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    Neuwieder gestaltet Spiele für Blinde um

    Es geht um Normalität und um eine ganz besondere Form der Integration: Seit 30 Jahren schlägt Volker Lendeckel durch den Umbau von Gesellschaftsspielen eine sprichwörtliche Brücke zwischen Blinden und Sehenden.

    Volker Lendeckel bei der Arbeit: Bei der Herstellung der Acryl-Platten ist Fingerspitzengefühl gefragt.  Fotos: Regine Siedlaczek
    Volker Lendeckel bei der Arbeit: Bei der Herstellung der Acryl-Platten ist Fingerspitzengefühl gefragt. Fotos: Regine Siedlaczek
    Foto: rsz

    Von unserer Mitarbeiterin Regine Siedlaczek

    Entstanden ist die Idee aus dem Wunsch seiner blinden Ehefrau, mit den Kindern die Spiele zu spielen, die sie aus dem Kindergarten kannten. Jetzt, drei Jahrzehnte später, blickt Lendeckel auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Spielehersteller Ravensburger zurück, von der auch Enkelin Fenja profitiert.

    "Das Wichtigste ist, dass die Optik des Spiels nicht unter der Umgestaltung leidet", erklärt Lendeckel, der weiß, dass zahlreiche Menschen mithilfe von Klebeband oder kleinen Nägeln versuchen, Spiele für Blinde umzufunktionieren. Dies sei allerdings wenig attraktiv und vor allem für Kinder unpraktisch. Bei seinen Umbauten arbeitet Lendeckel daher mit einer unsichtbaren, aufgeklebten Folie, die je nach Spielvorlage individuell am Computer entworfen und später in Acryl gefräst wird.

    Das Ergebnis wird anschließend erhitzt und auf die vorher präparierte Spielfläche aufgebracht. "Pro Jahr kann ich auf diese Weise rund 200 Spiele umbauen", sagt Lendeckel, der bei seiner Arbeit von der ganzen Familie unterstützt wird. So kümmert sich seine Ehefrau Erika trotz ihrer Erblindung um die Kundenkartei, verfasst Spieleanleitung in Braille-Schrift und entwirft zum Beispiel für beschriftete Spielsteine das für Blinde leserliche Pendant. Lendeckels Sohn ist als gelernter Programmierer für das Herstellen der Matrizen zuständig, und seine Tochter steht als Blindenlehrerin stets mit Rat und Tat zur Seite.

    Lendeckel arbeitet ehrenamtlich

    Und dennoch ist es für die Familie Lendeckel nicht immer leicht, denn was die wenigsten erahnen: Er arbeitet ehrenamtlich und hat seinen Wunsch, Blinden den Umgang mit Sehenden zu erleichtern, zu einem Hobby gemacht. Jetzt, mit zunehmendem Alter, hofft Lendeckel, sein besonderes Lebenswerk auch in Zukunft erhalten zu können: "Europaweit bin ich der Einzige, der Spiele auf diese Weise umgestaltet", weiß Lendeckel, der derzeit im Gespräch mit der Informa gGmbH in Oberbieber ist. Dort könnte künftig die Produktion stattfinden, während Entwicklung und Vertrieb weiterhin bei Lendeckel bleiben.

    Wie selbstverständlich spielt die siebenjährige Fenja mit ihrer Großmutter Erika Lendeckel ein umgestaltetet Spiel.
    Wie selbstverständlich spielt die siebenjährige Fenja mit ihrer Großmutter Erika Lendeckel ein umgestaltetet Spiel.
    Foto: rsz

    Einzige Voraussetzung: eine Maschine in entsprechender Größe. Doch die ist teuer: "Die Gesamtkosten inklusive der Maschine belaufen sich auf rund 20 000 Euro", erklärt Lendeckel, der somit auf Sponsoren, Unterstützer und engagierte Bürger angewiesen ist.

    Aktuell arbeitet Lendeckel mit einer weitaus kleineren Maschine: "Ich hoffe sehr, dass wir die Kosten zusammenbekommen, und wir die Arbeit auch auf lange Sicht weiterführen können", sagt Lendeckel, der sich durchaus bewusst ist, dass er für eine sehr kleine Zielgruppe arbeitet: "Blinde unter sich spielen in der Regel Klassiker wie Mühle oder Dame, und auch Menschen, bei denen die Erblindung mit einer weiteren, womöglich geistigen Behinderung einhergeht, spielen nicht mit meinen Spielen."

    Und dennoch bleibt das Ideal, Menschen durch eine Alltäglichkeit wie das gemeinsame Spielen zusammenzubringen. "Wer ein blindes Kind hat oder durch einen Unfall erblindet ist weiß, wie wichtig Dinge dieser Art sind", betont Lendeckel, der mit seiner Familie das beste Beispiel für Integration gibt, denn wenn seine blinde Frau ganz selbstverständlich mit der sehenden Enkeltochter Fenja spielt, weiß er, wofür er seit 30 Jahren ehrenamtlich arbeitet.

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