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    RZ fragt OB-Kandidaten: "Was fällt Ihnen zu diesen Fotos ein?"

    Wer durch die Stadt Neuwied spaziert, dem fallen ganz von alleine Missstände auf. Das können überquellende Mülleimer sein, Baustellen, an denen sich nichts tut, leer stehende Immobilien oder auch Menschen, die um Geld betteln. Wir haben ein paar Szenen mit Konfliktpotenzial fotografisch eingefangen und den beiden Männern vorgelegt, die Oberbürgermeister von Neuwied werden wollen. Bürgermeister Jan Einig (41) tritt für die CDU an, der Stadtbeigeordnete Michael Mang (36) für die SPD. Beide haben wir gefragt: „Was fällt Ihnen zu diesen Fotos ein?“.

    Deichvorgelände:

    Foto: Christina Nover

    Einig: Eine der größten Investitionen in Neuwied, die Sicherung der Kaimauer und die Umgestaltung des Rheinufers. Wir werden unser Deichvorgelände zu einer attraktiven, einladenden Flaniermeile mit hoher Aufenthaltsqualität ausbauen – trotz aller technischen Schwierigkeiten, die wir jetzt schnell bewältigen müssen. Der Teufel steckt im Detail, aber das bekommen wir ohne Zweifel hin. Für mich ist es genauso wichtig, das wir aus der „Deichkrone“ ein Leuchtturmprojekt entwickeln, das sowohl zum Rhein, wie auch in die Stadt hinein Anziehungskraft entwickelt. Hier stelle ich mir in Kooperation mit privaten Investoren ein attraktives Hotel mit Gastronomie und Außenterrasse vor – ein absolutes Highlight in toller Lage.

    Mang: Das Deichvorgelände beschäftigt seit etlichen Jahren die Kommunalpolitik. Ich wünsche mir, dass die Baustelle schnell fertig wird und wir im Kosten- und Zeitrahmen liegen. Nicht nur ich, sondern viele freuen sich darauf, wieder im Biergarten sitzen zu können und dabei nicht auf eine Baustelle zu blicken, sondern das neu gestaltete Gesicht der Stadt zu sehen. Direkt im Anschluss an das Projekt Deichvorgelände müssen wir uns an die Deichkrone begeben. Doch bevor wir eine Lösung für dieses geschichtsträchtige Gebäude finden, sollten wir ohne Verzögerungen zwei Maßnahmen angehen: erstens eine gute Beleuchtung der Treppen und zweitens eine Sanierung des Umganges, damit auch Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen mit Rollatoren auf dem gesamten Deich spazieren gehen können.

    Stromtankstelle:

    Foto: Christina Nover

    Einig: Die E-Tankstelle ist für mich ein Symbol von vielen, dass städtische Entwicklung und Verantwortung für die Umwelt Hand in Hand gehen müssen. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn auch die Kommunen mitziehen. Unsere Stadtwerke gehen hier voran, bieten zu 100 Prozent Ökostrom an, sie bauen regenerative Ressourcen aus. Das ist vorbildlich und stärkt die Entwicklung des Unternehmens mit seinen vielen Arbeitsplätzen. Das ist außerdem, da bin ich mir sicher, auch ein Standortfaktor. Damit beweisen wir, dass wir auch an nachfolgende Generationen denken.

    Mang: Die E-Mobilität wird Deutschland und somit auch Neuwied verändern. Sie gibt uns zugleich aber auch eine große Aufgabe. Der Ausbau eines flächendeckenden Stromtankstellensystems gerade in den Innenstädten stellt die Stromleitungen in unseren Straßen vor eine neue Herausforderung, die wir aber nutzen sollten. Wenn Strom ökologisch produziert wird, können E-Autos für Städte ein echter Gewinn an Lebensqualität sein, da die Schadstoffbelastung für jeden Bürger reduziert wird. Und dies gilt nicht nur für PKW, sondern auch für Busse und Zulieferfahrzeuge. Die Stadtverwaltung Neuwied setzt in ihrem Fuhrpark bereits ein E-Auto ein. Das würde ich gerne weiter ausbauen, denn gerade im Stadtverkehr können diese Fahrzeuge mit dem Entwicklungsstand von heute schon gut genutzt werden. Allerdings muss uns bei einem Mobilitätskonzept bewusst sein, dass die Einbindung von elektrischen Antrieben nicht von heute auf morgen umgesetzt sein wird und wir noch einige Hausaufgaben dafür erledigen müssen.

    Flüchtlingscamp:

    Foto: Jörg Niebergall

    Einig: Containerdorf, Kühlturm, Engerser Feld. Nur letzteres als größtes Trinkwasserreservoir in Rheinland-Pfalz sollte erhalten werden. Beim Fall des Kühlturms werden die Menschen in unserer Stadt und der ganzen Region aufatmen. Das Containerdorf sollte nach und nach schrumpfen und kann nur eine Übergangslösung sein: Wir müssen die Integration vorantreiben, um eine Parallelgesellschaft in unserer Stadt zu verhindern. Dazu braucht es Sprachkurse, die Menschen müssen dezentral in Wohnungen untergebracht werden. Sie müssen lernen, wie unsere Stadt und wie Nachbarschaft funktioniert, welche Werte bei uns zählen. Die Ehrenamtler, die bisher großartige Hilfe geleistet haben, dürfen wir nicht überfordern.

    Mang: 1662 erließ Graf Friedrich III. das Stadtrechtsprivileg und verlieh damit den Bürgern seiner jungen Stadt ungewöhnliche Freiheitsrechte. Diese Freiheiten waren und sind bis heute das Fundament für den toleranten und offenen Gemeinschaftssinn Neuwieds. Mit dem Zustrom vieler geflüchteter Menschen 2015/2016 stand auch Neuwied vor einer großen Herausforderung. Diese konnten wir Dank der fantastischen Unterstützung so vieler Menschen aus Kirchen, Verbänden und Vereinen stemmen. Ich bin stolz darauf, gemeinsam mit meinen Mitarbeitern zum Gelingen dieser Aufgabe einen Beitrag geleistet zu haben. Auch wenn wir eine große Sammelunterkunft nie als optimale Unterbringung ansahen, war und ist das Camp Neuwied die einzige Möglichkeit, so viele Menschen schnell und sicher unterzubringen. Ich bin jedem dankbar, der im Camp hilft und wichtige Beiträge zur Integration leistet. Doch uns allen muss bewusst sein, dass wir beim Thema Integration nach so kurzer Zeit noch einiges zu leisten haben.

    Bushaltestelle am Schloßtheater:

    Foto: Christina Nover

    Einig: „Schloßtheater“: Das darf nicht nur der Name einer Haltestelle sein, die an eine großartige kulturelle Einrichtung der Stadt erinnert. Das Schloßtheater muss erhalten werden. Es ist ein Aushängeschild für Neuwied, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist. Es ist zugleich ein äußerst wichtiger, unverzichtbarer Baustein im kulturellen Angebot unserer Stadt. Der Zuschuss des Landes ist keine Verschiebemasse, wenn wie in Mainz die Kasse leer ist. Als Oberbürgermeister werde ich mich mit Macht für den Erhalt unseres Theaters einsetzen. Ich werde mit den Verantwortlichen in Mainz klare Worte sprechen und gemeinsam mit Rat, Bürgerschaft und den Theatermachern die Zukunft des Schlosstheaters dauerhaft sichern.
Ohne Wenn und Aber.

    Mang: Viele ältere Menschen erzählten mir bei meinen Hausbesuchen, dass für sie ein Theaterbesuch wegen der schlechten Busverbindungen von und in ihre Stadtteile nicht möglich ist. Auch die gemeinsamen Treffen vom Jugend- und Seniorenbeirat widmen sich immer wieder diesem Thema. Zwar ist beim ÖPNV der Kreis maßgeblich, trotzdem muss es uns als Stadt gelingen, mit neuen Konzepten allen Generationen Mobilität anzubieten. Wie die Idee „Bürgerbus“, ein rheinland-pfälzisches Projekt, das derzeit von Herrn Walther aus Feldkirchen verfolgt wird. Dies ist aber nur ein Teil des Bildes, der andere ist die Landesbühne mit dem Schlosstheater. Ich habe erlebt, wie Nikolaus Roth intensiv auf Landesebene für das Neuwieder Theater gekämpft hat. Diese kulturelle Einrichtung brauchen wir weiterhin in unserer Stadt und dafür werde ich mich genauso vehement einsetzen wie er.

    Leerstände in der Innenstadt:

    Foto: Christina Nover

    Einig: Ein Bild, das ich so nicht länger hinnehmen will: leer stehende Geschäfte und leere Straßen. In den Scheiben spiegelt sich, dass man die Händler, Gastronomen und Immobilienbesitzer zu lange allein ließ. Keine Hilfen, keine Beratung. Wir müssen aus der Abwärtsspirale raus, sonst wird der Schaden für die Stadt insgesamt irreparabel. Wir brauchen mehr Flair. Kurzfristige Investitionen der Stadt in die Optik für mehr Grün, mehr Blumen, ein Wasserspiel und eine moderne Beleuchtung. Ohne attraktive City wollen sich auch Firmen nicht ansiedeln. Ohne Arbeitsplätze werden auch die Stadtteile langfristig leiden. Die Stadt verliert Gestaltungsspielraum. Statt eines Kümmerers, der bloß nach vollen Mülleimern Ausschau hält, will ich mit Citymanager und Wirtschaftsförderung die Probleme anpacken. Es ist höchste Zeit. Ich werde kurzfristig alle Akteure der Innenstadt an einen Tisch bringen. Gemeinsam werden wir innerhalb von sechs Monaten einen „Masterplan City 2025“ erarbeiten und diesen konsequent umsetzen. Das ist für mich Chefsache.

    Mang: Insbesondere in Zeiten von Onlinehandel und großflächigen Gewerbegebieten stellt eine attraktive Innenstadt eine große Herausforderung dar, so auch in Neuwied. Die Neuwieder Innenstadt muss sich abheben und braucht mehr Alleinstellungsmerkmale. Ein guter Branchenmix aus abwechslungsreichem Einzelhandel mit zum Beispiel regionalen Produkten und einer Gastronomie, die mit ihrem Ambiente zum Verweilen einlädt, muss das Ziel sein. Leer stehende Schaufenster könnten vorübergehende Ausstellungen zeigen oder anderweitig genutzt werden. In anderen Städten ist dies bereits sehr erfolgreich erprobt, um die Attraktivität der angrenzenden Ladenlokale zu erhalten.Mit einem Stadtkümmerer anstatt eines City-Manager möchte ich nicht nur über den Leerstand sprechen, sondern pragmatisch und konsequent anpacken.

    Von unserer Redakteurin Christina Nover

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