40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Neuwied/Linz
  • » Neuwieder Pfarrer ärgert sich über "Kirchenchiller" vor St. Matthias
  • Aus unserem Archiv
    Neuwied

    Neuwieder Pfarrer ärgert sich über "Kirchenchiller" vor St. Matthias

    Was sich bisweilen rund um die Matthiaskirche gleich gegenüber dem Kaufland abspielt, das ärgert nicht nur Pfarrer Thomas Darscheid, der gleich nebenan wohnt. Auch viele Passanten, Bürger und Kirchenbesucher fühlen sich gestört und belästigt. Zurzeit ist ein wenig Ruhe eingekehrt – vor allem aufgrund der Witterung. Doch bald könnte es wieder losgehen: „Ich fürchte das Frühjahr“, sagt Pastor Darscheid. Er hat Angst, dass es dann wieder beginnt mit Krach, Dreck, Pöbeln und Pinkeln gegen die Kirchenmauer.In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses wurde das ganze Ausmaß des Dilemmas deutlich. Im Kern geht es dabei um die Frage, wo eigentlich in Neuwied Platz ist für Jugendliche, für Obdachlose, für Drogenabhängige und für andere Gruppen, die das Gelände vor der Matthiaskirche für sich erobert haben – sehr zum Leidwesen der katholischen Kirchengemeinde.

    Während der kalten und feuchten Jahreszeit halten sich nur wenige auf dem Platz vor der Matthiaskirche auf. Pastor Thomas Darscheid befürchtet, dass die Probleme im Frühjahr wieder beginnen. 150 Jugendliche und junge Erwachsene hat das Jugendamt dort gezählt.
    Während der kalten und feuchten Jahreszeit halten sich nur wenige auf dem Platz vor der Matthiaskirche auf. Pastor Thomas Darscheid befürchtet, dass die Probleme im Frühjahr wieder beginnen. 150 Jugendliche und junge Erwachsene hat das Jugendamt dort gezählt.
    Foto: Marcelo Peerenbo

    Neuwied – Was sich bisweilen rund um die Matthiaskirche gleich gegenüber dem Kaufland abspielt, das ärgert nicht nur Pfarrer Thomas Darscheid, der gleich nebenan wohnt. Auch viele Passanten, Bürger und Kirchenbesucher fühlen sich gestört und belästigt. Zurzeit ist ein wenig Ruhe eingekehrt – vor allem aufgrund der Witterung. Doch bald könnte es wieder losgehen: „Ich fürchte das Frühjahr“, sagt Pastor Darscheid. Er hat Angst, dass es dann wieder beginnt mit Krach, Dreck, Pöbeln und Pinkeln gegen die Kirchenmauer.In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses wurde das ganze Ausmaß des Dilemmas deutlich. Im Kern geht es dabei um die Frage, wo eigentlich in Neuwied Platz ist für Jugendliche, für Obdachlose, für Drogenabhängige und für andere Gruppen, die das Gelände vor der Matthiaskirche für sich erobert haben – sehr zum Leidwesen der katholischen Kirchengemeinde.

    Wie Polizeioberrat Wolfgang Meeß berichtete, ist die Gruppe, die sich dort trifft, alles andere als homogen. Folgende Gruppen hat die Polizei dort ausfindig gemacht:

    - Wohnsitzlose, die durch die Caritas betreut werden und der Stadtstreicher-Szene zuzuordnen sind,

    - „ganz normale“ Jugendliche, die auch gesprächsbereit sind,

    - jugendliche Mehrfach- und Intensivtäter, die polizeibekannt sind,

    - drogenabhängige Jugendliche, teilweise darunter auch Dealer.

    Nicht nur aus Neuwied stammen die jungen Leute, die vielen unangenehm auffallen. Wie Polizeioberrat Meeß ausführte, kommen die Betreffenden auch aus der Eifel, dem Westerwald und aus der Bonner Ecke. „Wir beobachten das mit großer Sorge, weil es eine dynamische Entwicklung gibt. Im Sommer versammeln sich teilweise über 100 Personen“, sagte Meeß. Witterungsbedingt hat sich die Zahl der „Kirchenchiller“ aktuell auf 30 bis 40 reduziert. Wie groß die Dynamik sein kann, hat sich mehrfach gezeigt: Kürzlich kam es zu einer Schlägerei zwischen zwei rivalisierenden Gruppen. Und vor Kurzem haben Jugendliche in einer Nacht das Parkdeck des Kauflands auseinandergenommen und dort einen Schaden in Höhe von 15 000 Euro verursacht.

    Was die Kirchengemeinde stört, fasste Pastor Darscheid zusammen:

    - Der Platz ist voller Müll, und es wird „heftig uriniert“,

    - der ungehinderte Zugang zur Kirche ist nicht möglich,

    - Es gibt Sachbeschädigungen in und an der Kirche,

    - Passanten und Mitarbeiter werden beschimpft,

    - Gottesdienste werden gestört.

    Höhepunkt ist nach Worten Darscheids die Störung eines Sterbeamts gewesen, das der Weihbischof gehalten habe. „Das ist kein Aushängeschild für Neuwied“, sagte der Geistliche, der die Stadtvertreter aufforderte, sich dafür einzusetzen, dass die Jugendlichen in Neuwied einen Platz für sich finden. „Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das immer noch fehlende Jugendzentrum.“

    Welche positive Rolle ein ausreichend großes Jugendzentrum spielen kann, wurde deutlich, als Jugendpfleger Stephan Amstad und Jugendtreff-Mitarbeiterin Ulrike Ackermann von ihren Erfolgen berichteten. Ihnen ist es gelungen, eine Gruppe von 40 bis 50 Jugendlichen, die sich bisher an der Matthiaskirche traf, ans „Big House“ anzudocken. Die jungen Leute kommen mittlerweile regelmäßig in den Treff an der Museumsstraße, wodurch ein Verdrängungsprozess in Gang gekommen ist. Es handelt sich dabei, wie Ulrike Ackermann erläuterte, keineswegs um Punks, wie häufig angenommen, sondern um „Jugendliche ohne Sinn, ohne Hoffnung“. Die Arbeit mit ihnen sei sehr intensiv, teilweise müsse Einzelfallhilfe geleistet werden.

    „Das Problem ist die hohe Anzahl und die Tatsache, dass wir keine Räume im Jugendtreff haben, um Beratungsgespräche durchzuführen“, erklärte Ackermann, die von „Käfighaltung“ sprach. „Zum Teil gehen wir um die Ecke zur Tafel, um ein ruhiges Gespräch führen zu können.“

    Für die Mitglieder des Jugendbeirats war dies eine erneute Begründung für das von ihnen seit Jahren geforderte Jugendzentrum, für das die von der Politik vorgesehenen 400 Quadratmeter nicht ausreichten, wie der frühere Vorsitzende Christopher Bednorz unterstrich.

    Einig waren sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses auch darin, dass ein Jugendzentrum nicht das Allheilmittel für alle Probleme sein kann – aber ein wichtiger Baustein. Beigeordneter Jürgen Moritz lobte die Jugendtreff-Kollegen: „Sie leisten ungeheuer wichtige Arbeit für die Stadt.“ (mp)

    Neuwied Linz
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter Neuwied
    Samstag

    1°C - 4°C
    Sonntag

    3°C - 4°C
    Montag

    3°C - 7°C
    Dienstag

    3°C - 6°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach