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Idar-Oberstein

Stolz Obersteins in neuem Glanz

Jörg Staiber

Rund 5000 Menschen waren in Glanzzeiten in der Oberstein Ketten- und Bijouterieproduktion beschäftigt – vom angesehenen Stahlgraveur und Mustermacher über Goldschmiede und Mechaniker bis hin zum schlecht bezahlten Heimarbeiter. Knapp 50 Schornsteine rauchten einst zwischen Bahnhof und Gefallenem Felsen, die Ketten, Gürtelschnallen, Zigarettenetuis und natürlich auch der Schmuck – vom schnöde wertvolles Geschmeide imitierenden „Dienstmädchenschmuck“ bis hin zu den stilistisch innovativen und bis heute beeindruckenden Kreationen des Art Déco – wurden fast in die gesamte Welt exportiert.

Kulturstaatssekretär Salvatore Barbaro (rechts) sieht im Industriedenkmal Bengel auch einen wichtigen touristischen Anziehungspunkt für die Zukunft. Zahlreiche Gäste waren am Wochenende zur Wiedereröffnung der ehemaligen Schmuck- und Kettenfabrik nach Oberstein gekommen.  Foto: Hosser
Kulturstaatssekretär Salvatore Barbaro (rechts) sieht im Industriedenkmal Bengel auch einen wichtigen touristischen Anziehungspunkt für die Zukunft. Zahlreiche Gäste waren am Wochenende zur Wiedereröffnung der ehemaligen Schmuck- und Kettenfabrik nach Oberstein gekommen.
Foto: Hosser

Die Blütezeiten sind lange vorbei, Anfang der 1990er-Jahre war die gesamte Industrie fast völlig verschwunden – oder hatte sich, zum Teil mit ähnlichem wirtschaftlichen Erfolg, neue Produkte und Geschäftsfelder und meist auch neue Standorte gesucht.

Vor gut 15 Jahren begann, begünstigt durch einige Zufälle, eine Aufarbeitung dieses wesentlichen Teils der Stadtgeschichte und fand am Wochenende mit der Wiedereröffnung und Einweihung der früheren Ketten- und Schmuckfabrik Begel als Industriemuseum in der Wilhelmstraße ihren vorläufigen Abschluss und Höhepunkt. Eingebunden in ein umfangreiches Führungs- und Vortragsprogramm, wurde von Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Salvatore Barbaro am Sonntagvormittag die offizielle Eröffnung vorgenommen. Der Untergang der traditionellen Ober-steiner Metallwarenindustrie sei die Folge eines technologischen und gesellschaftlichen Umbruchs wie ihn die Menschheit auch jetzt wieder erlebt, erklärte Barbaro in seiner Ansprache. Gerade in Zeiten solcher Umbrüche sei es wichtig, sich seiner Traditionen zu vergewissern, um die Zukunft positiv gestalten zu können. Der Staatssekretär prognostizierte dem Industriedenkmal eine Zukunft als wichtigen Touristenattraktion.

„Nach 15-jähriger Planungs- und Bauzeit ist es ein Tag der Freude“, hatte der Peter Wenzel, früherer Leiter des Stadtentwicklungsamtes und heutiger Vorstandsvorsitzender der Jakob-Bengel-Stiftung, bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste in den Räumen der neu gestalteten Ausstellung erklärt. „Heute geben wir den zahlreichen Arbeitern und Kunsthandwerkern Obersteins ihren Stolz zurück.“ In einem kurzen Abriss stellte er die Entwicklung von Bengel vom verheerenden Nahehochwasser im Jahr 1995 bis zur Realisierung des Industriedenkmals dar. Er hob den Einsatz der Inhaberfamilien Braun und Hartenberger „bis an die Grenzen der finanziellen und psychischen Belastbarkeit und darüber hinaus“ hervor, mit dem damals die Fabrik und die dazugehörigen Gebäude gerettet wurden.

Leider, so Wenzel weiter, könne mit Willi Lindemann der entscheidende Motor und Ideengeber dieses Projektes aus Krankheitsgründen an diesem Tag nicht dabei sein. Von der Erarbeitung erster Publikationen zum Bengel-Schmuck und zur Geschichte der Fabrik und der gesamten Ober-steiner Metallindustrie über die Organisation eines Denkmalsymposions bis hin zur Aufarbeitung der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Obersteins habe „die Kreativität, die Fachkenntnis und der Forscherdrang“ Lindemanns stets eine entscheidende Rolle beim Vorantreiben des Projekts gespielt.

Bürgermeister Friedrich Marx hob die Besonderheit des Indus-triedenkmals hervor. „Das ist etwas ganz anderes als ein herkömmliches Museum“, stellte er die Fabrik als besonderen Ort für die Stadtgeschichte heraus. Sie sei ein Wahrzeichen geworden, das Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft verbinde. Theo Smeets, Professor an der Fachrichtung Edelstein und Schmuckgestaltung, hob die langjährige Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Bengel hervor, die unter anderem in mittlerweile 115 gemeinsam organisierten Ausstellungen, dem Projekt „Artist in Residence“ oder künftigen Vorhaben mit der Jugendkunstschule ihren Ausdruck finde. Bengel sei auf dem Weg „von der Kettenschmiede zur Kulturfabrik“, erklärte Smeets. „Das ist nicht noch ein neues Museum, sondern dieser Ort entwickelt sich zu einem Katalysator für das kulturelle Leben in der Region“, warf Smeets einen Blick in die Zukunft.

Von unserem Reporter Jörg Staiber

Idar-Oberstein Birkenfeld
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