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Segendorf

Ende einer Ära: Kein Waldfest in Segendorf mehr

Christina Nover

Jahr für Jahr strömten Hunderte Menschen in den Parkwald Segendorf, um gemeinsam zu Feiern. Diese Tradition hat nun ein Ende gefunden. Die Mitglieder des Verschönerungsvereins haben in ihrer jüngsten Jahreshauptversammlung nach reger Diskussion entschieden, in diesem Jahr kein Waldfest mehr zu veranstalten.

Der Parkwald in Segendorf war Kulisse für zahlreiche Feste und Feierlichkeiten.
Der Parkwald in Segendorf war Kulisse für zahlreiche Feste und Feierlichkeiten.
Foto: Christina Nover

Der Erste Vorsitzende Dieter Bleidt erklärte die Entscheidung so: „Schwer gefallen ist es uns allen. Aber die goldenen Zeiten sind vorbei. Die Besucherzahlen sind sehr rückläufig.“ Bleidt spricht von 120 bis 150 Gästen im vergangenen Jahr. Kein Vergleich zu früheren Waldfesten, als bis zu 5000 Menschen kamen, um es sich drei Tage lang gut gehen zu lassen. „Wir hatten Jahre, da wurden 7500 Liter Bier und 4000 Liter Wein getrunken und gut und gerne 1300 Kilogramm Fleisch und Wurst gegessen“, berichtet Bleidt.

In guter Erinnerung hat auch das langjährige Vorstandsmitglied Gitta Albrecht das Waldfest. Schon als Kind tollte sie mit ihren Freunden über das weitläufige Gelände. „Das war schöner als Ostern und Pfingsten zusammen“, erzählt sie. Egal ob Tauziehen, Dosenwerfen oder Sackhüpfen – für Kinder war beim Waldfest stets viel geboten. Eine besondere Anziehungskraft hatten auch die Frikadellen, wie Albrecht berichten kann: „Wenn man nach oben kam, hat einen schon der Geruch empfangen. Die Leute haben Schlange gestanden, um eine Frikadelle zu kriegen. Manche sind extra deswegen gekommen.“

Segendorfer Heimatfest war Vorläufer

Der Vorläufer des Waldfestes, das offiziell erstmals am 25. Juli 1937 begangen wurde, war das Segendorfer Heimatfest. Wie sich in der Vereinschronik nachlesen lässt, fand dies bereits im August 1927 statt. Das Fest wurde samstags durch einen Fackelzug und Kommers in den Wolff'schen Gartenanlagen eröffnet, sonntags begab sich der Festzug dann in die „Jungen Eichen“ (dem heutigen Parkwald). Die Haupteinnahmequelle war damals der Verkauf von Eintrittskarten, denn die Bewirtschaftung mit Speisen und Getränken oblag damals noch den Wirten und Geschäftsleuten des Ortes.

Das Fest zeichnete sich von Anfang an durch die Beteiligung der Ortsvereine aus und bot Attraktionen für die ganze Familie. In der Chronik ist unter anderem von einer Theateraufführung auf der Freilichtbühne, einer Schieß- und Wurfhalle sowie einem Glücksrad und Luftballonwettfliegen die Rede. Nach einer Pause fand das nächste große Fest 1929 statt, danach folgten einige Jahre, in denen das Heimatfest teils im Ort und teils im Wald gefeiert wurde. Der Zweite Weltkrieg brachte die Vereinsaktivitäten 1939 zum erliegen, erst 1960 fand wieder ein Waldfest statt – bei bestem Wetter ließen es sich die Segendorfer drei Tage lang gut gehen. „Es war ein Waldfest unter Lichterketten, hunderte von bunten Lampions erleuchteten unseren Parkwald“, heißt es in der Festzeitung zum 110-jährigen Bestehen des Verschönerungsvereins, das 2013 gefeiert wurde.

Kaum mehr Besucher

Das Waldfest in Segendorf lockte Menschen aus größerem Umkreis mit musikalischen Darbietungen, Kinderbelustigung und deftigem Essen an. Der Ortsvorsteher von Segendorf, Frank Schaback erinnert sich an 5er- bis 10er-Reihen vor den Getränkeständen. „Das glaubt keiner, der es nicht selbst miterlebt hat. Das Fest war einzigartig, ein echter Renner“, so Schaback. Er bedauert das Ende des Waldfestes, sieht aber die Notwendigkeit. Ebenso wie Gitta Albrecht: „Für die ganze Arbeit hat es sich einfach nicht mehr gelohnt.“

Mehrere Versuche wurden gestartet, um das Waldfest am Leben zu erhalten – unter anderem auch mit einem Flohmarkt. Doch gestiegene Auflagen und Kosten für Bands, Konkurrenzveranstaltungen und mangelndes Interesse machten es den Organisatoren immer schwerer. „Ich ziehe nur Leute an, wenn ich ihnen richtig was bieten kann“, bilanziert Albrecht. Dieter Bleidt hat sich in dieser Hinsicht noch ein Fünkchen Hoffnung erhalten: „Vielleicht, mit ein paar neuen Ideen, wird das Waldfest in den kommenden Jahren nochmal wieder stattfinden können.“

Andere Veranstaltungen im Parkwald

Am Sonntag, 6. Mai 2018 findet im Parkwald wieder ein offenes Singen statt, das traditionsgemäß zur Eröffnung des Kultursommers veranstaltet wird.

  • Vom 21. bis zum 24. Juni plant die Gruppe Midgards Wanderer einen Mittelaltermarkt im Parkwald. Mehr als 40 Händler und Handwerker haben ihr Kommen zugesagt. Zudem beziehen zehn große Lagergruppen Stellung auf dem Gelände. Auch ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm mit Mittelalter-Musik, Gauklern, Feuer- und Kampfshow sowie Kinderaktivitäten wie Bogenschießen ist angedacht.
  • Der Verschönerungsverein Segendorf will im Winter einen Adventsmarkt im Parkwald veranstalten. Dafür wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die demnächst tagt. Erste Zusagen und Interessenten gibt es bereits für die Marktteilnahme. cno
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