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    Stebach

    Eine Familie kämpft: Krebskranke Mutter bewegt das Netz mit Spendenaufruf

    Die Zeit, die Sabine Rogge noch bleibt, ist begrenzt. Eine aggressive Krebserkrankung macht der dreifachen Mutter schwer zu schaffen. Kein Arzt kann ihr verlässlich sagen, wie lange sie noch zu leben hat. Mit einem herzergreifenden Spendenaufruf über Facebook machte sie auch die RZ (auf sich) aufmerksam.

    Familie Rogge will sich ein paar Wünsche erfüllen, solange Mama Sabine dem Krebs die Stirn bieten kann. Aber ohne Hilfe geht wenig.
    Familie Rogge will sich ein paar Wünsche erfüllen, solange Mama Sabine dem Krebs die Stirn bieten kann. Aber ohne Hilfe geht wenig.
    Foto: privat

    Es gibt noch so viel, was die 36-Jährige aus Stebach gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Kindern (neun, sieben und fünf Jahre alt) tun möchte. Doch über allen Plänen, die die Familie vielleicht noch in die Tat umsetzen kann, schwebt vor allem die Frage: Wie? Da Sabine Rogge als Mitverdienerin für die fünfköpfige Familie schmerzlich vermisst wird.

    Wer sich mit Sabine Rogge über ihre Krankengeschichte unterhält, dem fehlen anschließend schlicht die Worte. Ein wahres Martyrium musste sie durchleben – auch, weil Mediziner Fehler gemacht haben oder zumindest wenig Einfühlungsvermögen zeigten. Alles nahm seinen inzwischen unheilbaren Lauf im Jahr 2012. Damals, kurz nach dem Abstillen ihres jüngsten Kindes, ereilte die gelernte Bäckereifachverkäuferin die Diagnose Brustkrebs. Noch dazu handelte es sich um eine bösartige und schnell wuchernde Krebsform, der Tumor war bereits neun Zentimeter gewachsen. Sechs Chemotherapien planten die Mediziner, zudem die Amputation der rechten Brust. Doch bei der ersten „Chemo“ bekam Sabine Rogge einen anaphylaktischen Schock und wäre fast erstickt. Nach den Chemos war der Tumor auf vier Zentimeter geschrumpft, und der Tag der Operation rückte näher. Sieben Wochen musste sich Sabine Rogge danach einer Strahlentherapie unterziehen. „Zum Schluss war meine Brust nur noch rohes Fleisch.“ Zur Erholung fuhr sie mit ihrer ältesten Tochter zur Mutter-Kind-Kur. „Wir haben viel gekuschelt, und ich konnte mal richtig abschalten.“

    Gendefekt erhöht Risiko

    Doch damit war die Leidenszeit für Sabine Rogge noch längst nicht vorbei. 2013 stellten Ärzte den Gendefekt BRCA1 fest. Das wiederum verschlechterte alle ärztlichen Prognosen im Hinblick auf Sabine Rogges zweite Brust. Um Risiken auszuschließen, entscheid sie sich, auch diese amputieren zu lassen. Die Mediziner bauten anschließend aus Eigengewebe wieder Brüste auf. Doch Sabine Rogge lebte immer wieder in Angst, dass der Brustkrebs zurückkommen könnte. Denn immer wieder bestand der Verdacht, der sich dann anhand von Gewebeproben zum Glück nicht bestätigte.

    2014 fuhr Sabine Rogge mit ihrer mittleren Tochter zur Kur. Und ein Jahr später fuhr die Familie endlich wieder gemeinsam mit dem „geliebten Bus“ in den Italienurlaub. „Zu diesem Zeitpunkt ging es relativ gut“, erinnert sie sich. Mit den Schmerzen nach den OPs und Bestrahlungen lernte sie zu leben. Doch die nächste OP ließ nicht lange auf sich warten. Die Eierstöcke wurden vorsichtshalber entfernt. 2016 fuhr Sabine Rogge schließlich auch mit ihrem Jüngsten zur Kur. Auch diese Zeit empfand sie als wunderschön.

    Doch ab dem Frühjahr „fühlte ich mich irgendwie anders“. Schlimme Schmerzen plagten sie gleich hinter den Rippen. Sie fühlte sich zusehens schwächer. Ihr Hausarzt veranlasste, dass Sabine Rogge zweimal wöchentlich von einer Haushaltshilfe entlastet wird. „Ich konnte aus eigener Kraft weder Staub saugen noch Wäsche aufhängen“, erzählt sie. Ihr Hausarzt bat ihren Gynäkologen, ihr auch etwas gegen ihre Schmerzen aufzuschreiben, damit die Haushaltshilfe weiterhin genehmigt wird. „Er untersuchte mich nur kurz und eröffnete mir, dass es Betrug sei, wenn der Hausarzt mir eine Haushaltshilfe verordnet. Ich solle doch froh sein, dass ich wieder gesund bin“, berichtet Sabine Rogge weiter.

    Dass sie das ganz und gar nicht war, förderte ein Brust-MRT zutage, auf das die behandelnde Onkologin bestanden hatte. Die Aufzeichnung zeigten deutlich zwei Tumore direkt hinter den Rippen. Der Krebs war zurück. Und wieder gab es die niederschmetternde Diagnose: eine sehr aggressive Form. Obendrein eröffneten ihr die Mediziner, dass der Krebs wegen der Nähe zu lebenswichtigen Organen weder operiert noch bestrahlt werden könne. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Seither bin ich Palliativpatientin“, sagt Sabine Rogge, ohne weitere dramatische Wendungen zu verschweigen: Bei der OP zur Gewebeprobenentnahme im Vorfeld erneuter Chemos ging etwas schief. Blut lief in die Lunge und in den Bauchraum. Beim Setzen eines Drainageschlauches ist zudem die Leber von Sabine Rogge verletzt worden. Aus einem ehemals kleinen Eingriff entwickelte sich eine Not-OP, nach der sie ins Koma fiel und auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfte.

    Chemos schlagen an

    Mit Worten ist das kaum zu beschreiben, was Sabine Rogge und ihre Familie durchmachte und durchmacht. Doch sie schöpft immer wieder Kraft, wegen ihrer Kinder und: „Ich habe einen ganz lieben Mann an meiner Seite, der zu mir steht und mich liebt, obwohl ich nach etlichen Operationen aussehe wie Frankensteins Braut.“

    Mittlerweile schlagen die Chemos bei ihr an, die Tumore sind geschrumpft. So könnte ihr noch einige Zeit für ihre Kinder und ihren Mann bleiben. Und die will Sabine Rogge unbedingt nutzen, um sich noch ein paar Wünsche zu erfüllen. Vom Sanieren des Hauses ist die Familie durch die Kinder und die anschließende Krankheit ihrer Mutter etwas abgekommen. Sie plant aber, den Ofen, der derzeit das ganze Haus heizt, durch eine neue Heizung zu ersetzen und die Kinderzimmer zu renovieren. Ferner wünscht sie sich, im (Sommer) mit ihren Lieben einmal in den Urlaub fliegen zu können.

    Da die Familie finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen kann, ist Sabine Rogge einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Sie startete bei Facebook einen Spendenaufruf in eigener Sache. Diakon Norbert Hendricks unterstützte diesen, in dem er den Aufruf auch an die RZ weiterleitete, worüber sich Sabine Rogge sehr freut. Die helfende Hand kommt nicht von ungefähr. Schließlich traute Hendricks die Rogges und taufte alle drei Kinder. Ihr Aufruf endet mit den Worten: „Wenn ihr nicht spenden könnt, dann dürft ihr uns trotzdem gerne ein paar liebe Worte da lassen und für uns die Däumchen drücken.“

    Sabine Rogge strahlt nach außen Zuversicht aus. „Ich bin ein Kämpferherz.“ Doch es ist verdammt schwer: „Meine Kinder wissen, dass meine Zeit begrenzt ist. Wir kuscheln und weinen viel zusammen, wir trauern um unsere unbeschwerte Zeit. Ich bete jeden Tag für ein Wunder.“

    Von unserem Redakteur Ralf Grün
    Wer der Familie unter die Arme greifen möchte, kann das tun mit einer Spende an Sabine Rogge bei der Sparkasse Neuwied, IBAN: DE70 5745 0120 0100 5207 17.

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    Neuwied Linz
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