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Kreis Neuwied

Andreas Bleck (AfD) im Porträt: Schiedsrichter ergreift als Islamkritiker Partei

Michael Fenstermacher

Dienstagabend, grell erleuchtet Flutlicht den Kunstrasenplatz in Engers. Der HSV Neuwied und die Gäste vom SV Thalhausen liefern sich ein munteres Duell im Kreispokal. Kurz vor Schluss wird das Anrennen der Gastgeber endlich belohnt, nach einem Freistoß fällt der erlösende Siegtreffer. Immer auf Ballhöhe ist Andreas Bleck (29), Bundestagskandidat der AfD und seit 15 Jahren Schiedsrichter.

Wenn seine Freizeit es zulässt, meldet sich Andreas Bleck nach wie vor gern bei seinem Ansetzer und greift bei Kreisligapartien zur Schiedsrichterpfeife. Auch aufgrund seines politischen Engagements für die AfD ist das Hobby jedoch etwas in den Hintergrund getreten. Foto: Jörg Niebergall
Wenn seine Freizeit es zulässt, meldet sich Andreas Bleck nach wie vor gern bei seinem Ansetzer und greift bei Kreisligapartien zur Schiedsrichterpfeife. Auch aufgrund seines politischen Engagements für die AfD ist das Hobby jedoch etwas in den Hintergrund getreten.
Foto: Jörg Niebergall

Einen schnellen Aufstieg hat der Dattenberger mit seinem Hobby hingelegt, leitete schon als Jugendlicher Spiele in der Rheinlandliga. Die Routine merkt man ihm an. In der insgesamt fair geführten Partie pfeift er nicht zu kleinlich. Bei einem eindeutigen Stürmerfoul der Thalhausener zögert er allerdings keine Sekunde mit dem fälligen Pfiff. „Ruhig, souverän und fair“, das sind aus seiner Sicht die Eigenschaften, die einen guten Schiedsrichter ausmachen. „Wäre ich nicht Schiedsrichter geworden, wäre ich heute ein anderer Mensch“, ist Bleck sich sicher. Als Jugendspieler sei er jedenfalls „sehr aufbrausend“ gewesen.

Seitdem er 2009 sein Lehramtsstudium in Koblenz aufgenommen hat, ist die Schiedsrichterei für Bleck allerdings in den Hintergrund getreten. Statt früher zwei Spielen pro Woche leitet er nur noch einige pro Saison, wenn die Zeit es zulässt. Und die wird neben Studium und seiner Freundin zunehmend von der Politik beansprucht. 2013 gehörte er zu den Mitbegründern des Neuwieder Kreisverbandes der AfD und wurde gleich zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Seine CDU-Mitgliedschaft hatte er zuvor nach drei Jahren gekündigt.

Blecks politisches Engagement begann jedoch schon früher – und spielte sich auf sehr unterschiedlichen Ebenen ab. 2011 bis 2012 gehörte er für zwei Legislaturperioden dem Asta der Universität Koblenz-Landau an, leitete das Referat „Hochschulpolitik intern“ und war laut eigener Aussage maßgeblich an der Organisation einer der größten Studentendemonstrationen in Koblenz beteiligt: Mit 700 Kommilitonen ging er für eine bessere Ausstattung der Uni auf die Straße. Dann jedoch begann, was Bleck heute als „Anfeindung durch linke Studenten“ bezeichnet: Es war bekannt geworden, dass er sich in der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) engagiert, die sich unter anderem gegen den Neubau von Moscheen einsetzt. Der Asta der früheren FH, heute Hochschule Koblenz, kündigte die Zusammenarbeit mit dem Uni-Asta auf, weil der Bleck nicht fallen ließ.

Bei BPE ist Bleck nach wie vor Mitglied und holt zur Erklärung weit aus: Er erzählt, wie ihn als Jugendlicher der Mord islamischer Extremisten am niederländischen Regisseur Theo van Gogh aufgeschreckt, dass er den Koran selbst gelesen habe und warum er den Islam als Integrationshindernis sieht. Dass in der politischen Debatte und gerade auf Netzwerken wie Facebook eher provokante Parolen zünden, mit denen sich gerade immer wieder seine Parteifreunde hervortun, störe ihn selbst. Dennoch setzt auch er bei Facebook auf die AfD-typischen aus Porträtbild, Parteilogo und knackigen Zitaten zusammengesetzten Grafiken aus dem Baukasten.

Das Wort Lügenpresse würde er nicht in den Mund nehmen, betont der Dattenberger, wirft aber den Medien vor, die problematischen Aspekte des Flüchtlingszustroms verschwiegen zu haben. „Es ist erwiesen, dass ein Großteil der Journalisten Rot-Grün zuneigt“, betont er und deutet an, dies führe zu einer Filterblase. Aber lebt man als junger AfD-Funktionär nicht selbst in einer solchen? Darauf könnte man kommen, wenn man sich anzeigen lässt, welche Seiten Bleck im bei Facebook mit „Gefällt mir“ markiert hat. Es sind fast ausschließlich Auftritte diverser AfD-Gruppen und -Politiker, darunter auch umstrittene Parteigrößen wie der Thüringer Fraktionschef Björn Höcke. „Ich nutze Facebook nur als Kommunikationsmedium, nicht um mich zu informieren“, sagt er dazu. Kreis- und Ortsverbände unterstütze er mit seinem „Like“. Für den DFB, dem er seit 15 Jahren als Schiedsrichter dient und der sich seit Jahren gegen Rassismus und für Integration stark macht, hat er unterdessen kein „Gefällt mir“ übrig.

Von unserem Redakteur
Michael Fenstermacher

Mitgründer des AfD-Kreisverbands

Andreas Bleck, geboren am 17. April 1988 in Neuwied, war 2013 Mitgründer der AfD im Kreis Neuwied und wurde zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt. Dieses Amt hat er – satzungsgemäß – niedergelegt, nachdem ihn der Landtagsabgeordnete Jan Bollinger 2016 als wissenschaftlicher Mitarbeiter einstellte.

Bleck ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Kreistag Neuwied und Beisitzer im Bundesvorstand der Jungen Alternative. Seit dem Abitur 2009 an der David-Roentgen-Schule Neuwied studiert er Deutsch und Erdkunde auf Lehramt an der Universität Koblenz-Landau. Nach einer Wohnung in Berlin sieht er sich trotz eines aussichtsreichen dritten Platzes auf der AfD-Landesliste noch nicht um. „Ich gehe davon aus, dass ich ein Landesergebnis von 7 Prozent benötige“, sagt Bleck dazu. mif
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