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Niederbieber

Diskussion an der Waldorfschule: Schüler löchern Mang mit Fragen zu Flüchtlingen

Yvonne Stock

Sind die Flüchtlinge in Neuwied kriminell auffällig? Könnte es hier zu einem Aufstand wie in Ellwangen kommen? Warum werden die Flüchtlinge dort untergebracht, wo keine Menschen sind, die sie integrieren können? Die Schüler der elften und zwölften Sozialkundeunterrichtsklassen der Rudolf-Steiner-Schule Mittelrhein hatten am Freitagmorgen durchaus kritische Fragen an Neuwieds Bürgermeister Michael Mang. Der erklärte, was in Sachen Integration getan wird und wo die Baustellen sind.

Foto: ys

Eine liegt in der Innenstadt. „Hier leben die meisten Migranten und es gibt die wenigste Hilfe“, sagte Mang. In Stadtteilen wie Engers gebe es viel ehrenamtliche Hilfe, aber im Verhältnis nur wenige Flüchtlinge. Dass liege vor allem daran, dass die vom Jobcenter bezahlten Wohnungen zu großen Teilen in der Innenstadt liegen. In den Grundschulen und Kitas im Zentrum liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei 80 Prozent und höher.

Auf die Frage, ob die Mieten gestiegen seien, gab Mang zu, dass es zu wenige Sozialwohnungen gibt, besonders kleine. „Über 50 Prozent der Hartz-IV-Empfänger im Kreis Neuwied leben in der Stadt.“ Dort wo gebaut wurde, seien günstige Wohnungen abgerissen und hochpreisige errichtet worden. „Der Wohnraum ist die nächsten Jahre unser drängendstes Problem“, meinte der Bürgermeister, der auf Einladung des Sozialkundelehrers Wolfgang Kanka in die Waldorfschule gekommen war.

Ein Mädchen wollte wissen, warum viele Flüchtlingen in Torney untergebracht wurden, wo bereits viele Menschen lebten „die nicht viel Geld haben“ und nicht dort, „wo Menschen sind, die sie integrieren können“. Mang erläuterte, dass die Unterkunft in Torney nur für Frauen und Kinder ist, dort rund 20 Menschen leben, die von Sozialarbeitern betreut werden. Sie sind bewusst nicht bei den überwiegend alleinreisenden Männern im Camp untergebracht. Ein Mädchen kritisierte, dass diese in Block sehr ausgeschlossen leben. Mang gab zu, dass er mit der Lösung nicht glücklich ist, es aber der einzige dafür nutzbare Ort war. „Bis April 2019 brauchen wir eine neue Lösung, daran halten wir fest.“ Die Frage, ob es vorstellbar wäre, dass wie in Ellwangen auch im Camp Flüchtlinge gewaltsam eine Abschiebung verhindern, verneinte der Bürgermeister. „Neben der Security haben wir immer Wert auf Sozialarbeit gelegt“, begründete er. Die Menschen bräuchten Struktur, eine Aufgabe und eine Perspektive. Afrikaner ohne Bleibeperspektive seien ohnehin selten unter den derzeit geschätzt 2000 Flüchtlingen in der Stadt, viele kämen aus Syrien und Afghanistan.

Den Flüchtlingen hier eine Perspektive zu schaffen, bleibt aber eine Baustelle. Zum einen wird laut Mang an der Anerkennung von Berufsabschlüssen gearbeitet, zum anderen muss aus seiner Sicht das Thema Schulbildung für unter 25-Jährige angegangen werden. Bisher läge die Priorität nach dem Ende der Schulpflicht auf der Arbeit, aber damit die Flüchtlinge nicht ihr Leben lang im Niedriglohnsektor bleiben, seien spezielle Schulklassen sinnvoller.

Die Frage, ob Flüchtlinge krimineller sind als andere Neuwieder, verneinte Mang. Es gelte generell, dass Jüngere auffälliger seien als Ältere und da unter den Flüchtlingen überproportional viele Jüngere seien, das Bild manchmal leicht verzerrt sei.

Alle Baustellen verarbeitet die Verwaltung in einem Integrationskonzept, am 16. Mai gibt es dazu eine Expertenanhörung. Dann soll klar sein, wo laut Mang die Stadt umsteuern und wo mehr Geld in die Hand nehmen muss.

Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

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