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Neuwied

Gestank in Neuwied: Jetzt ist auch eine Klage im Gespräch

Ulf Steffenfauseweh

Der Gestank rund um das Gewerbegebiet Distelfeld bringt die Neuwieder immer mehr auf die Palme. Beim Bürgerforum der CDU waren sich die Teilnehmer daher nicht nur einig, dass der Druck auf die SGD Nord als Kontrollbehörde weiter verstärkt werden muss, auch ein zivilrechtliches Vorgehen gegen den Betreiber des Kompostwerks, Suez, ist jetzt in der Diskussion.

Volles Haus beim Bürgerforum der CDU. Die Gestanksgeschädigten waren sich dabei mit Martin Hahn (links) einig, den Druck erhöhen zu wollen.
Volles Haus beim Bürgerforum der CDU. Die Gestanksgeschädigten waren sich dabei mit Martin Hahn (links) einig, den Druck erhöhen zu wollen.
Foto: Ulf Steffenfauseweh

Nach einigen juristischen Erläuterungen von Rechtsanwalt Marc Roos stellte Norbert Faltin vom „Neuwieder Umweltschutz“ in Aussicht, dass sein Verein eine Verbandsklage einreicht. Das habe schon beim – bereits genehmigten – Biomasse-Heizkraftwerk auf dem Arnold-Georg-Gelände dazu geführt, dass nachgebessert werden musste.

Das Suez-Kompostwerk gilt nahezu allen Betroffenen als Verursacher der Gerüche. Die SGD allerdings sieht sich bislang nicht in der Lage, das zu beweisen.
Das Suez-Kompostwerk gilt nahezu allen Betroffenen als Verursacher der Gerüche. Die SGD allerdings sieht sich bislang nicht in der Lage, das zu beweisen.
Foto: Lukas Kurpjuhn

Davon unabhängig wollen OB Jan Einig und Landrat Achim Hallerbach SGD-Chef Dr. Ulrich Kleemann an einen Tisch holen. „Wir wollen Ihre Anregungen mitnehmen und jetzt noch einmal intensiv das Gespräch mit der SGD suchen“, versprach Hallerbach den Betroffenen, machte aber auch deutlich, dass er nicht auf Konfrontation setzen will. „Wir müssen reden und gemeinsam Lösungen suchen“, sagte er.

„Wir setzen große Hoffnungen in dieses Gespräch“, kommentierte CDU-Fraktionschef Martin Hahn, der mit einer – sachlichen – Konfrontation mit Behörde und Müllunternehmen allerdings keine Probleme hat. „Für die Menschen ist der Gestank bestialisch, nicht mehr zu ertragen“, stellte er fest und forderte nachdrücklich, dass das Unternehmen in seine „Technik aus den 90ern“ investiert. Denn die Situation habe sich noch einmal verschärft. Dabei, so zitierte er aus einem RZ-Artikel, habe schon der verstorbene OB Nikolaus Roth im Januar 2017 „das Maß als nicht mehr erträglich“ bezeichnet und deutlich gemacht, dass er Suez als Verursacher ansieht, „weil es weit und breit keine andere, erkennbare Quelle gibt“.

Da die SGD aber offensichtlich ihrer Kontrollfunktion nicht nachkomme, will Hahn jetzt den Vorschlag aus einer Facebook-Gruppe aufnehmen und eine Onlinepetition auf den Weg bringen, die an das Umweltministerium als der SGD übergeordneten Institution gerichtet ist. Gleichzeitig bezeichnete Hahn den Vorschlag eines Diskussionsteilnehmers, den SGD-Chef mit Beschwerdemails zu bombardieren, als „völlig legitim“.

Sollten die betroffenen Bürger das umsetzen, dürfte Kleemanns Sekretariat viel Arbeit bekommen. Denn Beschwerden gibt es reichlich, die Menschen sind sauer, wie sich in der Diskussion einmal mehr zeigte. Zur Versammlung waren nicht nur Blocker und Heddesdorfer gekommen, sondern auch Bürger aus Feldkirchen, Irlich, Torney, Niederbieber, Heimbach-Weis, Engers und sogar Urmitz angereist.

Letztere führten aus, dass seit diesem Sommer stoßweise der ekelerregende Geruch auch auf der anderen Rheinseite zu riechen ist. „Vor zwei Wochen bin ich nachts wach geworden, hatte Atemnot und hätte mich fast übergeben“, erzählte zum Beispiel Norbert Wessel. Bei Kerstin Maur aus Heddesdorf war es kürzlich um 5 Uhr morgens ähnlich. Wieder andere sprachen davon, dass der Gestank vor allem in den Abendstunden penetrant wird. „Fenster öffnen oder draußen sitzen können wir dann nicht mehr“, sagten gleich mehrere. Insgesamt erwuchs daraus den Verdacht, dass bei Suez bewusst zu Zeiten, zu denen keine Behördenkontrolle zu erwarten ist, die Türen zum Durchlüften geöffnet werden – mit den weit riechbaren Folgen.

Deutlich näher am Kompostwerk steht der Blocker Kita. Und deren Leiterin Margret Jungbluth hatte mit Helga Hessler eine Vertreterin zur Versammlung geschickt, die ausführte, dass die Kinder unter dem Gestank besonders leiden. Teilweise könnten sie nicht draußen spielen, teilweise säßen sie am Mittagstisch und wollten wegen des Geruchs nichts mehr essen. „Wir haben auch Aufzeichnungen, die belegen, wie oft das vorkommt“, sagte sie.

Die Onlinepetition ist zu finden unter www.openpetition.de/schlussmitdemgestank

Lunar: SPD schließt sich an

Das Bürgerforum zum Thema Gestank war eine CDU-Veranstaltung – womit die SGD ihre Absage begründet hatte (die RZ berichtete). Von der SPD waren dagegen mit der Heddesdorfer Ortsvereinsvorsitzenden Iris Nengel und Stadtverbands-Vize Conrad Lunar zwei Vertreter aus der vorderen Reihe gekommen. Lunar sagte dabei gegenüber der RZ, dass er davon ausgeht, dass sich seine Partei den Protesten anschließen wird.

Wenig später richtete er gemeinsam mit Martin Hahn die Onlinepetition ein. ulf
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