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    Wahlzeit: Der tägliche Weg zum Arbeitsplatz – Wenn der Spaß am Pendeln auf der Strecke bleibt

    Insgesamt 18,4 Millionen Deutsche pendeln regelmäßig zum Arbeitsplatz. Auch im Westerwald sind es rund 30.000, die für die tägliche Arbeit die Kreisgrenzen überschreiten. Einer von ihnen ist Max Neumann. Den 35-Jährigen führt sein Job als IT-Spezialist und Projektmanager beim Beschaffungsamt der Bundeswehr fast täglich von Montabaur nach Koblenz.

    Max Neumann pendelt seit vielen Jahren von Montabaur zur Arbeit nach Koblenz. Dass sein eigens hierfür angeschafftes Dieselauto aufgrund des Abgasskandals massiv an Wert verloren hat, ärgert ihn sehr. Foto: Martin Boldt
    Max Neumann pendelt seit vielen Jahren von Montabaur zur Arbeit nach Koblenz. Dass sein eigens hierfür angeschafftes Dieselauto aufgrund des Abgasskandals massiv an Wert verloren hat, ärgert ihn sehr.
    Foto: Martin Boldt

    Die Entscheidung dazu war freiwillig. „Wir haben einen Wohnort gesucht, der mit unseren beiden Jobs vereinbar ist“, sagt Neumann. Seine Frau hatte nach dem Studium, anders als er, eine Anstellung bei der Bezirksregierung in Köln gefunden. „Letztlich sind wir dann auf Montabaur gekommen.“ Inzwischen sind fünf Jahre vergangen, die gebürtigen Berliner haben zwei Kinder bekommen, ein altes Haus gekauft und saniert. „Wir sind im Westerwald angekommen.“

    Die eigentliche Pendelei bedeutet für Neumann nach wie vor keinen Stress: „Ich brauche in etwa 25 Minuten bis zur Arbeit. Abends auf dem Rückweg höre ich dann ein bisschen Musik, man kann so die Arbeit gedanklich zurücklassen, und zu Hause angekommen, hat man dann auch wirklich Zeit für die Familie.“ Weniger zufrieden klingt Neumann allerdings, kommt er auf die Rahmenbedingungen seiner täglichen Berufsfahrten zu sprechen. Wie die meisten Pendler fährt auch er ein auf Langstrecken ausgelegtes Dieselfahrzeug. „Das war damals bei der Anschaffung eine klare Kostenrechnung, bezogen auf die zu fahrenden Kilometer.“ Auf eine bestimmte Motorleistung kam es ihm weniger an, die hätte auch sein alter Benziner schon ausreichend gehabt, erklärt er. Dass nun selbst Diesel-Pkw mit Euro-5-Norm aufgrund zu hoher Emissionswerte Fahrverbote drohen, ärgert ihn sehr. „Ich bin darauf angewiesen, dass ich mit diesem Auto für Meetings in Großstädte fahren kann.“

    Eine Aufforderung zum Nachrüsten, wie sie viele Volkswagen-Kunden bereits erhalten haben, lag noch nicht in seinem Briefkasten. Neumann rechnet aber auch bei seinem Renault Mégane damit, dass dies nur noch eine Frage der Zeit ist. „Eine Manipulation wurde zwar noch nicht offiziell nachgewiesen. Wenn man sich jedoch im Internet schlaumacht, scheinen die Abgaswerte aber auch bei diesem Anbieter höher als versprochen zu sein.“ So oder so: An den ursprünglich geplanten Weiterverkauf des Wagens, sollte es weiteren Familienzuwachs geben, ist momentan aufgrund der schlechten Gebrauchtmarktpreise für Diesel nicht mehr zu denken.

    Vonseiten der Politik wünscht er sich Augenmaß bei der Reaktion auf den Skandal: „Hier muss eine Balance gefunden werden. Wir haben hier eine Schlüsseltechnologie, die, wenn auch nicht um jeden Preis, geschützt werden sollte, wir haben aber auch nichts davon, wenn wir die Kosten auf den Rücken jener abladen, die sich noch vor Kurzem mit gutem Gewissen ein solches Fahrzeug zugelegt haben.“ Auf der anderen Seite müsse das eigentliche Abgasproblem gelöst werden, um die schlechten und gesundheitsschädlichen Luftwerte zu verbessern. In Richtung Autobauer fordert er: „Hier muss eine vernünftige Strafe her, dass so etwas nicht noch einmal passiert.“

    Wie geht es weiter in Deutschland? Darüber entscheiden die Deutschen in fünf Wochen.
    Wie geht es weiter in Deutschland? Darüber entscheiden die Deutschen in fünf Wochen.

    Aufgrund der ganzen Querelen mit dem Diesel beim nächsten Autokauf direkt auf ein Elektroauto umzusteigen, das kann der 35-Jährige sich nach heutigem Stand allerdings nicht vorstellen. „Das Interesse ist bei uns definitiv vorhanden, doch solange ich längere Strecken nicht ohne vorherige Planung überbrücken kann, ist das noch kein Thema“, erklärt er und spricht an, was viele Deutsche zögern lässt: die nach wie vor zu geringe Reichweite der E-Mobile, die immer noch unterhalb von 200 Kilometern je Ladung liegt.

    Um die Technologie voranzubringen, hält er Prämien daher durchaus für richtig. In anderen europäischen Ländern wie Norwegen oder Frankreich gebe es diese „Starthilfe“ ja auch. Und: „Nichts anderes machen wir derzeit ja bereits mit der Subventionierung des Dieselkraftstoffes. Als Industrieland sind wir darauf angewiesen, dass Deutschland hier nicht abgehängt wird.“

    Viele Familien, da ist er überzeugt, würden darüber hinaus sicher auf ihr zweites konventionell betriebenes Auto verzichten, würde es ein funktionierendes Carsharing-Angebot geben. Die zwei Stellplätze am ICE-Bahnhof in Montabaur können hier nur der Anfang sein, so Neumann.

    Nur indirekt mit dem täglichen Pendeln zu tun und dennoch starken Einfluss auf die Mobilität der Neumanns haben die geltenden Vorschriften von Kindertagesstätten. Wenn die Elternzeit endet, möchte auch Steffi Neumann wieder in den Beruf einsteigen. In Vollzeit ist dies jedoch eine Herausforderung, da Kitas Kinder maximal acht Stunden am Stück betreuen. „Bei zwei Stunden Hin- und Rückfahrt nach Köln bleibt da ja kaum noch Zeit zum Arbeiten“, ärgert sich der Projektmanager und fordert eine Ausweitung der Verweildauer. Wer flexible Arbeitskräfte, idealerweise Facharbeiter und Spezialisten wünsche, müsse nachbessern.

    Martin Boldt

    Andreas Nick: Diesel bleibt unverzichtbar

    Die Anbindung unserer Region über Autobahnen und ICE ist grundsätzlich sehr gut, wir müssen aber vor allem den Zugang von etwas entfernter gelegenen Orten an die jeweiligen Knotenpunkte weiter verbessern.

    Dringend notwendige Projekte wie die Umgehung Rennerod (B54) oder die Umgehungen Rothenbach/Langenhahn (B255) verzögern sich aber, weil das Land Rheinland-Pfalz die erforderlichen Planungsarbeiten nicht zum Abschluss bringt oder erst gar nicht in Angriff nimmt. Der Diesel-Skandal hat viele Menschen verunsichert. Die Automobilindustrie muss ihrer Verantwortung uneingeschränkt nachkommen und die von ihr verursachten Probleme durch entsprechende Nachrüstungen und technische Innovationen bereinigen. Verbrennungsmotoren wie eine umweltschonende Diesel-Technologie werden noch längere Zeit unverzichtbar sein. Dennoch dürfen die deutschen Hersteller aber den Anschluss im Wettbewerb um neue Antriebstechniken nicht verpassen. Innovative Verkehrskonzepte wie Elektromobilität, Carsharing oder künftig autonomes Fahren müssen auch für die Anforderungen des ländlichen Raums passend ausgestaltet sein.

    Gabi Weber: Neue Antriebe sichern Arbeit

    Beim Skandal um gefälschte Abgaswerte ließ sich der Verkehrsminister auf einen weichen Kompromiss ein, statt die Hersteller auf umfangreiche Maßnahmen zu verpflichten. Die Kosten zahlen die Verbraucher.

    Mit einem kontrollierten Strukturwandel hin zu alternativen Antriebstechnologien (Elektromobilität, Brennstoffzelle) könnte die Wirtschaft dagegen Arbeitsplätze durchaus sichern und sogar zukunftsfest ausbauen. Eine gute und funktionierende Verkehrsinfrastruktur ist für unsere Region enorm notwendig. Für die Berufspendler müssen die Anbindungen über die A3 und die A48 sowie die diversen Bundesstraßen reibungslos und ohne stressigen Stau laufen. Für die Bahnfahrer ist der ICE-Bahnhof die überregionale Verbindung, der aber deutlich attraktiver werden muss, sowohl am Bahnhof selbst wie beim Fahrplan. Carsharing ist derzeit nur in den Städten attraktiv, wo auf engem Raum viele potenzielle Nutzer leben. Auf dem Land sind ein gutes und planbares ÖPNV-Netz und ein Rufsystem für die individuelle Abholung realistischer.

    Thorsten Hehl: Fahrverbote verhindern

    Fahrverbote müssen um jeden Preis verhindert werden Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Kommunen zusätzliche 500 Millionen Euro zugesagt, um die Stickoxide in der Luft zu reduzieren.

    Geboren am 14. März 1986 in Dernbach, nach der Mittleren Reife Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, heute Verkaufsberater bei Itex-Gaebler. Verheirat seit 2012, zwei Söhne, Mitglied in der FDP seit 2016.
    Geboren am 14. März 1986 in Dernbach, nach der Mittleren Reife Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, heute Verkaufsberater bei Itex-Gaebler. Verheirat seit 2012, zwei Söhne, Mitglied in der FDP seit 2016.

    Uns den Freien Demokraten fehlt das Verständnis, warum die Erhöhung des Mobilitätsfonds allein aus Steuermitteln bestritten wird. Das ist eine falsche Form von Nachsicht gegenüber den Konzernen zulasten der Steuerzahler. Die Autokonzerne müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden. Wenn die Updates von Motoren keine ausreichende Wirkung erzielen, muss auch die Hardware nachgerüstet werden – und zwar auf Kosten der Unternehmen. Der Steuerzahler dürfe dafür jedenfalls nicht in Anspruch genommen werden. Die Freien Demokraten halten es nicht für ausgeschlossen, dass es den Diesel auch in mehreren Jahrzehnten noch geben wird. Auf der anderen Seite warnen wir davor, die Erwartungen in die Elektromobilität fast schon religiös zu überhöhen. Wir sollten die Mobilität der Zukunft nicht am grünen Tisch festlegen, sondern technologieoffen forschen.

    Michael Musil: Lösungen nicht ignorieren

    Die Diskussion um die Schadstoffemissionen aus Verbrennungsmotoren ist absolut überflüssig, würde man vorhandene Lösungsansätze nicht ignorieren. Der Standesdünkel der Entwickler scheint stärker als Außenseiterlösungen, die nachweislich die Emissionen gegen Null führen.

    Damit wäre eine elegante Überleitung in das Zeitalter des Magnetmotor-Autos möglich, das ebenso vehement ignoriert wird. Die gut ausgebaute Infrastruktur für den Individualverkehr dient den Pendlern neben der ICE-Strecke in ausreichendem Maß. Als Visionär sehe ich die Zukunft in selbstfahrenden Einheiten mit Magnetmotoren, die abrufbar gegen Gebühr zu jedem gewünschten Ort fahren. Dadurch lässt sich die Fahrzeugdichte erheblich mindern und die Fahrzeuge werden effizient genutzt. Die Technik für solche Modelle ist da. Die meisten Fahrzeuge heutzutage verbringen ihr Dasein im Stand. Die zunehmende Digitalisierung der Arbeit wird in Zukunft einen Teil des Pendelverkehrs erübrigen. Der Westerwald ist bald flächendeckend mit Breitband versorgt.

    Martin Klein: ÖPNV ist völlig unzureichend

    Die Linke hat stets betont, dass Mobilität und Verkehr nicht dasselbe sind. Niemand darf allein auf das eigene Auto angewiesen sein. Alle sollen freien Zugang zu öffentlicher Mobilität erhalten. Gerade im Westerwald und Taunus sind die Menschen dringend auf Pendeln angewiesen, wenn sie arbeiten wollen.

    Doch der öffentliche Personennahverkehr ist völlig unzureichend. Deshalb muss er schnellstens flächendeckend und barrierefrei ausgebaut werden. Wir wollen eine Mobilitätsgarantie für den ländlichen Raum. Außerdem sind die Fahrpreise für viele zu hoch. Carsharing-Angebote und Pendlerparkplätze müssen schnellstens ausgebaut werden, um die Verkehrsdichte ohne Einschränkung der Mobilität verringern zu können. Gerade der Dieselskandal zeigt wieder einmal eindrücklich, wie Autoindustrie und Regierungsparteien Hand in Hand arbeiten, um den Autoabsatz anzukurbeln. Obwohl die unteren Behörden den Betrug jahrelang kannten, wurden sie an der Aufklärung gehindert, weil die Autoindustrie die Sache von oben deckelte. Die Linke fordert deshalb eine Mobilität, bei der es eine echte Alternative zum eigenen Auto gibt.

    Astrid Angelika Bergmann-Hartl: Investitionen für marode Straßen

    Durch die Verfilzung der Landesregierungen und der Bundesregierung mit der Industrie wird eine wirkliche Aufarbeitung des Dieselskandals im Keim erstickt. Wie kann es nach der Aufdeckung der Verfehlungen der Autoindustrie sein, dass der Käufer den Schaden hat?

    Die Technik zum Umrüsten besteht, die Regierung ist in der Pflicht, dass die Autoindustrie die Umrüstungen übernimmt. Gerade bei uns im ländlich geprägten Raum ist der Diesel eine Alternative, der ja viel Jahre angepriesen wurde und bei dem schlechten Zustand vieler Bundes- und Landstraßen kann man schon einen Geländewagen gebrauchen. Wir fordern eine Investitionsoffensive für marode Straßen und Brücken. Bei der Förderung der Elektromobilität ist viel Zeit verschenkt worden. Der Ausbau mit Ladeinfrastruktur, gerade auch mit Schnellladeinfrastruktur, muss stärker vorangetrieben werden und ein stärkerer finanzieller Anreiz sollte im Vordergrund stehen. Wir wollen in Ballungsgebieten die beste Rahmenbedingung für neue Mobilitätskonzepte wie Carsharing und Fahrgemeinschaften schaffen, auch um die Mobilität der Bürger zu erhöhen die sich kein eigenes Auto leisten können oder wollen.

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    &bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

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