40.000
Aus unserem Archiv
Simmern

Jede Gemeinde kann etwas für Klimaschutz tun

Können auch kleine Gemeinden einen nützlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Torkler

Dass diese Frage mit einem eindeutigen Ja zu beantworten ist, zog sich durch das gesamte Programm der Fachkonferenz „Klimawandel im Hunsrück – was uns droht, was wir tun können“ in der Simmerner Hunsrückhalle.

„Wirkungsvoller Klimaschutz ist ohne das Mitwirken vor Ort nicht möglich“, stellte Umwelt-Staatssekretär Thomas Griese gleich zu Anfang fest. Der Klimawandel sei zwar ein globales Problem, „doch die wesentlichen Akteure in der Energiewende sind die Kommunen“, so Griese.

„Es gibt an jeder Ecke Potenzial“, machte Prof. Dr. Peter Heck in seinem Vortrag deutlich und nannte Beispiele: Zahlt ein Sportverein im Jahr 1000 Euro für seine Flutlichtbeleuchtung, könne er diese mit Led-Lampen ausstatten und müsste nur 300 Euro bezahlen. Oder man pflanzt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen Hecken, die zum einen als Rohstoff für die Heizung dienen, nebenbei erosionshemmend wirken und nicht zuletzt zur Ansiedlung bedrohter Tierarten dienen.

„Das bedeutet keinen Aufwand, machen Sie's einfach“, riet er den 120 versammelten Vertretern von Kommunen aus dem Kreis. Wie dringlich auch kleine Beiträge zum Klimaschutz sind, hatte zuvor Prof. Dr. Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung deutlich gemacht. So führe der nachgewiesene Rückgang des arktischen Meereises zu Veränderungen der globalen Strömungen, die wiederum globale Erwärmung hervorrufe. Das verstärke die Unterschiede zwischen feuchten und trockenen Regionen und Zeitperioden, und es komme lokal vermehrt zu Starkregen- und Hochwasserereignissen (Beispiel Stromberg), weil sich in der Atmosphäre ein größeres Reservoir an Feuchtigkeit bilde.

„Ein Hochwasser, das statistisch alle 50 Jahre droht, kann jetzt alle zehn Jahre stattfinden“, sagte Stock. Es sei mit steigenden Winterniederschlägen zu rechnen, aber auch im Sommer mit längeren Trockenperioden. Auch Winter mit viel Schnee seien die Folge des größeren Wasserreservoirs in der Atmosphäre. „Ja, ein harter Winter mit Schneemassen ist auch eine Folge der Klimaerwärmung“, erklärte er die auf den ersten Blick widersinnige Schlussfolgerung. Stocks zentrale Forderung lautete, dass es weltweit gelingen müsse, bei der Klimaerwärmung unterhalb der Marke von 2 Grad Celsius zu bleiben.

Und dazu können auch kleine Gemeinden mit bescheidenen Maßnahmen ihren Beitrag leisten. Dass dies im Rhein-Hunsrück-Kreis in jüngster Vergangenheit in vielen Kommunen beispielhaft praktiziert worden ist, lobte der Professor: „Der Hunsrück ist dieser Hinsicht eine Vorbildregion.“

Landrat Marlon Bröhr hatte dies zu Beginn der Fachkonferenz betont. „Die Kreispolitik hat sich bereits früh den Herausforderungen des Klimawandels gestellt und Klimaschutzkonzepte erstellt“, sagte Bröhr und dankte in dem Zusammenhang dem Klimaschutzmanager der Kreises, Frank-Michael Uhle für dessen unermüdlichen Einsatz. Bröhr vergaß auch nicht, seinen Amtsvorgänger Bertram Fleck in seinen Dank einzuschließen, der viele Aktivitäten im Rhein-Hunsrück-Kreis angestoßen habe.

Die Wertschätzung des amtierenden Landrats galt auch den 14 Gemeinden im Kreis, die Nahwärmenetze installiert haben: „Ich möchte mich bei den Gemeinden, die Nahwärmenetze installiert haben – und das sind immerhin schon 14 an der Zahl – herzlich bedanken. Auch sie leisten einen besonderen Beitrag zur Energiewende", sagte Marlon Bröhr. In Simmern wird man sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen.

Nahwärmenetze und weitere Aktivitäten von Gemeinden, wie zum Beispiel Bürgerbusse, wurden von einzelnen Vertretern der Kommunen im Rahmen der Fachkonferenz vorgestellt.

Auch der Klimaschutzmanager des Rhein-Hunsrück-Kreises, Frank-Michael Uhle ging in seinem Vortrag auf die vielfältigen Aktivitäten im Kreis ein. Seine Antwort auf die Frage „Was wir noch tun können“ untergliederte er in verschiedene Handlungsfelder, wie Energieeinsparung, Eigenstromnutzung, Mobilität sowie den Ausbau erneuerbarer Energien in der Praxis. „Ein schlüssiges Gesamtkonzept, bestehend aus Energieeinsparung, möglichst autarker Vollversorgung im Wärme- und Strombereich und Akzente in der Elektromobilität wären im Sinne unserer Referenzregion für Klimaschutz vorbildlich“, sagte Uhle, der mit dem Verlauf der Veranstaltung, die die Energieagentur organisiert hatte, insgesamt zufrieden war. „Es gab wichtige Denkanstöße und viele Anregungen.“

Die Gegner der Windkraftanlagen im Hunsrück nutzten dagegen die Gelegenheit, bezeichneten die Konferenz unter anderem als Verschwendung von Steuergeldern und beschimpften einzelne Akteure mit Sätzen wie „Sie sind doch der, der immer die Lügen erzählt.“

Kommentar von Thomas Torkler

Keine Zeit für Aufschub

Kleinvieh macht auch Mist. Die Formel passt bei der Antwort auf die Frage, was kleine Dörfer zum Klimaschutz beitragen können. Kleinvieh meint natürlich die Aktivität, die bescheiden sein kann, aber dennoch einen Beitrag dazu leistet, weltweit unter der 2-Grad-Celsius-Marke bei der Klimaerwärmung zu bleiben. Professor Heck brachte es auf den Punkt: „Wir haben keine Zeit, etwas zu verschieben.“ Er ermunterte dazu, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Und das passiert ja auch in vielfacher Form im Kreis. Der ehemalige Landrat Bertram Fleck saß im Publikum und wird nicht nur zufrieden den Dank seines Nachfolgers an seine Person registriert haben. Auch, dass in vielen Gemeinden Bewusstsein für die Notwendigkeit, „etwas zu tun“ vorherrscht, darf Fleck als Bestätigung seiner Arbeit registrieren.

Die Früchte ihres Engagements zu ernten, davon entfernen sich dagegen die Gegner von Windkraftanlagen im Hunsrück – je mehr sie den Pfad der Sachlichkeit verlassen. Schilder um den Hals zu tragen und Klimaschutzmanager als „Mann, der immer die Lügen erzählt“ zu beschimpfen, ist nicht nur unterste Schublade, sondern führt dazu, dass die Windkraftkritiker niemand mehr ernst nimmt. Es wird ihnen in den Ohren geklingelt haben, als Professor Heck mehr Teilhabe und Toleranz forderte, auch gegenüber der Veränderung der Landschaft – wenn sie es denn gehört haben.

Boppard Simmern
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

Regionalwetter
Samstag

-2°C - 5°C
Sonntag

-2°C - 4°C
Montag

-2°C - 2°C
Dienstag

-3°C - 0°C
epaper-startseite
Anzeige
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach