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Neuwied

Zooserie: Fischfreunde, Allesfresser und eine Männer-WG

Es hat ein bisschen was von einem Gemischtwarenladen: Wildpferde, Mähnenspringer, Hirschziegenantilopen, der Streichzoo mit seinen Ziegen und Schafen, die Stachelschweine und sogar die Pinguine – sie alle gehören im Neuwieder Zoo zum "Huftierrevier II". Und das betreut Sonja Weiher.

Foto: ulf

Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

Schon seit 2008 ist die gebürtige Puderbacherin im Heimbach-Weiser Tierpark. Hier hat sie ihre Ausbildung absolviert und ihren Freund kennengelernt, hier will die 25-Jährige nicht mehr weg – auch wenn der Freund mittlerweile im Zoo von Nürnberg arbeitet und sie sich privat noch um vier Pflegepferde kümmert. "Ich hab' schon als kleines Mädchen für Pferde geschwärmt, und das hat sich nie geändert", erzählt sie mit leuchtenden Augen.

So war schnell klar, dass sie auch beruflich "was mit Tieren" machen wollte. Nach der Schule absolvierte sie daher zunächst eine Einstiegsqualifizierung auf einem Pferdehof und dann Praktika in den Zoologischen Gärten von Köln und Neuwied. In Letzterem ließ sie sich schließlich zur Tierpflegerin ausbilden und fühlt sich bis heute im Huftierrevier pudelwohl – weil die Mischung passt.

Denn wie schon angedeutet, besteht das Revier nicht nur aus Huftieren. Seine Zusammensetzung hat eher etwas mit der räumlichen Anordnung der Gehege im weitläufigen Tierpark zu tun. An dem einen Ende der Runde sind da zum Beispiel die Pinguine – große Publikumsmagnete, für Weiher aber auch die pflegebedürftigsten Tiere. Zweimal am Tag gibt's eine kommentierte Fütterung, und vorher müssen Hering, Makrele und Co. sehr gründlich gewaschen werden. Jedes erwachsene Tier frisst im Winter rund 450 Gramm Fisch, im Sommer etwas weniger.

Foto: ulf

Das Futter ist dabei mit Salztabletten präpariert, weil das Mineral durchs Einfrieren verschwindet. Und damit es gleichmäßig verteilt wird und sich nicht die vorwitzigsten Pinguine einfach die doppelte Portion holen, sind die 14 Tiere farblich markiert – die Männchen am rechten Flügel, die Weibchen am linken. So weiß Weiher, ob "Gelb rechts" noch etwas braucht oder ob sie den Fisch zu der eher gierigen "Pink links" werfen kann.

Eine Sonderbehandlung bekommt das vor wenigen Wochen geschlüpfte Jungtier, das noch für circa vier Monate in einem kleinen Extraraum im Gehege untergebracht ist und separat gefüttert wird. Schade für die Besucher, aber in der freien Natur würde es seine Bruthöhle auch nicht verlassen. Denn vor der Mauser hat der kleine Pinguin noch ein mit Flaum überzogenes Federkleid, das sich im Wasser vollsaugen würde. Schwimmen schwierig.

Die Vielfraße des Reviers sind die acht Stachelschweine. Ihnen können die Pfleger fast alles hinwerfen. "Selbst Aas", erzählt Weiher. Meist aber gibt's Gemüse, gern auch Nüsse und – wichtig für die Zähne – Äste. Deutlich monotoner ist dagegen der Speiseplan der Ziegen und Schafe im Streichelzoo. Sie fressen Gras, Heu und – am liebsten – die Pellets der Besucher. "Die schmecken ihnen schon sehr gut", weiß Weiher. Überhaupt: Die Besucher sind hier tatsächlich eine echte Hilfe. Zwar müssen Weiher und ihre Kollegen den Boden täglich selbst fegen, die (kleinen) Gäste übernehmen dafür in der Regel die Fellpflege. "Und das glänzt bei allen prächtig", freut sich Weiher.

Foto: ulf

Und selbst wenn den Besuchern ab und an mal eine Ziege ausbüxt, ist das kein Problem. Am Streichelzoo führt der Hauptweg der Tierpfleger (zum Misthaufen) vorbei, und alle halten ein Auge darauf. "Wenn dann mal eine Ziege außerhalb des Geheges ist, haben wir sie schnell wieder drin. Da hilft unsere Kleidung. Ziegen sind nicht dumm. Sie erkennen uns sofort und laufen dann schnell von selbst wieder rein", erzählt sie.

Nicht viel anders ist es bei den Mähnenspringern. Bock Stefan, seine fünf Mädels und die beiden in Neuwied geborenen Jungtiere gehen zu den Zoomitarbeitern aber eher auf Distanz. Deshalb müssen die Pfleger mit ihnen trainieren, indem sie ihnen Futter in die Schleuse legen und sich selbst ruhig in der Nähe postieren. So lernen die Tiere, dass sie dort hineingehen können – was die Pfleger erst ausnutzen, wenn wieder die circa alle acht Wochen nötige Klauenpflege ansteht. Ein ähnliches Einsperrtraining macht Weiher auch immer am Morgen mit den sieben Hirschziegenantilopen. Und weil das sehr scheue Tiere in einem großen Gehege sind, muss sie sich dafür Zeit nehmen.

Eine Besonderheit sind die Przewalski-Wildpferde. Denn Leithengst Mio, Natan und der aus Nürnberg zugezogene No a Gaul (fränkisch für "Noch ein Gaul") bilden eine reine Männer-WG. "Würden wir eine Stute reinsetzen, gäb' es Mord und Totschlag. So aber klappt es gut", weiß Weiher und nennt die gegenseitige Fellpflege als Beleg. "Es macht mich wirklich glücklich zu sehen, dass die Herde funktioniert", sagt sie mit einem Strahlen. Weil die Pferde – wie schon in ihrer Kindheit – ihre Lieblingstiere sind? "Nein", antwortet Sonja Weiher. "Ich habe hier keine Lieblingstiere. Auf ihre jeweilige Art sind sie alle so schön anzusehen, und es macht so großen Spaß, sie zu pflegen, dass ich mich da wirklich nicht festlegen kann."

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