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    Engers/Urmitz

    Kronprinzenbrücke Engers: Bau begann vor 100 Jahren

    Es war mitten im Ersten Weltkrieg, als der Bau der Rheinbrücke zwischen Engers und Urmitz beschlossen wurde - auf Veranlassung des preußischen Generalstabs, der militär-strategischen Gründe hatte.

    Von Jürgen Moritz

    Die Römer hatten – vermutlich – da, wo heute Engers ist, eine Brücke über den Rhein gebaut. Daran erinnert heute die Caesar-Büste am Ufer nahe des Schlosses. Doch danach? Fast 2000 Jahre lang hatte es keine feste Verbindung zwischen beiden Rheinufern des Neuwieder Beckens gegeben – bis vor 100 Jahren, also mitten im Ersten Weltkrieg, ein Neubau angekündigt wurde.

    In der ersten Aprilwoche des Jahres 1916 berichtete die Bendorfer Zeitung darüber, dass der Oberpräsident der preußischen Rheinprovinz als Chef der Rheinstrom-Verwaltung bekannt gegeben hat, dass mit dem Bau einer Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Engers und Urmitz begonnen wird. Beginnen sollte die Baumaßnahme mit den Gründungsarbeiten für einen Strompfeiler vor dem linken Rheinufer. Dem Bau der Brücke gingen neben wirtschaftlichen vor allen Dingen militärstrategische Überlegungen voraus.

    Foto: Örmser Museum

    Nach dem Ende des deutsch/Französischen Krieges 1870/71 und den anhaltenden Spannungen zwischen den beiden Ländern hatte der preußische Generalstab aus strategischen Gründen den Bau von drei Eisenbahnbrücken zwischen Köln und Mainz gefordert. Damit sollten Militäroperationen in Richtung Westen flexibler und effizienter durchgeführt werden können.

    Die erste dieser geforderten Brücken wurde zwischen Bingen und Rüdesheim mit der Hindenburgbrücke realisiert, deren Bau 1913 begonnen und 1915 fertiggestellt wurde. Aber auch bei Neuwied forderte der Große Generalstab eine weitere rheinüberquerende Eisenbahnverbindung. Die sollte zum einen den Güterverkehr von Neuwied aus direkt zur Mosel führen und zum anderen auch einen Nachschub-Transportweg in Richtung Belgien schaffen. Wiederholt fasste man diese Überlegungen in Denkschriften zusammen, die im April 1916 in Form eines Gesetzes beschlossen wurden.

    Die Arbeiten an der neuen Brücke schritten nach den Informationen zeitgenössischer Zeitungschronisten zügig voran, so dass bereits im Juli des Jahres 1916 mit den Arbeiten am dritten Strombrückenpfeiler begonnen werden konnte. Ab diesem Zeitpunkt erging auch ein Überholverbot für Schleppzüge auf dem Rhein im Bereich der Brückenbaustelle, zudem erfolgten weitere Einschränkungen des Schiffsverkehrs. Ausgeführt wurden die Arbeiten im Bereich der Brücke sowie an den Fahrdämmen unter anderem von den Firmen Holzmann und Grün&Bilfinger. Die stählernen Überbauten selbst stammten von der Gutehoffnungshütte in Oberhausen sowie einer Duisburger Firma.

    Im Verlaufe des Jahres 1916 arbeiteten nach Informationen, die man der Engerser Schulchronik entnehmen kann, bis zu 200 Kriegsgefangene auf der Brückenbaustelle. Es handelte sich hauptsächlich um gefangene britische und kanadische Soldaten aus dem Kriegsgefangenenlager Wahn. Auch eine kleinere Anzahl russischer Kriegsgefangener wurde bei den Bauarbeiten eingesetzt.

    Foto: Örmser Museum

    Mehrfach kam es zwischen 1916 und 1918 zu Fluchtversuchen von Kriegsgefangenen, die jedoch Zeitungsberichten zufolge erfolglos blieben. Im Winter des Jahres 1916/17 mussten nach Informationen aus einer Bendorfer Zeitung jener Tage die Brückenbauarbeiten wegen Hochwassers des Rheins für einige Zeit eingestellt werden. In dieser Phase des Brückenbaus kam es auch zu einem tödlichen Unfall.

    Bereits im Sommer 1917 waren die Bauarbeiten so weit fortgeschritten, dass mit dem Auflegen der insgesamt mehr als 6700 Tonnen schweren Eisenkonstruktion begonnen werden konnte. Bis zum April 1918 waren die Brückenarbeiten weitgehend abgeschlossen, so dass der Schiffsverkehr die Baustelle wieder ungehindert passieren konnte.

    Foto: Archiv Moritz

    Der 180 Meter lange Brückenbogen der „Kronprinz-Wilhelm-Brücke“, – diesen Namen verlieh ihr Kaiser Wilhelm II. im Mai 1918 – war zu diesem Zeitpunkt nach zeitgenössischen Chronisten der größte aller Rheinbrücken. Dem Wunsch des Engerser Gemeinderates aus dem Jahr 1916, der neuen Brücke offiziell den Namen „Rheinbrücke bei Engers“ zu geben, war somit nicht entsprochen worden. Offiziell eröffnet wurde die Brücke im August 1918 und für den Verlauf des Ersten Weltkrieges, der im November 1918 endete, sollte sie aufgrund ihres späten Fertigstellungstermins keine Rolle mehr spielen.

    Die Geschichte der Kronprinz-Wilhelm-Brücke war jedoch schon weniger als drei Jahrzehnte nach ihrem Baubeginn mit der Sprengung in den Morgenstunden des 9. März 1945 durch deutsche Pioniere beendet. Von den drei durch das preußische Militär geforderten strategischen Rheinbrücken, neben der eingangs erwähnten Hindenburgbrücke bei Bingen gehörte dazu auch die weitaus bekanntere Ludendorff-Brücke bei Remagen, ist die Eisenbahnbrücke zwischen Engers und Urmitz jedoch die einzige, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde.             

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    Quellen:

    Beim Verfassen seines Textes hat sich Jürgen Moritz auf folgende Quellen gestützt: „Merzhäuser/Wenzel, Eisenbahnen im Westerwald, EK-Verlag Freiburg 1996“, „Moritz, Ein eisernes Stückchen Zeitgeschichte, RZ Neuwied vom 22.11.1993“, „Schaff, Eisenbahnrheinbrücken in Deutschland, EK-Verlag Freiburg 2003“ sowie diverse Ausgaben der Bendorfer Zeitung/Neuwieder Zeitung, 1916-18.

              

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