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Bruchweiler

Nicht vom schnellen Geld blenden lassen

Der Saal im Gemeindehaus in Bruchweiler war brechend voll, die Stühle reichten bei Weitem nicht aus für die rund 250 Zuhörer: Das enorme Interesse an der Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Windkraftfreier Idarwald dürfte wohl auch die Initiatorenüberrascht haben. Und ganz sicher Uwe Anhäuser, den Moderator des Abends und Vorsitzenden des Bündnisses Energiewende für Mensch und Natur.

Obwohl noch zusätzliche Stühle aufgestellt wurden, mussten einige der gut 250 Zuschauer die Infoveranstaltung stehend verfolgen.
Obwohl noch zusätzliche Stühle aufgestellt wurden, mussten einige der gut 250 Zuschauer die Infoveranstaltung stehend verfolgen.
Foto: BI Windkraftfreier Idarwald

Mit vielleicht 50 Zuhörern habe er gerechnet, sagt er, aber auf keinen Fall mit einem solchen Andrang. „Das zeigt, dass die Leute sich nicht ausreichend informiert fühlen, wenn es um Windkraft geht.“

An diesem Abend wurde über Windräder im Allgemeinen und speziell über Probleme in einer kleinen Gemeinde bei Emmelshausen gesprochen sowie über fünf Anlagen, die an der Grenze zur Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück und zudem relativ nah an Hellertshausen und Hammerbirkenfeld gebaut werden sollen. Die Anträge des Projektentwicklers Gaia liegen der Genehmigungsstelle bei der Kreisverwaltung vor, doch es fehlen noch einige Gutachten, berichtete Anhäuser.

Bürgermeister Georg Dräger weist Vorwürfe zurück

Bestätigt wurde dies von Georg Dräger, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rhaunen, der wie viele andere Politiker sowie Orts- und VG-Ratsmitglieder als Zuhörer nach Bruchweiler gekommen war. Gaia sei derzeit dabei, die Gutachten zusammenzutragen, erklärte der VG-Chef. Dräger wies entschieden Unterstellungen zurück, dass die Verwaltung das Thema Windkraftanlagen „forcieren“ wolle. „Wir machen das, was uns vorgegeben ist. Seit sieben Jahren arbeiten wir uns an dem Thema Windkraft ab – nicht weil wir es wollen, sondern weil die Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe es uns vorgegeben hat.“

Als die BI Windkraftfreier Idarwald von den Anträgen für die Windräder hörte, habe sie sich entschlossen, eine neue Kampagne zu starten, erklärte Sprecher Reiner Bleisinger. Die Initiative gibt es schon seit 2015. Sie setzt sich für die Natur im Idarwald ein, sammelt Unterschriften, druckt Flyer und Transparente, die an stark frequentierten Stellen hängen und den Schutz des Idarwalds anmahnen. Jetzt, mit der neuen Kampagne gegen die Windräder bei Hellertshausen, hat sie eine neue Form des Kampfs entdeckt: Widerstandspfähle. 300 der schmalen, orangerot bemalten Pfosten wurden ins Gemeindehaus in Bruchweiler mitgebracht. Gäste der Veranstaltung konnten ihren Namen draufschreiben. Am ersten Adventssamstag, 2. Dezember, soll es auf einer Wiese zwischen Hottenbach und Weiden ein kleines Fest geben: Die Pfähle werden in den Boden gehauen, man trinkt Glühwein und informiert, und vielleicht gibt’s auch Wildwürste vom Rost. Später soll auch eine Bürgerfahrt zu einem unter Windkraft leidenden Ort organisiert werden.

Windräder schrecken potenzielle Grundstückskäufer ab

Schnellbach könnte ganz oben auf der Liste für diesen Ausflug stehen. Die Ortsvorsteherin des in Beltheim eingemeindeten Hunsrückdorfs, Dagmar Pera, sprach im Gemeindehaus von den Problemen, die ihre Gemeinde plagen: 23 Windkraftanlagen stehen um das Dorf, ein weiteres mit einer Gesamthöhe von 229,5 Metern ist geplant. In den vergangenen zehn Jahren habe die Gemeinde kein Grundstück mehr verkaufen können. Wer sein Haus veräußern will, habe ebenfalls große Probleme: Die Windräder, sagt Pera, schrecken potenzielle Käufer ab. Schnellbach hat beim Koblenzer Oberverwaltungsgericht gegen die Genehmigungsbehörde, die Kreisverwaltung in Simmern, prozessiert. Und verloren. Deshalb trägt der Ortsteil die Kosten für die Verfahren. Man hat sich an das Bundesverfassungsgericht gewandt. Dessen Antwort: Es werde erst tätig, wenn alle anderen rechtlichen Schritte ausgeschöpft seien. Das aber könne sich Schnellbach finanziell nicht leisten, sagt Pera. Jetzt denkt man über eine Strafanzeige wegen Körperverletzung nach – weil der Lärm der Windräder den Anwohnern schade.

Immobilien verlieren an Wert, Dörfer werden weniger attraktiv für Leute, die sich nach einem Haus umsehen, der Tourismus leidet: Diplom-Biologe Michael Altmoos wies darauf hin, dass nicht nur die Bürger verlieren, sondern auf lange Sicht auch die Gemeinden, die zunächst noch von Pachteinnahmen profitieren, später aber weniger Einnahmen aus dem Tourismus haben werden und weniger Einkommensteuer, weil die Einwohnerzahl abnimmt. „Denken Sie nach“, wandte er sich an die Gemeinderäte, „lassen Sie sich nicht vom schnellen Geld blenden!“

Von unserem Mitarbeiter
Karl-Heinz Dahmer

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