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Kreis Neuwied

Experten warnen: Nachwuchs lässt das Komasaufen nicht

Damian Morcinek und Ralf Grün

Die bereits vor der Tür stehende Karnevalssession ist bekanntermaßen eine Zeit, in der es nicht selten feuchtfröhlich zugeht. Insbesondere junge Menschen neigen dazu, sich regelrecht ins Koma zu saufen. Dass übermäßiger Alkoholkonsum unter Kindern und Jugendlichen aber nicht nur rund um Karneval ein Problem ist, zeigen zum Teil besorgniserregende Informationen der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Statistischen Landesamtes auf.

Erschreckend viele, darunter sehr junge Kinder und Jugendliche, haben sich 2016 in einen Rausch getrunken, der für sie in der Notaufnahme endete.  Foto: Damian Morcinek
Erschreckend viele, darunter sehr junge Kinder und Jugendliche, haben sich 2016 in einen Rausch getrunken, der für sie in der Notaufnahme endete.
Foto: Damian Morcinek

Demzufolge ist die Zahl alkoholbedingter Klinikaufenthalte von Kindern und Jugendlichen im Kreis Neuwied gestiegen. So landeten im Jahr 2016 immerhin 70 Heranwachsende mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. 2015 hatten sich noch 54 10- bis 19-Jährige in einen verhängnisvollen Rausch getrunken. Eine Tendenz lässt sich allein aus diesen Zahlen zwar nur schwerlich ablesen. Dafür schwanken die Werte von Jahr zu Jahr zu sehr. Was sich aber sagen lässt: Fälle von sogenanntem Komasaufen bei Jugendlichen gab es in der jetzt gezählten Häufigkeit zuletzt im Jahr 2012 (75).

Um das Ausmaß des Problems besser verdeutlichen zu können, empfiehlt das Statistische Landeamt, den Bezug zur Bevölkerungszahl herzustellen. Heißt: Im Kreis Neuwied kamen im Jahr 2016 auf 10.000 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren 37 stationäre Behandlungsfälle wegen Alkohol (2015: 28), landesweit 37,8 (2015: 36). Bei den 10- bis 14-Jährigen waren es pro 10.000 Jugendliche gut 2 Fälle (2015: 5,7) und landesweit 8,2 Fälle (2015: 7,8). Für die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen ergibt sich ein Wert von 66,4 Fällen (2015: 47,1) im Kreis und von 62,8 Fällen im Land (2015: 59,3).

Und was sagen Experten zur Entwicklung? „Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, Alkohol gehöre zum Feiern und Spaßhaben dazu“, sagt Jürgen Wilhelm von der DAK in Koblenz. „Eine regionale Alkoholprävention ohne erhobenen Zeigefinger bleibt für uns unverzichtbar, damit sich die Entwicklung auf Bundesebene auch auf unsere Region überträgt und die Zahl der Klinikbehandlungen sinkt.“

Besonderen Anlass zur Sorge bereitet den Experten der Alkoholmissbrauch bei den jüngeren Mädchen und Jungen (10 bis 14 Jahre). Das gilt auch, obwohl im Landkreis Neuwied 2016 die Fallzahlen bei dieser Altersgruppe gegenüber dem Jahr 2015 von fünf auf nur noch zwei Betroffene (beides Mädchen) zurückgegangen sind. Denn sind erhebliche Schwankungen festzustellen. Genauso wenig erfreulich: Im Gegenzug gab es bei der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen deutlich mehr Klinikaufenthalte nach einem Komasaufen. Insgesamt war ein Anstieg von 49 auf 68 Fälle zu verzeichnen, wobei 42 Betroffene männlich waren.

Zum Vergleich: Auch in den benachbarten Landkreisen ist und bleibt das Rauschtrinken bei Kindern und Jugendlichen ein Problem. So landeten 2016 im Kreis Mayen-Koblenz 75 Schüler mit einer Alkoholvergiftung in der Klinik – im Jahr davor waren es 61. Eine ähnliche Entwicklung gibt es im Westerwaldkreis, wo 2016 64 Jugendliche eine ärztliche Behandlung nach Alkoholkonsum brauchten (2015: 52). Im Kreis Altenkirchen stieg die Fallzahl sowohl bei den 10- bis 14-Jährigen (von 6 auf 8) als auch bei den 15- bis 19-Jährigen (von 36 auf 54) an. Lediglich im Kreis Ahrweiler sind rückläufige Zahlen zu verbuchen (insgesamt von 47 auf 44 Fälle).

Zur Aufklärung setzt die Krankenkasse DAK auch in diesem Jahr die Kampagne „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ fort. Beim bundesweiten Wettbewerb werden Schüler zwischen 12 und 17 Jahren aufgerufen, mit Plakaten kreative Botschaften gegen das Rauschtrinken zu entwickeln. Auch die Schulen in der Region wurden angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. An der mehrfach ausgezeichneten Präventionskampagne gegen Alkoholmissbrauch nahmen seit 2010 bereits mehr als 87.000 junge Künstler teil, teilt die DAK mit.

Weitere Informationen über die Aktion gibt es im Internet unter www.dak.de/buntstattblau

Von unseren Redakteuren Damian Morcinek und Ralf Grün

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