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    Kreis Neuwied: Immer mehr Menschen arbeiten im Alter

    Von wegen gemütliche Rente: Immer mehr Menschen im Kreis Neuwied arbeiten noch, obwohl sie das Rentenalter schon erreicht haben. Ein Grund dafür ist erfreulich, der andere besorgniserregend.

    Füße hochlegen im Alter? Immer mehr Menschen der Generation 65plus gehen aus unterschiedlichen Gründen arbeiten.
    Füße hochlegen im Alter? Immer mehr Menschen der Generation 65plus gehen aus unterschiedlichen Gründen arbeiten.
    Foto: picture alliance

    Von unserem Redakteur Robin Brand

    Von wegen gemütliche Rente: Immer mehr Menschen im Kreis Neuwied arbeiten noch, obwohl sie das Rentenalter schon erreicht haben. Deutschlandweit hat sich der Anteil der Erwerbstätigen unter den 65 bis 70-Jährigen in den vergangenen zehn Jahren von 6,5 auf 14,5 Prozent mehr als verdoppelt – eine ähnliche Entwicklung ist im Kreis Neuwied auszumachen.

    Ein Grund für diese Entwicklung ist erfreulich, der andere besorgniserregend: Einerseits erkennen Experten einen flexibleren Arbeitsmarkt. Unternehmen bieten zunehmend auch älteren Beschäftigten ein Betätigungsfeld – und erhalten sich so das Wissen langjähriger Mitarbeiter länger in der Firma. Andererseits gehen nicht alle Menschen im Rentenalter freiwillig arbeiten, immer mehr Menschen sind dazu gezwungen, weil sie sonst finanziell nicht auskommen würden.

    Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl der über 65-Jährigen in Rheinland-Pfalz, die einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen, mehr als verdoppelt. Von 4781 im März 2006 auf 11 228 im März 2016. Genaue Zahlen für das Kreisgebiet erfasst die Arbeitsagentur für die über 65-Jährigen nicht, der Trend ist aber auch hier zu erkennen. "Der Kreis Neuwied hat besondere Strukturen, die Zahlen des Landes sind also nicht deckungsgleich mit denen im Kreis, aber sie sind sehr ähnlich", sagt Agenturchef Karl-Ernst Starfeld. Während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deutlich steigt, wächst die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten über 65 schon über einen längeren Zeitraum. Zwar habe die Agentur kein belastbares Material darüber, warum die Leute über 65 arbeiten gehen, sagt Starfeld. "Aber gerade diejenigen, die keine durchgängige Erwerbsbiografie haben, tun das oftmals aus finanziellen Gründen."

    In anderen Fällen liegen dem Trend aber durchaus positive Entwicklungen zugrunde. So sei die Bereitschaft der Unternehmen gestiegen, Menschen im Rentenalter zu beschäftigen. "Das äußert sich auch darin, dass sie in unserer industriell-gewerblich geprägten Region technische Hilfen zur Verfügung stellen, damit älteren Menschen die Arbeit erleichtert wird", hat Starfeld beobachtet – und die Angestellten nutzen die Möglichkeit. "Viele Menschen arbeiten länger, einfach weil sie jenseits der 60 deutlich fitter – körperlich und geistig – sind, als das früher der Fall war. Sie wollen nicht einfach in den Ruhestand gehen. Manchmal spielt auch die langjährige Bindung zur Firma eine Rolle." Allerdings gebe es auch Arbeitslose jenseits der 60, kurz vor dem Renteneintrittsalter, mit gesundheitlichen Beschwerden, sagt Starfeld. Diese Gruppe habe nach wie vor keinen leichten Stand. "Für sie ist die Situation nicht einfach. Das sollte man nicht verschweigen."

    Dass manche Menschen gerne auch im Alter arbeiten, sieht die Industrie- und Handelskammer positiv. Regionalgeschäftsführer Fabian Göttlich erkennt darin auch eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. "Ein Grund ist bestimmt, dass die Menschen länger fit sind, aber auch die sozialen Kontakte spielen definitiv eine Rolle", sagt Göttlich. Beschäftigte länger im Betrieb zu halten, sei eine Möglichkeit, der demografischen Entwicklung zu begegnen, glaubt er. Oftmals spiele das Motiv, Wissen und Erfahrung zu vermitteln, eine Rolle bei der Entscheidung auch im Alter weiterzuarbeiten.

    Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erkennt diese Entwicklung. In dieser Hinsicht sei der Arbeitsmarkt flexibler geworden, folgert Regionsgeschäftsführer Sebastian Hebeisen. "Das ist die schöne Seite. Auf der anderen Seite arbeiten aber auch viele Menschen im Rentenalter weiter, weil sie sonst finanziell nicht auskommen würden." Diese Entwicklung werde sich in Zukunft noch verschärfen, "weil zunehmend Menschen, die keine linearen Beschäftigungsbiografien haben, ins Rentenalter kommen". Wenn immer mehr Menschen auf finanzielle Hilfe angewiesen seien, führe das zu einem weiteren Effekt, warnt Hebeisen. Derzeit würden viele Menschen im Rentenalter aus Scham lieber arbeiten gehen, anstatt "zum Amt zu gehen", sagt er. "Aber in Zukunft, wenn mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, wird die Scham nicht mehr so groß sein, die Belastung für das Sozialsystem entsprechend steigen."

    Die Altersarmut werde massiv zunehmen, sagt der DGB-Vertreter voraus. "Das ist unsere Prognose, und auch unsere Region wird da keine Ausnahme bilden. Das lässt sich daran ablesen, dass immer mehr Menschen im Rentenalter arbeiten. Auch, wenn nicht jeder Mensch das tut, weil er das muss."

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