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Puderbach

Nach langer Debatte: Erste Stolpersteine in Puderbach verlegt

Wer künftig auf der Puderbacher Mittelstraße entlang geht, dürfte an mehreren Stellen ins Stolpern geraten – allerdings nur im übertragenen Sinn. Denn seit Montag sind vor drei Häusern entlang der Durchgangsstraße durch den Ort „Stolpersteine“ in den Bürgersteig eingelassen. Die kleinen Gedenktafeln sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, zur Flucht gezwungen oder in den Selbstmord getrieben wurden. Der Künstler Gunter Demnig, der das „Stolpersteine“-Projekt 1992 begonnen hatte, verlegte die vorerst neun Steine eigenhändig in das Puderbacher Pflaster. Weitere Stolpersteine werden demnächst folgen.

Foto: ago

Die quadratischen Messingtafeln liegen vor den letzten frei gewählten Häusern der NS-Opfer und nennen deren Namen und Lebensdaten: In Puderbach ist das die vierköpfige Familie Wolf, allesamt 1942 nach Minsk deportiert und ermordet, die Familie Bär, deportiert nach Krasnicyn und nach Riga und ebenfalls ermordet, sowie Solomon Seligmann, der in Theresienstadt starb. „Die Stolpersteine sollen das Andenken bewahren und uns mahnen, auch in einer noch so hektischen Zeit solche Gräueltaten nie wieder geschehen zu lassen“, sagte Ortsbürgermeister Manfred Pees bei der Verlegung der Steine.

In Puderbach hat es lange gedauert, bis die ersten Stolpersteine angebracht wurden: Schon 2012 hatte sich in der Gemeinde eine Bürgerinitiative unter dem Motto „Stolpersteine in Puderbach – Jetzt!“ zusammengeschlossen, nachdem der Gemeinderat mehrmals ergebnislos über das Projekt debattiert hatte. Nach der Kommunalwahl nahm das Gremium das Thema erneut auf und stimmte im September 2016 mit großer Mehrheit dafür. Damit reiht sich Puderbach ein in zahlreiche Kommunen nicht nur in Deutschland, sondern in 21 weiteren europäischen Ländern, in denen Gunter Demnig bisher weit mehr als 60.000 Stolpersteine verlegt hat. Finanziert werden die rund 120 Euro Kosten pro Stein über Spenden.

Welche Wirkung die kleinen Plaketten haben, wusste Rolf Wüst vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis Neuwied zu berichten: Seit rund 15 Jahren begleitet er die Verlegung von inzwischen über 260 Stolpersteinen in der Deichstadt. „Das Projekt hat mein Leben verändert und meiner Pensionierung einen Sinn gegeben“, berichtete Wüst in Puderbach. Auf einer eigenen Webseite sammeln die Aktiven die Einzelschicksale der NS-Opfer, können ihre Geschichte oft mit Materialien belegen und so das Leben und Leiden vieler jüdischer Bürger dokumentieren. Daraus entstehen auch ständig Kontakte zu Überlebenden und deren Nachkommen: „Kürzlich besuchten uns zwei Damen aus den USA, die als Kinder mit ihren Eltern ihre Heimatstadt verlassen mussten“, berichtete Wüst. „Bei solchen Besuchen stellt sich etwas Wunderbares ein, nämlich die Versöhnung der Heimkehrenden mit ihrer Vaterstadt und mit ihrer eigenen Biografie durch die Bewahrung ihres Schicksals.“

In Puderbach sollen die nun verlegten neun Stolpersteine nicht die letzten bleiben: Rund 30 Gedenktafeln sind es insgesamt, die in Zukunft in den Bürgersteigen der Gemeinde ihren Platz finden werden. Einen Zeitplan gibt es dafür zwar nicht, aber die ersten Schritte sind gemacht.

Von unserer Mitarbeiterin Angela Göbler

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