweise aus, leider zu oft seien Lehrer durch Weiterbildungstage oder diverse anderer Veranstaltungen verhindert, ganze Unterrichtstage entfallen durch Brückentage. Es sei unmöglich, die Betreuung an den freien Tagen alleine durch Urlaub abzudecken. „Meine Kinder sind zum Glück in einem Alter, in dem ich sie zeitweise alleine lassen kann“, sagt S. „Bei Müttern mit jüngeren Kindern ist das nicht so einfach.“

    Verena Hallermann

    Andreas Nick: Ein Plus beim Kindergeld

    Kinder sind eine einmalige Bereicherung. Alle Eltern, besonders Alleinerziehende, brauchen dazu finanzielle und gesellschaftliche Unterstützung.

    Daher werden wir schrittweise den Kinderfreibetrag auf das Niveau des Erwachsenenfreibetrags anheben und das Kindergeld in einem ersten Schritt um 300 Euro pro Kind und Jahr erhöhen. Betreuungskosten und die Kosten für andere haushaltsnahe Beschäftigte können steuerlich geltend gemacht werden. Ist die oder der Alleinerziehende akut krank, kann bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragt werden. Eine Trennung ist sowohl für die Kinder als auch für die Eltern eine große Belastung. Mit Rat und Tat stehen hier viele Sozialeinrichtungen bei juristischen und finanziellen Fragen sowie bei Problemen rund um die Organisation einer Ein-Eltern-Familie zur Seite. Die Leistung der alleinerziehenden Elternteile ist in hohem Maße anerkennenswert, deren Unterstützung uns auch weiter sehr am Herzen liegt. Durch einen neuen Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter helfen wir jungen Familien und Alleinerziehenden, Arbeit und Familie besser miteinander zu verbinden.

    Gabi Weber: Familientarif mit Kinderbonus

    Mir als alleinerziehender Mutter und Berufstätiger war stets wichtig, dass ich selbst für meinen Sohn und mich sorgen konnte, ich kenne also die Problematik.

    Alleinerziehende leisten durch Kinderbetreuung und Job doppelte Arbeit. Notwendig sind strukturelle und finanzielle Entlastungen. Durch finanzielle Unterstützung möchten wir Spielräume für die kleinen Familien schaffen und beabsichtigen: einen Familientarif mit Kinderbonus, wodurch Kinder statt Ehen gefördert werden; ein erweitertes Kindergeld, das unbürokratischer als bisher einen Zuschlag ermöglicht; eine Familienarbeitszeit zur ausgewogeneren Aufteilung von Familie und Beruf, bei der die reguläre Arbeitszeit gesenkt und monatlich 300 Euro als Ausgleich gezahlt werden; zudem eine Entlastung bei den Sozialabgaben. Alles Geld hilft nicht, wenn während der Arbeitszeit die Kinderbetreuung nicht gewährleistet ist. Daher schaffen wir einen Rechtsanspruch auf kostenlose Ganztagsbetreuung von der Kita bis ins Grundschulalter und werten den Erzieherberuf auf. Mit diesem Mehr an Zeit und Geld können Alleinerziehende entscheiden, ob sie sich etwa eine Haushaltshilfe oder eine Tagesmutter leisten.

    Michael Musil: Das Geldsystem ist krank

    Dieses Beispiel zeigt überdeutlich, wie wichtig ein bedingungsloses Grundeinkommen von der Wiege bis zur Bahre ist.

    Hätte die Mutter das Grundeinkommen von drei Personen zur Verfügung, wäre einiges einfacher für sie. Dieses Grundeinkommen darf allerdings nicht auf dem anachronistischen Prinzip der Steuererhebung und der anschließenden Umverteilung stattfinden. Das Grundeinkommen muss unabhängig vom herrschenden Geldsystem vom Staat emittiert werden. Steuern und Sozialabgaben würden in so einem System überflüssig, die Abhängigkeit von Kapitalhaltern würde aufgelöst. Die desolaten Zustände auf allen sozialen Ebenen sind ausschließlich eine Folge unseres kranken Geldsystems. Unser Schulsystem in allen Bereichen vermittelt diese Gläubigkeit nach wie vor, um die Bürger an der Leine zu halten. Visionäre Alternativen werden ignoriert oder lächerlich gemacht. Dass es funktionieren kann, zeigt ein seit 17 Jahren laufender Modellversuch im Westerwald. Das Grundeinkommen würde auch den Arbeitsmarkt für Betreuer neu gestalten. Das Problem betrifft nicht nur Alleinerziehende, sondern auch Eltern von behinderten Kindern, die einer Betreuung bedürfen.

    Martin Klein: Elterngeld Plus einführen

    Die Linke will Alleinerziehende stärken. Sie sind am stärksten von Armut betroffen und werden vielfältig diskriminiert: beim Zugang zu Ausbildung und Arbeit, Teilhabe am öffentlichen Leben und Chancengerechtigkeit für Kinder in der Bildung.

    Die Linke fordert deshalb, dass der Bezug von Elterngeld, vor allem von Elterngeld Plus für Alleinerziehende, verbessert wird. Zudem benötigen Alleinerziehende mehr Unterstützung, um ins Berufsleben zurückkehren zu können. Kranksein ist für Eltern kleiner Kinder fast immer eine Belastung – für Alleinerziehende kann es zu einer Katastrophe werden. Langwierige Genehmigungsverfahren für eine Haushaltshilfe der Krankenkassen helfen hier kaum. Die Linke streitet für eine Gesellschaft, in der sämtliche Leistungen für Bildung, Kinderbetreuung und Erziehung sowie öffentlicher Güter wie Mobilität, Kultur und Freizeitangebote für Kinder kostenfrei zur Verfügung stehen. Wir wollen ein ausreichendes Ganztags-Betreuungsangebot für Kinder schaffen: Darauf sollen Kinder einen Rechtsanspruch haben. Bei der Bereitstellung von Kita-Plätzen soll der Bedarf und nicht eine beliebige Quote gelten.

    Thorsten Hehl: Gute Angebote für Betreuung

    Wir Freie Demokraten respektieren es in höchstem Maße, was Alleinerziehende im täglichen Leben leisten.

    Geboren am 14. März 1986 in Dernbach, nach der Mittleren Reife Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, heute Verkaufsberater bei Itex-Gaebler. Verheirat seit 2012, zwei Söhne, Mitglied in der FDP seit 2016.
    Geboren am 14. März 1986 in Dernbach, nach der Mittleren Reife Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, heute Verkaufsberater bei Itex-Gaebler. Verheirat seit 2012, zwei Söhne, Mitglied in der FDP seit 2016.

    Neben dem Berufsalltag hundertprozentig für die Kindeserziehung verantwortlich zu sein, ist eine äußerst hohe Belastung. Natürlich besteht in diesem Bereich Handlungsbedarf. Damit alleinerziehende Väter und Mütter Beruf und Familie besser vereinbaren können, wollen wir flexible Angebote zur Kinderbetreuung fördern. Zentrale Grundlage hierfür ist ein verlässliches und qualitativ hochwertiges Betreuungsangebot mit hohen Standards der frühkindlichen Bildung. Verlässlichkeit muss auch in der Schule gegeben sein. Überall in Deutschland fallen Hunderte Schulstunden aus. Schüler müssen jedoch lückenlos weltbeste Bildung erhalten, während Eltern Sicherheit in der Tagesplanung haben müssen. Daher setzen wir uns für eine Unterrichtsgarantie ein, die sicherstellt, dass bei Engpässen das notwendige Personal für die Versorgung vorhanden ist. Zudem wollen wir Änderungen in der Struktur der Steuerklassen vornehmen. Möglichkeiten sehen wir im Kindergeld 2.0, das alle kindesbezogenen Leistungen bündelt und Eltern bürokratisch entlastet.

    Astrid Angelika Bergmann-Hartl: ???

    Trotz einer rechtzeitigen Anfrage unserer Zeitung an Astrid Angelika Bergmann-Hartl  haben sich die Freien Wähler nicht zum Thema „Alleinerziehende“ geäußert.

    Die Anfrage erfolgte zeitgleich mit den gleichlautenden Anfragen an die Direktkandidaten von CDU, SPD, Bündnisgrünen, der Linken und der FDP.

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