40.000
Aus unserem Archiv
Kreis Neuwied

Genuss unter freiem Himmel: Außengastronomie wird in und um Neuwied immer beliebter

Sommerzeit = Biergartenzeit! Gerade an einem sonnigen Wochenende wie diesem zieht es die Menschen an Rhein und Wied nach draußen und hinein in die Freiluftgastronomie. Dennoch ist die Branche nicht ohne Sorgen.

Einen Eisbecher unterm Sonnenschirm löffeln (wie hier mitten in Neuwied), einen Kaffee unter freiem Himmel genießen oder auch ein Pils unterm Blätterdach eines Biergartens trinken: Das wird immer beliebter. Die Außengastronomiebranche boomt – vor allem aber in den Städten.
Einen Eisbecher unterm Sonnenschirm löffeln (wie hier mitten in Neuwied), einen Kaffee unter freiem Himmel genießen oder auch ein Pils unterm Blätterdach eines Biergartens trinken: Das wird immer beliebter. Die Außengastronomiebranche boomt – vor allem aber in den Städten.
Foto: Jörg Niebergall

Ein Restaurant oder Bistro ohne Außengastronomie? Heutzutage fast schon eine Rarität. Wer sich im Kreis Neuwied umschaut, wird kaum ein Lokal mehr entdecken, dass nicht zumindest ein paar Stühle vor der Tür stehen hat. Terrassenwirte haben jetzt Hochsaison – gerade an sonnigen Wochenenden wie dem aktuellen. Wir haben uns umgeschaut: Wie steht es um die Außengastronomie an Rhein und Wied? Was sind Trends der Branche, was sind ihre Sorgen?

„Als ich vor 20 Jahren die Bar übernommen haben, hatten wir hier die zweite große Terrasse. Damals war es cool beides zu haben, aber man konnte als Gastronom auch ohne überleben“, fasst der Betreiber der American Sportsbar in Neuwied, Heiner Kloft, seine Erfahrungen zusammen. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Die Leute wollen draußen sitzen, selbst bei kühleren Temperaturen. „Bis vor zehn Jahren hab ich mein Jahr nur zur Hälfte mit Terrassenbetrieb geplant. Mittlerweile habe ich von März bis Oktober Stühle draußen“, so Kloft. Auch wenn nur wenig Betrieb ist – die Nachfrage ist dennoch da. Bevor die Kunden abwandern, zieht er lieber mit. Dabei spielt das Rauchen bei ihm keine Rolle, denn auch im Innenraum darf gepafft werden. „Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Unser Leben ist etwas mediterraner geworden.“

Damit auf öffentlichen Flächen wie dem Luisenplatz überhaupt Tische und Stühle platziert werden können, bedarf es einer Sondererlaubnis der Stadt. Diese wird laut Ordnungsamt nur dann erteilt, wenn ausreichend Platz für Fußgänger, Lieferverkehr und Rettungsfahrzeuge vorhanden ist. In diesen Verfahren wird auch das Bauamt beteiligt, welches unter anderem planerische Gesichtspunkte prüft. Monika Schulz, Leiterin des Ordnungsamts, meint: „Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt zwar einen Trend der Besucher in Richtung Freiflächen, die Anzahl der Betriebe dürfte jedoch relativ konstant sein.“

Auch für die Stadt Linz spielt die Außengastronomie eine sehr sehr wichtige Rolle, insbesondere für den Tourismus, betont Daniela Maier, Leiterin der Tourist-Info Linz: „Dabei ist es uns aber auch wichtig, dass die Präsenz von jedem Betrieb attraktiv gestaltet werden muss, um ein schönes ansprechendes Bild zu schaffen“, sagt sie. An manchen Stellen in der Stadt sei das noch verbesserungswürdig und müsste in Abstimmung mit Stadt und Verbandsgemeinde optimiert werden. Grundsätzlich wird das bestehende Angebot der Außenbestuhlung bei den aktuell mehr als zehn Gastronomen in Linz sehr gut angenommen, berichtet Maier.

„Die Außengastronomie ist grundsätzlich von großer Bedeutung und sehr begehrt, weil Sie – nach Aussage der Gastronomen – verständlicherweise für hohe Umsätze sorgen dürfte. Besonders und vor allem in den Sommermonaten, in denen sehr viele Touristen die Bunte Stadt besuchen“, meint auch Lothar Moog von der Ordnungsbehörde der Verbandsgemeindeverwaltung. Eine separate Konzession ist hier nicht notwendig: „Auf die Erteilung besteht vonseiten des Antragstellers ein Anspruch, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.“ Die Behörde hat also kein Ermessen und darf die Anzahl nicht reglementieren. In Linz darf die Außenbestuhlung grundsätzlich von 7 bis 22 Uhr bewirtschaftet werden. Zu Problemen wegen Lärmbelästigung kommt es kaut Moog nur selten.

Einen durchaus zufriedenen Eindruck mit dem bisherigen Saisonverlauf macht Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Rheinland-Pfalz – und das liegt vor allem an der Witterung: „Wir hatten ja bisher traumhaftes Wetter – und davon profitiert die Außengastronomie natürlich. Schade nur, dass es mit dem Sommermärchen bei der WM in Russland nicht geklappt hat.“ Doch auch das Ausscheiden der deutschen Elf hat für den Verbandschef nicht nur Nachteile für seine Branche: „Das bedeutet einerseits natürlich massive Umsatzeinbrüche bei Biergärten und anderen Lokalen, die Public Viewing anbieten. Andererseits heißt es aber auch, dass Umsätze in sonstigen Restaurants nicht so zurückgehen wie sonst während großer Sportveranstaltungen.“

Haumann beantwortet die RZ-Anfrage in Vertretung – auch weiterhin verfügt der Neuwieder Kreisverband des Dehoga nicht über einen Vorsitzenden. Laut Haumann befindet man sich in intensiven Gesprächen, die im Herbst zu einem Erfolg führen sollen. Derzeit ist eben Hochsaison – und zwar insgesamt mit besseren Umsätzen als im vergangenen Jahr.

Dabei beobachtet er allerdings eine Spaltung von Stadt und Land: „Während wir überall – und das lässt sich auch auf Neuwied übertragen – in der Fläche zurückgehende Umsätze verzeichnen, steigen sie in der Stadt.“ Das liegt für ihn unter anderem an der über die Jahrzehnte gesenkten Promillegrenze im Straßenverkehr und einen verantwortungsvollen Umgang der Autofahrer damit – wer im ländlichen Raum in einen Biergarten fährt, nimmt häufig das Auto und trinkt deshalb nichts oder nur wenig. Dies und vor allem diverse Rahmenbedingungen führt laut Haumann dazu, dass viele Gastronomen ihre Öffnungszeiten reduzieren oder auch die Küchenzeiten einschränken.

Ein wichtiger Hebel für den Dehoga-Präsidenten ist die Arbeitszeitgesetzgebung. Sein Verband fordert die Anerkennung des Gastgewerbes als Saisonarbeitsbranche, um nach dem Vorbild etwa des Weinbaus die Arbeitszeiten dann erbringen zu dürfen, wenn diese anfallen. Also: Im Sommer, wenn das Geschäft brummt, sollen längere Arbeitszeiten möglich sein, die dann mit Freizeit im Winter vergütet werden.

Der Dehoga-Präsident wünscht sich außerdem eine gewisse Toleranz, was die nicht immer vermeidbare Lärmbelästigung durch Außengastronomiebetriebe angeht: „Wir leben hier bei uns ja nicht gerade in der geografischen Situation, dass wir 365 Tage im Jahr Sonne haben. Und Phasen von zwei Wochen ohne Regen sind auch selten. Also: Bitte ein bisschen mehr Kulanz, wenn es dann mal auf einer Terrasse etwas länger geht. Es sind doch nur ein paar Tage im Jahr.“

Von Christina Nover, Silke Müller und Tim Kosmetschke

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Dienstag

4°C - 16°C
Mittwoch

6°C - 19°C
Donnerstag

9°C - 23°C
Freitag

8°C - 19°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach