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Kreis Neuwied

Neuer Vermarktungsweg wegen Kartellbedenken: Holzkäufer hofft auf mehr Wettbewerb

Yvonne Stock

Oliver Mühmel steht im Wald vor gestapelten Holzstämmen. Wo der Spaziergänger vielleicht wahrnimmt, dass es sich um Nadelholz handelt, schaut der geschäftsführende Gesellschafter von Van Roje Sägewerk und Holzhandlung genau hin, derzeit auch auf Spuren vom Holzkäfer. Das Forstamt Dierdorf präsentiert, was es für das Unternehmen aufgrund der langfristigen Lieferverträge ausgesucht hat. In Zukunft läuft die sogenannte Vorzeigung anders, das Unternehmen erhofft sich einiges davon.

Foto: ys

Frank Krause, Leiter des Revieramts Anhausen, hat die zu verkaufenden Stämme bereits katalogisiert, die Länge, den Durchmesser und die Güte festgelegt. Mühmel schaut in dem Holzaufnahmebuch nach und fragt, ob das vor ihm ein Stamm der Kategorie C ist. Er hat auf den ersten Blick gesehen, dass er in sich leicht gedreht ist, wenn das Holz trocknet, kann es sich zurückdrehen, was Auswirkungen auf die Qualität hat, erläutert Mühmel. Ein schöner schlanker Stamm ist Kategorie B, hat er viele Äste, geht er in Richtung C, hat sich gar der Holzkäfer durchgefressen, ist es D, erläutert Uwe Hoffmann, Leiter des Forstamts Dierdorf. Große Äste sind schlecht, weil das Holz später überwiegend im Bau zum Einsatz kommt und an den Astansatzstellen Sollbruchstellen entstehen, erläutert Mühmel. Käfer fressen nicht nur Gänge durch das Holz, sie leben auch in einer Art Symbiose mit färbenden Pilzen. Holz der Kategorie A ist astrein, damit besonders, kommt etwa im Instrumentenbau zum Einsatz und ist laut Hoffmann eher beim Laubholz zu finden. „Je höher der Preis, desto kritischer der Blick“, sagt Krause.

Stichprobenartig kontrolliert der Käufer die Güteeinteilung von Krause – viel läuft nach vielen Jahren der Zusammenarbeit auf Vertrauensbasis. Aber über den ein oder anderen Stamm gibt es immer Diskussionen, berichtet Hoffmann. Im Sommer mehr als sonst, weil das Holz zum Teil schon mehrere Wochen am Wegesrand liegt, bis der Käufer kommt – und dann kann gerade in der derzeitigen Trockenperiode der Holzkäfer bereits darüber hergefallen sein. Auch auf den Stämmen für Van Roje zeugen einige Häufchen von Eindringungsversuchen der Insekten.

Mühmel hofft, dass es nicht mehr werden, denn sein Sägewerk in Oberhonnefeld-Gierend, in dem Fichte und Douglasie zugeschnitten wird, kommt derzeit mit der Arbeit nicht hinterher. Etwa doppelt so viel Holz wie sonst liegt im Wald und wartet auf die Abholung – was unter anderem an den beiden Stürmen im Frühjahr liegt. Wenn der geschäftsführende Gesellschafter seine Unterschrift unter das Holzaufnahmebuch setzt, dann geht das Risiko in dem Moment auf ihn über, und – sehr ungewöhnlich in der Wirtschaft – das Geld fließt bevor die Ware beim Kunden ist. „Wenn es gesägt ist, kann man es nicht mehr zuordnen“, erläutert Hoffmann den Grund. „Das ist eine enorme Belastung für die Unternehmen“, sagt Mühmel. Denn bis bei Van Roje das Geld seiner Kunden ankommt, vergeht einige Zeit. Er hofft, dass sich das ändert, wenn die Vermarktung des Holzes aus dem kommunalen Wald für das Gebiet Westerwald-Rhein-Taunus Anfang kommenden Jahres eine GmbH übernimmt. Wegen kartellrechtlicher Bedenken wird die im ganzen Land neu geregelt. Im Sägewerk werden die Stämme mittels Laser nach der Entrindung ohnehin vermessen, dann könnte man aus Mühmels Sicht die Vorzeigung weglassen. Hoffmann wendet ein, dass das Risiko dann erst später auf das Unternehmen übergeht und in den Wochen, in denen es im Wald liegt, viel passieren kann.

Der Forstamtsleiter ist ohnehin der Meinung, dass man im Kreis beim Holzverkauf rechtskonform unterwegs war. „Beim Waldbesitzer bleibt in Zukunft weniger“, erwartet er. Bisher haben er und seine Kollegen das Holz für die Kommunen kostenlos vermarktet. In Zukunft sollen die Verwaltungskosten zunächst über einen EU-Fördertopf aufgefangen werden, danach wohl über einen Aufschlag pro verkauftem Festmeter.

Mühmel hofft auf mehr Wettbewerb. Einen Verhandlungspartner der Landesforsten hat er pro Bundesland, und das Ergebnis „hat eine Richtpreisfunktion für alle Waldbesitzer“. Das führe zu einer Art Einheitspreis in Westdeutschland. Und der geschäftsführende Gesellschafter wünscht sich, dass in Zukunft dort, wo es keine Sägewerke gibt und Van Roje weit fahren muss, Frachtzuschläge aushandelbar sind. Die Fracht macht einen großen Teil der Kosten aus.

Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

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