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    St. Elisabeth Krankenhaus wird 150 Jahre: Als die Schwestern kamen, um zu pflegen

    Vor 150 Jahren kamen die ersten beiden Schwestern nach Neuwied und legten damit den Grundstein für das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth. Die RZ blickt zurück.

    Vor 150 Jahren kamen die ersten beiden Franziskanerinnen aus Waldbreitbach nach Neuwied, um zu pflegen. Später bauten sie das heutige Marienhaus-Klinikum St. Elisabeth, das vor 50 Jahren seinen ersten großen Anbau erhielt. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1934.  Fotos: Archiv Marienhaus
    Vor 150 Jahren kamen die ersten beiden Franziskanerinnen aus Waldbreitbach nach Neuwied, um zu pflegen. Später bauten sie das heutige Marienhaus-Klinikum St. Elisabeth, das vor 50 Jahren seinen ersten großen Anbau erhielt. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1934. Fotos: Archiv Marienhaus

    Als vor 150 Jahren die Keimzelle für das heutige St. Elisabeth-Krankenhaus in Neuwied gelegt wird, hat Alfred Nobel gerade das Dynamit erfunden, ist es noch nicht lange her, dass Friedrich Wilhelm Raiffeisen sein Amt als Bürgermeister von Heddesdorf niedergelegt hat. Henry Dunant hat vor drei Jahren das Rote Kreuz gegründet, die moderne Schulmedizin steckt noch in den Kinderschuhen. Ein System der beruflichen Krankenpflege existiert nicht. Erst 1869 wird Rudolf Virchow überhaupt eine Ausbildung für diese Tätigkeit fordern.

    Um alte und kranke Menschen kümmern sich die Familien. Und langsam kommt der Trend auf, dass immer mehr Nonnen aus ihrer christlichen Motivation heraus diese Aufgaben übernehmen. Sie pflegen die Menschen ambulant und halten in ihren Häusern nachts Krankenwache. In Waldbreitbach hat Margaretha Flesch, die Selige Mutter Rosa, 1863 den Franziskanerinnenorden gegründet. Er verschreibt sich eben diesem Ziel und wächst rasch. Nur vier Jahre später kann er dem Bitten von Pfarrer Rademacher entsprechen und zwei Schwestern nach Neuwied entsenden. Die beiden Frauen beziehen 1867 zwei Zimmer in der Nähe der alten Kirche und legen damit vor 150 Jahren – zumindest im übertragenen Sinn – der Grundstein für das Marienhaus-Klinikum St. Elisabeth. Heute arbeiten dort fast 1200 Angestellte, werden mehr als 60.000 Patienten pro Jahr behandelt.

    Nur pflegende Ordensschwestern gibt es dort 2017 nicht mehr. Bis in die 1980er-Jahre, so erinnert sich Schwester Edith-Maria Magar, werden noch alle Stationen von Nonnen geleitet. Doch das lässt sich nicht mehr aufrecht erhalten. „Ab Mitte der 1970er-Jahre verändert sich die Gesellschaft und überall in Europa geht die Zahl der Schwestern zurück“, sagt die Generaloberin und weiß: „Frauen gehen heute nicht mehr ins Kloster, um zu pflegen.“

    Chronik St. Elisabeth Krankenhaus

    2011 schließlich sind noch sieben Schwestern im St.-Elisabeth-Krankenhaus verblieben, als die Einrichtungen der Ordensgemeinschaft in die neu gegründete Marienhaus-Stiftung überführt wird. Die wiederum verantwortet, dass die christliche Philosophie des Hauses erhalten bleibt.

    Und das bedeutet, dass der Mensch in seiner Gesamtheit gesehen werden soll. Wie Krankenhausoberin Therese Schneider erklärt, streben die Verantwortlichen des St. Elisabeth hier sogar einen Rückwärtstrend an: „Wir haben ein hoch spezialisiertes Haus und machen tolle Medizin, die wir aber wieder stärker vernetzen müssen“, weiß sie und unterstreicht: „Die Wissenschaft ist ein Segen. Trotzdem darf man bei all den Details nicht den Blick auf die Gesamtheit des kranken Menschen verlieren.“ Und diese Entwicklung lässt sich auch an der Geschichte des Gebäudes ablesen, bei der es 2017 ein zweites Jubiläum gibt:

    Zunächst kaufen die Schwestern 1878 ein „geräumiges Haus“ in der Marktstraße, und am 5. September 1890 genehmigt dann die preußische Regierung die Errichtung eines privaten Krankenhauses. Das ist umstritten. Es gibt scharfe Proteste in der überwiegend protestantischen Bevölkerung, denn in Neuwied gibt es bereits das evangelische Stadtkrankenhaus (heute DRK). „Hier trennte sich tatsächlich die religiöse Welt. Und bei der Wahl des Krankenhauses entschied die Konfession. Wo der bessere Arzt ist, war damals egal“, weiß Therese Schneider. Und so entzieht die Regierung dem Haus 1898 die Anerkennung wieder. Die Schwestern müssen ein Jahr später am damaligen Rand der Stadt auf Heddesdorfer Gebiet einen Acker kaufen, auf dem 1901 der heutige Altbau des Klinikums eingeweiht wird.

    Im Laufe des Ersten Weltkriegs ändert sich diese Einstellung dann langsam, und spätestens mit dem Zweiten Weltkrieg steigt die Akzeptanz des katholischen Klinikums in der Bevölkerung massiv. „Das verdanken wir wirklich mutigen, couragierten Schwestern, die nicht nur im Krankenhaus waren, sondern auch zu den Menschen gegangen sind, die sich versteckt haben“, sagt Schneider und erzählt, dass die konfessionellen Unterschiede mittlerweile keinerlei Bedeutung mehr haben. „Die Fürstenfamilie ist nicht katholisch geworden, aber die jüngeren Mitglieder sind trotzdem hier geboren worden“, sagt sie und hält fest: „Das liegt einfach daran, dass die Kliniken Schwerpunkte ausdifferenziert haben.“

    Vorher schon, in den 1960er-Jahren, steigen die Patientenzahlen, sodass ein Plan für einen Erweiterungsbau entworfen und genehmigt wird. Dieser Neubau wird schließlich 1967 – also heute vor 50 Jahren – eröffnet und mit dem 7-Millionen-Mark-Projekt wird die 500-Betten-Grenze überschritten. „Noch eindrucksvoller als die Größe ist die Fülle der modernsten technischen Einrichtungen“, schreibt die Rhein-Zeitung damals. Doch eben das ist es, was Therese Schneider meint, wenn sie den Anbau „schon sehr funktional“ nennt. Mit dem 2012 eingeweihten aktuellen Neubau habe man das wieder etwas zurückgedreht. Da wird auch baulich viel Wert darauf gelegt, dass sich die Patienten wohl fühlen.

    Ulf Steffenfauseweh

    Den Anfang und das Ende des Lebens stärken

    Neuwied. Seit die ersten Franziskanerinnen vor 150 Jahren aus Waldbreitbach zur Krankenpflege nach Neuwied kamen, hat sich viel verändert. Vor allem ist der 1891 errichtete Altbau des St. Elisabeth Krankenhauses vor 50 und vor 5 Jahren deutlich vergrößert worden. Überhaupt: „Baumaßnahmen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte unseres Hauses“, sagt Therese Schneider und betont: „Es wird hoffentlich weiter gebaut.“

    Denn damit meint die Krankenhausoberin keine allgemeine, diffuse Zukunftserwartung. Kurz gefasst geht es ihr darum, in nächster Zeit die Versorgung am Anfang und am Ende des Lebens zu verbessern. Konkret heißt das, dass sie auf der einen Seite die Neu- und Frühgeborenenmedizin (Neonatologie) am Standort Neuwied noch weiter stärken will. Glücklicherweise blicke man wieder auf deutlich steigende Geburtenzahlen. Dabei werde aber vor allem auch die Zahl der Mütter im Risikoalter größer. „Sie brauchen mehr Begleitung“, weiß Schneider und würde daher gern die Fachabteilung personell aufstocken. Dazu brauche es aber noch deutlich mehr Investitionen in die Ausbildung, insbesondere von Hebammen.

    Auf der anderen Seite hat sie den „Traum“ eines stationären Hospizes vor Augen hat. Ein Punkt, der auch Generaloberin Schwester Edith-Maria Magar am Herzen liegt: „Es ist wichtig, das Leben in Würde zum Ende zu bringen, den Patienten dabei zu begleiten und den Abschied zuzulassen“, fasst sie zusammen.

    Die Kapazitäten der vor 25 Jahren eingerichteten Palliativstation reichen dafür allerdings nicht mehr aus. „Die Wartelisten werden immer länger“, beobachtet Schneider. Gleiches gelte für die Station am benachbarten DRK-Klinikum. Und auch das nächstgelegene stationäre Hospiz in Koblenz sei mittlerweile zu klein geworden. „Der Bedarf ist riesig. Diese Lücke würden wir gern schließen“, sagt die Oberin. Ganz einfach ist das allerdings nicht. Denn weil es eine von der Politik gesetzte Vorgabe gibt, dass mit sterbenden Menschen kein Gewinn erzielt werden darf, kann ein Hospiz nicht kostendeckend arbeiten. Folglich ist eine solche Initiative auf Unterstützung von außen angewiesen. „Wir brauchen bürgerschaftliches Engagement, und fünf Prozent müssten über Spenden abgedeckt werden“, sagt Schneider.

    Das Vorhaben eines stationären Hospizes könnte ihrer Meinung nach nur in einem eigenständigen, zentrumsnahen Bau „mitten im Leben“ realisiert werden. Idealerweise sollte dies in gemeinsamer Trägerschaft mit dem DRK-Krankenhaus stehen, meint Schneider. Welches von beiden Häusern dabei letztlich „den Hut auf hat“, sei nebensächlich. „So viel Wettbewerb es in vielen anderen Bereichen gibt, so wenig gibt es in diesem“, sagt sie. 

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