40.000
Aus unserem Archiv
Neuwied

Loewenherz-Stiftung: Ehrenpreisträgerin will weiter kämpfen

Ralf Grün

Johanna Loewenherz und Ingrid Staehle sind Schwestern im Geiste, die sich nie begegnet sind. Während die 1937 gestorbene Rheinbrohlerin zu Lebzeiten unter anderem das Wahlrecht für Frauen mit erstritt, kämpft die Journalistin aus Hamburg seit vielen Jahren an einer anderen Front. Sie setzt sich zusammen mit ihren Mitstreitern vom Verein „Terres des Femmes“ dafür ein, dass Frauen nicht länger brutalste Gewalt angetan wird. Ingrid Staehles unnachgiebiges Ringen für die Menschenrechte der Frau hat auch die Verantwortlichen der Johanna-Loewenherz-Stiftung des Kreises Neuwied aufhorchen lassen. Mehr noch: Im Rahmen eines Festaktes im Roentgen-Museum überreichte Landrat Achim Hallerbach der Frauenrechtlerin den 16. Ehrenpreis der Stiftung.

Ingrid Staehle (Mitte) freut sich mit Achim Hallerbach und Doris Eyl-Müller über den Ehrenpreis der Loewenherz-Stiftung. Foto: Jörg Niebergall
Ingrid Staehle (Mitte) freut sich mit Achim Hallerbach und Doris Eyl-Müller über den Ehrenpreis der Loewenherz-Stiftung.
Foto: Jörg Niebergall

„Danke“ war das erste Wort, das Ingrid Staehle im Festsaal in den Sinn kam. Die hagere Frau mit der charakteristischen Kurzhaarfrisur sprach von Freude, Überraschung gar Beschämtheit. Sie betrachtete es als Ehre, „in eine Reihe mit beeindruckenden Persönlichkeiten gestellt zu werden“, die diesen Preis ebenfalls entgegennehmen durften. „Besonders schön ist es, dass ich diese Ehre 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts erfahre.“

Hallerbach würdigte unterdessen die Preisträgerin als Frau, „die in ihrem Wirken eine Auszeichnung im Sinne des Stiftungsgedankens verdient hat“. Berichte über Ehrenmorde und Genitalverstümmelungen haben Ingrid Staehle nicht nur aufgewühlt, sie haben sie zu einer Aktivistin für die Sache der Frauen werden lassen. 1981 gründete sie den Verein Terre des Femmes (Erde der Frauen) und erhielt bereits 2013 für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, hatte Ingrid Staehle dem Kreisausschuss für den Ehrenpreis vorgeschlagen. Eyl-Müller war es vorbehalten, die Laudation zu halten. Sie berichtete, dass auch Johanna Loewenherz Fassungslosigkeit und Bestürzung beschreibt, ob des Unrechts, das Frauen etwa in der Prostution erleiden müssen. Wie Loewenherz beschloss auch Staehle, den Opfern von Gewalt im Namen von Tradition und Ehre zu helfen. Beide Frauen waren zudem vom Wunsch beseelt aufzuklären. Doch, so Eyl-Müller, auch in unserer aufgeklärten Zeit gehörten Menschenrechte für Frauen immer noch zur „disponiblen Masse“.

Ingrid Staehle griff die Beziehung von Mann und Frau in ihrer Dankesrede auf. Sie nannte den Begriff „Mutterliebe“ als Schlüsselwort beim Thema Frauenrechte, den bereits Loewenherz als „den Anker des menschlichen Geschlechts“ bezeichnet habe. Und Männer? Ist es „die ewige narzisstische Kränkung“, von einer Frau geboren und in den ersten Jahren auf sie angewiesen zu sein, die den Mann seine Macht missbrauchen lässt? Staehle bejaht diese Frage, sieht aber auch einfühlsame Männer. Doch grundsätzlich bleibe für die Frauenrechtlerinnen noch viel zu tun, denn: „Männer suchen Frauen, die es nicht mehr gibt, und Frauen suchen Männer, die es noch nicht gibt.“

Von unserem Redakteur Ralf Grün

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Samstag

12°C - 20°C
Sonntag

9°C - 20°C
Montag

5°C - 16°C
Dienstag

5°C - 16°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach