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Rengsdorf

Gefragte Samen: Die besten Großen Küstentannen wachsen in Rengsdorf

Yvonne Stock

35 Bäume im besten Alter, gerader und schneller Wuchs, keine Astgabelungen, nicht zu viele Äste – die Creme de là Creme der Großen Küstentanne wächst im Wald bei Rengsdorf. Das wurde erkannt und deshalb lässt das forstliche Genressourcenzentrum Rheinland-Pfalz in Trippstadt die Samen ernten und zur Sicherheit für die Käufer des Saatguts sogar eine Art DNA-Analyse machen.

Die Ernte hat sich gelohnt. 35 Große Küstentannen im Wald bei Rengsdorf haben rund 1600 Kilogramm Zapfen produziert, die jetzt geerntet wurden. Das Foto zeigt etwa die Hälfte. Revierleiter Frank Krause hält ein Tütchen mit einem Zapfen, das von jedem einzelnen Baum für eine Art DNA-Analyse eingeschickt wird. Fotos: Yvonne Stock
Die Ernte hat sich gelohnt. 35 Große Küstentannen im Wald bei Rengsdorf haben rund 1600 Kilogramm Zapfen produziert, die jetzt geerntet wurden. Das Foto zeigt etwa die Hälfte. Revierleiter Frank Krause hält ein Tütchen mit einem Zapfen, das von jedem einzelnen Baum für eine Art DNA-Analyse eingeschickt wird. Fotos: Yvonne Stock
Foto: ys

Steiger pflücken die Zapfen im den rund 30 Meter hohen Bäumen. Danach sind sie komplett mit Harz bedeckt – die Geheimwaffe, um den wieder zu entfernen: Sonnenblumenöl, erzählt Frank Krause, Leiter des Forstreviers Anhausen. „Oben in der Krone muss man einen starken Charakter haben“, sagt Nikolas Horder, Forstwirtschaftsmeister beim Genressourcenzentrum, das zum Landesforsten Rheinland-Pfalz gehört. Er ist aus Trippstadt nach Rengsdorf gekommen, um die Zapfen abzuholen. Besondere Herausforderung in diesem Jahr: Wegen der Hitze und Trockenzeit ist das Zeitfenster für die Ernte sehr begrenzt. Zu lange gewartet, geht die Natur ihren Gang und die Zapfen zerfallen am Baum und die Samen verbreiten sich im Umfeld – keine Chance mehr, irgendetwas aufzufangen. Die Ernter nutzen deshalb das Tageslicht komplett aus und übernachten sogar im Wald. Zwei Tage haben sie gebraucht, um rund 1600 Kilogramm Zapfen von den 35 Bäumen zu holen.

Foto: ys

Die liegen ausgebreitet auf grünen Netzen auf einem Waldweg und verbreiten das typische Tannenholzaroma. Einige sind in kleine, weiße Tütchen verpackt, ein Zapfen von jedem Baum. Ein Labor macht eine Isotopenanalyse, eine Art DNA-Analyse der Rengsdorfer Großen Küstentannen. „Wir können das Saatgut so dem einzelnen Baum zuordnen“, erläutert Horder. Das ist wichtig, weil in der Vergangenheit der Samen vom Genressourcenzentrum von Wiederverkäufern „gepanscht“ wurde und sich die Waldbesitzer anschließend über die schlechte Qualität der Bäume beschwert haben, die Tendenz zu Astgabelungen beispielsweise, die den Wert mindern, wird bei Bäumen vererbt. Deswegen ist auch wichtig, dass die Großen Küstentannen nicht in Nachbarschaft mit anderen Tannen wachsen, damit sich nichts mischt. Im Rengsdorfer Wald umgeben Laub- die Nadelbäume, die zum Staatsforst gehören, eine weitere gute Voraussetzung, um von der Landesforstverwaltung als Saatgutproduzent aufgenommen zu werden, erläutert Krause. Zum zweiten Mal wird in Rengsdorf geerntet.

Die Bäume stehen unter genauer Beobachtung vom Genressourcenzentrum. Im Frühjahr schaut ein Mitarbeiter wie die Blüte läuft, wo eine Ernte zu erwarten ist, erläutert Horder. Später schießt er mit einer Dienstwaffe oder einer Schleuder einen Zapfen vom Baum, schneidet ihn der Länge nach auf und schaut, ob sich darin mehr als 21 durchgeschnittene Körner befinden – nur dann lohnt sich die Ernte. Diese wird ausgeschrieben.

Horder bringt die Rengsdorfer Ernte in versiegelten Säcken nach Trippstadt, wo sie 100 Tage nachreift. Dann wird der Samen mit Hilfe von Sieben gereinigt, entflügelt und das Holkorn aussortiert. In einem Kunststoffsack warten die potenziellen Nachfahren der Tannen bei minus 5 bis minus 7 Grad auf Abnehmer aus ganz Deutschland.

Aber nicht lange. „Tannenarten sind sehr gefragt, weil sie mit dem Klimawandel gut klarkommen“, sagt Horder. Sie wurzeln tief und kommen somit an tiefer gelegenes Wasser und kippen bei Sturm nicht so leicht um, ergänzt der Anhausener Revierleiter, zudem wachsen sie schnell. Deswegen ist das Holz eher leicht und nicht so hochpreisig wie Fichte oder Douglasie. Aber Ausnahmen gibt es immer, eine Große Küstentanne hat Krause rot markiert, ihre Spitze ist trocken, sie ist der Fällung geweiht. Auf dem Rengsdorfer Waldboden stehen bereits kleine, natürlich gesamte Nachkommen, über deren Spitzen sich allerdings das Wild hergemacht hat: „Alles, was selten ist, schmeckt gut“, sagt Krause achselzuckend. Für den Staatswald lässt das Genressourcenzentrum Samen von Baumschulen ziehen. Nach drei Jahren erbalten die Mitarbeiter 25 bis 40 Zentimeter große Jungpflanzen, bei denen sie nachweisen können, von welchem Rengsdorfer Baum sie abstammen.

Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

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