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Neuwied

Zoo Neuwied: Wasch- und Nasenbär dürfen auf Dauer bleiben

Ulf Steffenfauseweh

Aufatmen im Neuwieder Zoo: Wasch- und Nasenbären sowie Schmuckschildkröten dürfen bleiben – und das auch auf Dauer. Denn Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland eine entsprechende Ausnahme von der EU-Verordnung zum Schutz einheimischer Tiere verabschiedet. Die Ampelkoalition hatte einen entsprechenden Antrag in den Landtag eingebracht und dort auch die Unterstützung der Union gefunden. Nur die AfD lehnte ihn ab.

Zoodirektor Mirko Thiel musste viele Briefe schreiben, um die Politik zu überzeugen.
Zoodirektor Mirko Thiel musste viele Briefe schreiben, um die Politik zu überzeugen.
Foto: Ulf Steffenfauseweh

Ziel der europäischen Regelung ist es, die Verbreitung "invasiver Arten" einzudämmen. Damit gemeint sind Tiere und Pflanzen, die in der EU nicht heimisch sind, aber hier problemlos allein überleben können und sich ausbreiten, wenn sie eingeschleppt werden. In der Praxis bedeutet das, dass es eine Liste mit bestimmten Arten gibt, die in der Europäischen Union weder transportiert noch gezüchtet werden dürfen – und damit auf Sicht verschwinden. "Grundsätzlich eine gute Idee. Man muss darauf ein Auge haben", findet Neuwieds Zoo-Direktor Mirko Thiel. "Sie haben nur leider den Halbsatz vergessen, der die wissenschaftlich geführten Zoos ausnimmt."

Denn die seien schließlich genau der richtige Ort, um über diese invasiven Arten aufzuklären. "Wir haben einen selbst auferlegten Bildungsauftrag. Und wer könnte besser auf die Probleme aufmerksam machen als wir, wenn wir sie gleichzeitig zeigen?", fragt er und hält fest, dass eine Reproduktion im Zoo auch nicht zur Vergrößerung der Population in der freien Natur führt. "Unsere erste Pflicht ist es ja ohnehin darauf zu achten, dass die Tiere bei uns bleiben. Und die wollen hier auch gar nicht weg. Die haben bei uns All Inklusive gebucht und werden liebevoll gepflegt", betont er.

Darüber hinaus macht er darauf aufmerksam, dass die Bestände – gerade bei Waschbären – im Vergleich verschwindend gering sind. "In Deutschland gibt es mittlerweile zwischen 750 00 und 1 Million Waschbären, in den Zoos sind es insgesamt vielleicht 250", schätzt er.

Unabhängig von den Waschbären birgt die EU-Verordnung für Thiel aber vor allem die Gefahr, dass sie radikalen Zoogegnern als Einfallstor dienen könnte. Denn für die Liste gibt es keine festen Kriterien. "Sie wird nur jedes Jahr ziemlich willkürlich erweitert, und da werde ich unruhig. ,Invasiv' heißt schließlich nur, dass sie hier überleben könnten. Und das kann theoretisch auch unser Tiger, wenn man ihn hier im Wald aussetzen würde", sagt der Zoodirektor.

Folglich ist er froh, dass das Vollzugsgesetz bei den Ländern liegt, und Rheinland-Pfalz jetzt die Ausnahme beschlossen hat. "Die Politik davon zu überzeugen, war viel Arbeit, aber sie hat sich gelohnt", sagt Thiel, während er in dicken Ordnern mit Schriftverkehr aus drei Jahren blättert. Mit dem Beschluss in Mainz ist für den Zoodirektor allerdings nur ein Etappenziel erreicht. Denn von der Ausnahme profitieren zunächst lediglich Neuwied und Landau als einzige wissenschaftlich geführten Zoos in Rheinland-Pfalz. "Die anderen Bundesländer müssen jetzt unbedingt nachziehen", fordert Thiel. "Um den Genpool groß genug zu halten und keine Inzest zu bekommen, müssen wir Tiere mit anderen Zoos tauschen und auch transportieren können", unterstreicht er.

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